Unter dem Zwillingsstern
die Badezim m ertür gelehnt; wenn es Robert gewesen wäre, hätte sie ihn längst naßgespritzt, aber an ihrer Beziehung zu Philipp war n i chts Spielerisches. Er b eobachtete sie, was sie an Genevieve Ber e sford erinnerte. Sie hatte m it ihrer Antwort nur eine kleine Revanche für die offene Musterung beabsichtigt; wenn sie im Laufe der l e tzten Ja h re etwas g e l e rnt h a tte, dann das: auszuteilen, w o sie einstecken m ußte. Jetzt beugte sie sich zur Seite, stützte einen A r m auf d e n W annenrand und betrachtete Philipp. Er trug einen B ade m antel, was er nicht häufig tat, aber auch so konnte m an sehen, daß ihn das Überschreiten der Dreißig nicht verändert hatte. Aber sie traf t ä glich eine Menge gutaussehender Männer. W arum konnte sie das m it Philipp nicht einfach beenden? Ursprünglich hatte es eine ein m ali g e Verabredung sein sollen; ganz gewiß hatte sie keine andauernde Affäre m it einem quälenden Zyklus aus Streit und Versöhnung im Sinn gehabt.
» W oran denkst du ? « fragte er sie, als sie ebenfalls die Stirn runzelte. Aus irgendeinem Grund brachte sie es nie fertig, ihm darauf wahrheits ge m äß zu antworten; i h re Gedanken erschienen ihr als ein Teil i h rer selbst, den sie ihm nicht g e ben wollte.
»An V a m p i re«, entgegnete sie. »Wovon träu m en V a m p i re, was m einst du? Ich glaube, sie träu m en von der Sonne.«
Er kniete sich neben sie. »Du sol l test b e i d i e s em Film nicht m itwirken«, sagte er sehr ernst.
»Und warum nicht ? « fragte Carla m ehr überrascht als entrüstet; er wirkte nicht so, als wolle er eine Auseinandersetzung m it ihr beginnen, aber er m ußte doch wissen, daß er sie provozierte. »Er könnte m i ch auf einen Schlag berüh m t m achen.«
» W enn der Führer die Wahlen gewinnt«, sagte Philipp sachlich,
»wird die Fil m industrie… refor m iert werden. Ich kann m ir nicht vorstellen, daß jüdische Produktionen dann noch lange in Deutschland vert r ieben werden. Vermutlich we r den sie noch nicht ei n m al f ertiggestellt.«
Carla tauc ht e etwas tiefer in d a s heiße W asser. »Dann laß uns darauf hoffen, daß er nicht Reichspräsident wird«, erwiderte sie kurz angebunden und weigerte sich, ihn e r nst zu neh m en, obwohl sie die selbstverständliche Art und W eise, in der er das prophezeite, beunruhigte. W as er sagte, zerstörte etwas von ihrer Fr eude über die errungene Rolle, und in ihr stieg der W un s ch auf, ihm das hei m zuzahlen.
» W as ich nicht verstehe, Philipp, ist, was du üb e rhaupt an der Idee vom Dritten Reich reiz v oll f i ndest«, m ur m elte sie m it geschlossenen Augen. »Abgesehen von den Lieferverträgen, m eine ich. Du würdest dich doch entsetzlich langweilen. Hast du schon ein m al eine Aufführung der Volksbühne gesehen, auch nur eine? D as würde m ich wundern. Aber Josephine Baker hast du bewundert, stim m t’s? D eine Parteigenossen m üssen dich für einen ganz schönen Heuchler halten.
Statt die Mären von Blut und Boden zu unterstützen, besuchst du dekadente F il m e und d e kadente Kabaretts und hast ein Verhältnis m it j e m and e m w i e m ir .«
Sie spürte, wie er eine Hand auf ihre Schulter legte, aber die andere unter i h rem Arm kam völlig un e rwart e t, ebenso, daß er sie plöt z li c h hochzog. Es gab wenig I rritierenderes, als in einer E m aillewanne m it einem mal jeden Halt zu verlieren und sich, um das Gleichgewicht wiederzuerlangen, an d e m j enigen festklam m e r n zu m üssen, der all das verursachte.
»Ich bin nicht perfekt«, sagte Philipp und ignorierte ihre B e m ühungen, sich wieder von ihm zu lösen. » W ir haben alle unsere Makel, und du bist einer von m einen. Aber ich arbeite daran, m i ch zu verbessern.« Er trat von ihr zurück, und sofort überzog die Kühle des Rau m es nach dem heißen Bad sie m it einer G änsehaut. M it dem gleic h en sa c hlichen To nf all, in dem er vorhin über eine »Refo r m « der Fil m industrie gesprochen hatte, fügte er hinzu: »Und dich.«
Carla griff nach einem Handtuch und antwort e te sarka s tisc h : »Gott, Philipp, wenn ich geahnt hätte, daß du so opferbereit bist, dich nur m it m i r abzugeben, um m i ch für die Sache zu gewinnen… Du bist ein ec h ter M ärtyrer.«
Er lac h te; d as war das Verwirrende an ih m , gelegentlich zeigte er direkt nach solchen pompösen Aussagen Sinn für Ironie. »Ja, ich weiß.«
» W enn ich dich zu der Pre m iere d e s Fil m s einlade«, m einte Carla, etwas
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