Und taeglich grueßt die Evolution
des Erfassens und Erfahrens ein. Es zeigt sich aber, dass – wenn beide Bereiche des Gehirns gezielt trainiert werden – sich Lernstoff umso stärker einprägt, da er nun sowohl vom Verstand als auch vom Gefühl her verankert ist.
GEHIRNJOGGING: WIE FIT IST IHR GEHIRN?
Für uns Menschen ist es von großer Bedeutung, unseren Körper fit zu halten. Doch was ist mit unserem Gehirn? Seit dem populären Zahlenrätsel Sudoku ist bekannt, dass es nicht nur sinnvoll ist, unser Gehirn zu trainieren, sondern sogar Spaß macht. Unterschiedliche Methoden des »Gehirnjogging« sind bekannt und kommerziell erhältlich. Sinn und Zweck ist es beispielsweise, durch lautes Vorlesen die Zusammenarbeit spezieller Hirnbereiche zu stimulieren und zu trainieren. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass es drei Prinzipien gibt, nach denen man sein Gehirn fordern und trainieren kann: Erstens sollte man lesen, schreiben und rechnen, zweitens mit anderen Leuten effizient kommunizieren und drittens etwas mit seinen Händen erschaffen. Wenn man diese drei Prinzipien in seinem täglichen Leben auf kreative Art beherzigt, kann man die Leistungsfähigkeit seines Gehirns aufrechterhalten. Von Bedeutung ist dabei vor allem das Training des präfrontalen Kortex, einer Region des Frontallappens der Großhirnrinde, der sich nur bei uns Menschen entwickelt hat. Der präfrontale Kortex empfängt die verarbeiteten sensorischen Signale, integriert sie mit Gedächtnisinhalten und emotionalen Bewertungen und initiiert auf dieser Basis Handlungen. Denken, etwas Neues erschaffen, effektive Kommunikation mit anderen Menschen, Ehrgeiz und Konzentration – wir wissen, dass diese Funktionen vom präfrontalen Kortex beeinflusst werden. »Echte Intelligenz« ist also die sinnvolle Nutzung gespeicherten Wissens und der angemessene Umgang mit der jeweiligen Situation. Neben dem morgendlichen Frühsport gilt es demnach ebenso sehr, sein Gehirn zu trainieren, um Informationen effektiv abrufen und verwalten zu können.
Der Kehlkopf rutscht: Veränderungen lehren das Sprechen
Was den Menschen vom Tier unterscheidet, ist vor allem seine Sprache. Das Sprechen, das uns so selbstverständlich erscheint, ist eine vokale Kommunikationsform, die in ihrer Komplexität und Flexibilität in der Evolution einzigartig ist. Dank der anatomischen Besonderheiten unseres Lautapparates ist unser phonetisches Repertoire im Vergleich zum Schimpansen so sehr erweitert, dass wir auch komplizierte Vokale (wie »i« oder »u«) oder sogenannte Konsonantenkluster (wie das »s-p-r« in »springen«) artikulieren können. Gegenstand wissenschaftlicher Spekulationen ist noch immer die Frage, welche evolutionären Kräfte die außergewöhnliche Anatomie des menschlichen Sprechorgans formten.
Unser Lautapparat unterscheidet sich in seiner grundlegenden Anatomie kaum von dem anderer Säugetiere: Ausgeatmete Luft aus den Lungen bringt zwei aneinanderliegende Stimmlippen im Kehlkopf zum Vibrieren. Die Schwingungsrate bestimmt die Tonhöhe des erzeugten Lauts. An den Kehlkopf schließt sich der sogenannte Vokaltrakt aus Rachen, Mund- und Nasenraum an. Die darin befindliche Luft wird von den vibrierenden Stimmlippen in Schwingungen versetzt, so dass ein Ton entsteht. Welche Klangfarbe dieser Ton besitzt, wenn er durch Mund und Nase nach außen gelangt, hängt maßgeblich von der Form des Vokaltrakts ab. Der Kehlkopf ist gewissermaßen die Quelle des Schalls und der Vokaltrakt der Schallfilter.
Von Vokalen und Konsonanten
Das Außergewöhnliche am menschlichen Vokaltrakt ist seine enorme Flexibilität bei der Schallmodulierung, durch die wir wie kein anderes Säugetier in kürzester Zeit eine Flut an komplizierten Vokalen und Konsonanten produzieren und beliebig kombinieren können. Beim Sprechen wird die Form des Vokaltrakts durch die feinmotorische Steuerung der Zunge, Lippen und des Kiefers permanent verändert, so dass immer nur bestimmte Frequenzbänder ihn passieren können. Die dadurch entstehenden Bandpassfilter werden Formanten genannt. Sie entstehen unabhängig von der Tonhöhe, allein indem die Form des Vokaltrakts variiert wird, und sind für das Verstehen von Vokalen essentiell. Zum Beispiel verursachen allein ungleiche Formanten den Unterschied zwischen »Beet« und »Boot« oder zwischen »Wien« und »Wahn«.
Die zweite Klasse an Lauten, die wir beim Sprechen in rasanter Abfolge mit den Vokalen kombinieren, sind die Konsonanten. Diese Laute entstehen durch die
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