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Und taeglich grueßt die Evolution

Und taeglich grueßt die Evolution

Titel: Und taeglich grueßt die Evolution Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: wissenmedia
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zu schaffen.
    Und doch hat der menschliche Geruchssinn noch immer einen biologischen Hintergrund. Unser individueller Körpergeruch wird von zuckerhaltigen Eiweißen, den sogenannten Glycoproteinen, geprägt, die in der Zellmembran verankert sind und für unser Immunsystem eine wichtige Rolle spielen. Fasst jede Zelle unseres Körpers trägt diese spezifischen Moleküle, die als Humane Leukocytenantigene (HLA) bezeichnet werden. Neueste Forschungsergebnisse belegen, dass Personen, die sich genetisch sehr stark in den HLA unterscheiden, einander offensichtlich attraktiver finden als solche, die sich sehr ähnlich sind. Als unangenehm wurden in Tests Personen eingestuft, die ein ähnliches HLA-Profil hatten. Je größer der Unterschied war, umso attraktiver fanden sich die Testteilnehmer. Dieses Phänomen ist biologisch sinnvoll, denn je unterschiedlicher die genetischen Merkmale und damit die HLA-Profile der Eltern sind, desto abwehrstärker sind die Nachkommen.
    Das Netzhautbild – Ein einzigartiges Kunstwerk
    Für uns Menschen ist das Sehen der wichtigste Sinn, mit dem wir uns in der Welt zurechtzufinden. Rund 80 Prozent aller Sinneseindrücke nehmen wir mit den Augen wahr, die durch komplexe Prozesse in unserem Gehirn ein Bild der Welt im Kopf entstehen lassen. Treffen Lichtquanten auf unser Auge, so werden diese von Nervenzellen in der Netzhaut in elektrische Signale umgewandelt. Das dadurch entstehende »Netzhautbild« enthält Informationen über die Helligkeit und die Farbverteilung der Lichtquanten, die an die Hirnrinde weitergeleitet werden und dort – den Verarbeitungsprozessen unterworfen – zur Wahrnehmung führen.
    In der ersten Verarbeitungsstation, der sogenannten primären Sehrinde, befinden sich Nervenzellen, die auf bestimmte Merkmale des Netzhautbildes ansprechen, zum Beispiel die Orientierung von Konturen. Diese Information wird parallel an eine Vielzahl von Großhirnarealen weitergeleitet, von denen sich ein jedes mit Teilaspekten des Netzhautbildes befasst. Ohne unser Gehirn wäre die Welt wie ein abstraktes Gemälde. Auch Farben sind keine physikalische Eigenschaft von Gegenständen, sondern entstehen in unserem Kopf. Dabei haben
    Menschen und Primaten einen Vorteil gegenüber anderen Säugetieren, da sie nicht zwei, sondern drei Arten von Farbzapfen besitzen und damit in der Lage sind, zwischen Rot und Grün zu unterscheiden. Evolutionsbiologisch hat sich dies als sinnvoll erwiesen, denn Primaten sind dadurch zum Beispiel in der Lage, reife Früchte besser von einem grünen Blatthintergrund zu unterscheiden. Reife Früchte sind nahrhafter und leichter zu verdauen als grüne Blätter, so dass die Stoffwechselenergie, die zum Verdauen gespart wurde, von Tieren genutzt werden konnte, um zum Beispiel das Gehirn zu vergrößern.
    Fühlen, lachen und weinen: Sehen will gelernt sein
    Sehen ist ein Prozess, der ein Leben lang andauert. Neugeborene nehmen ihre Umgebung in den ersten Wochen durch ihr Gehör und vor allem durch den Tastsinn wahr. Mit einem halben Jahr beginnen Kinder ihre Umwelt räumlich wahrzunehmen und auch in die Tiefe zu sehen. Dies geschieht jedoch nicht allein über ihren Sehsinn, sondern sie tasten Gegenstände ab, um so eine dreidimensionale Vorstellung von ihnen zu bekommen. Erst mit einem Jahr besitzen Kinder in etwa das Sehvermögen eines Erwachsenen.
    Zur lebenslangen Lernleistung unseres Gehirns gehört es, Gesichter zu erkennen. Bereits Kinder im Alter von fünf Jahren können Mimik deuten und zwischen Freude, Wut, Angst und Trauer unterscheiden. Verantwortlich dafür sind sogenannte gesichtsspezifische Zellen, die auf ganz bestimmte Objektkategorien antworten. Dabei scheint es eine Aufteilung in Zellpopulationen zum Erkennen allgemeiner Eigenschaften von Gesichtern und solche zum Erkennen individueller Gesichter zu geben. Es existiert also keine einzelne »Mutternervenzelle«, die speziell für die Erkennung des Gesichtes der Mutter verantwortlich ist – allerdings sind nur vergleichsweise wenige Nervenzellen notwenig, um ein Gesicht eindeutig identifizieren zu können. Wie das Bewusstsein von einzelnen Merkmalen eines Gesichtes auf einen Gemütszustand schließt, ist bislang allerdings noch ein Rätsel.

    VERERBTES FAIBLE FÜR BITTERSTOFFE
    Neben den vier Geschmacksrichtungen, die der Mensch wahrnehmen kann, gibt es ein weiteres sonderbares Phänomen, das indirekt mit unserem Geschmackssinn zusammenhängt: die Schärfe. Dabei ist der brennende Schmerz in Mund, Rachen

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