Unter dem Zwillingsstern
schön, weil ihr’s seid Paul will di e deutsc h e Pre m iere zuerst a n setz e n, im Herbst, ide a le r weise im Oktober. Die französische und die a m erikanische dann i m nächsten Jahr, und je n achde m , w i e der Film hier ankommt, beza h lt er euch ein Ticket in die Staat e n, da m it ihr dabeisein könnt. Es sei denn«, fügte sie hinzu, schaute zu C arla und z w inkerte ihr zu, »die Erfahrung mit diesem Film genügt einigen von euch.«
»Es war ungeheuer anstrengend«, ant w ortete Carla ehrlich, »aber ich fühle m i ch jetzt, als hätte ich eine neue Sprache gelernt, und ich spreche s ie gerne.«
»Laß es dir nicht zu K opf steigen, aber du sprichst sie auch gut. Was nicht heißt, daß du nicht no c h verbesserungsfähig bist.«
Carla m ußte lachen, doch nicht, w e il sie daran zweifelte; auf Genevieves fragenden Gesichtsausdr u ck hin erklärte sie, während sie den Krug m it Rauchbier in ihrer Hand d r ehte, denn sie m ochte Bier nicht besonders: »Fast jeder Mensch, den ich… je gekannt habe, hat geglaubt, er müßte m i ch verbesse r n. W i e öde es doch unter Perfekten sein m uß. Gar kein Gesprächsthe m a m ehr.«
»Keine Sorgen, Honey, du wirst nie perfekt, schließlich bist du kurzsichtig«, gab Genevieve tro c ken zurück. »Das war ein Schock für m ich, kann ich dir sagen die Kleine hat s o einen seelenerforschenden Blick, dachte ich, und dann stellt sich heraus, daß es bloße Kurzsichtigkeit ist und wir Glück haben, daß du nicht in irgendwelche Gegenstände stolperst. Aber beh a lt es bei. Ich habe die täglichen Muster gesehen, und es wirkt.«
Zum Schluß, als sie in das einzi g e große Hotel im Ort gingen, wo die Fil m crew untergebracht war, g a b Genevieve Carla eine Schachtel. » E in kleines Souvenir«, be m er k te sie, und C arla öffnete sie sofort; sie hatte sich bei G eschenken noch nie zurückhalten können. Es war die Gips m aske, auf die sie m it ge m i schten Gefühlen schaute.
» W as ist?« fragte Genevieve. »Ge f ällt s ie d ir nicht? Ein kleines Stück Unsterblichkei t , Kid. Man wird im m er sehen können, wie du m it zweiundzwanzig warst.«
Carla biß sich auf die L i ppen und entschloß sich, ein klein wenig von ihrem Inneren preiszugeben. » S chon«, ant w ortete sie langsam,
»aber es kommt m ir so vor, als sei es nicht m e hr m ein Gesicht, sondern ih r es. Car m illas.«
Genevieve lächelte nicht. Statt dessen nahm sie Carlas Kinn in ihre Hand und küßte sie sachte auf die Lippen.
»Zu schade«, sagte sie dann. »Du bist wirklich very engaging. Paß auf dich auf, Kid.«
Carlas Beschluß, von B a m berg aus nicht nach B erlin, sondern nach München zu fahren, kam plötzlich; sie wollte Käthe überraschen, und daher m eldete sie sich auch nicht an. Auf der Zugfahrt las sie d i e Zeitung, was sie wieder etwas in die Gegenwart zurückbrachte. Sie hatte völlig vergessen, daß inzwisc h en die Reic h stagswahlen statt g efunden hatten. Kathi würde zweifellos erfreut sein, daß Hindenburgs neuester Kanzler, Franz von Papen, und sein »Kabinett der Barone« im m er noch keine Mehrheit hatten, aber d as war ein gerin g er Tro s t angesichts des U m stands, daß die N SDAP nun die stärkste Fraktion im Parla m e nt s t ellte. Nein, ver m utlich war Kathi außer s i ch und am Boden zerstört.
Zu m i ndest, dachte Carla, wird m ich das ablenken. Sie war sich über die Egozentrik des Gedankens im klaren, doch die übliche Depression nach dem Abschied von ein e r großen R olle suchte sie hei m , und sich um Kathi zu kümmern würde per m anente Beschäftigung bedeuten.
Als sie am Bahnhof ausstieg und sich nach einem Gepäckträger u m sah, hörte sie je m anden rufen. » F räulein Fehr! Fräulein Fehr!« S i e trug ihre Brille, d aher e n tdeckte sie den Mann in Chauffeursunifor m , der auf sie zulief, recht schnell. »Bin ich froh, daß ich Sie gefunden hab, Fräulein«, keuchte er.
Es dauerte einen Mo m ent, dann e r innerte sie sich. Philipps Münchner Chau ff eur. Sie k am sich v o r w ie Car m illa, als sie z u m letzten Mal erwachte und ihrem Schicksal in die Augen sah. Ganz bestim m t, ganz be s tim m t war sie nicht P h ili p ps wegen n ach Münch e n geko mm en. Zu B e ginn der Dreharbeiten h a tte sie ihm gesagt, daß sie bis zum Abschluß des Fil m s keine Zeit h a ben würde, und er hatte das so beiläufig akzeptiert, daß in ihr d i e Ver m utung aufstieg, er wolle ihre Beziehung beenden und sehe das als e i ne gute Möglichkeit. Er
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