Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Unter dem Zwillingsstern

Titel: Unter dem Zwillingsstern Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tanja Kinkel
Vom Netzwerk:
Art, und sie fragte sich, warum s ie im m er Hintergedanken haben mußte, selbst Leuten w i e Martin G old m ann gegenüber, der im m er nur hilfsbereit und höflich ihr g e genüber ge w esen war. »Richtig hohlwangig sehen Sie aus.«
    »Die Arbeit an d e m Film war zi e m lich anstrengend«, entgegnete sie und bemerkte, daß er sich u m schaute, während sie ihn zur Treppe führte. » W ir haben alle nur von Kaffee und Tabletten gelebt, fürchte ich.«
    »Sie sollten ein paar Wochen lang hier bei uns in Bayern bleiben und sich erholen, bevor Sie wieder zu den Preußen gehen«, sagte Dr. Gold m ann und klopfte auf die Arzttasche. »Um das ganze Zeug aus Ihrem Körper zu kriegen. Zuviel davon über einen zu langen Zeitraum m acht süchtig.«
    »Eigentlich hatte ich das vor.«
    Viell e icht l a g es an sei n em pro f essionellen Au f treten als A r zt, ab e r er hatte et w as Vertrauenerweckendes an sich, das die Anspannung in ihr ein wenig löste. Gleichzeitig wurde ihr bewußt, daß er bisher jede Frage nach Philipp ver m ieden hatte. Bestim m t kannte er auch Philipps politische Einstellung. Daß er trotzdem sofort gekom m en war, erhöhte ihre Achtung vor ihm noch weit e r. Er war vi e lleicht blind, was Kathi anging, und hoffnungslos bla u äugig, soweit es Robert betraf; dennoch beneidete sie Robert plötzlich.
    Dies m al klopfte sie, ehe sie den R aum betrat. »Dr. Gold m ann«, sagte sie, » m ein Schwager, Phili p p Bach m aier. Philipp, das ist Dr. Gold m ann.«
    Insgeheim befürchtete sie Phil i pps Reaktion auf diese ungebetene Konsultation. Sie hatte noch nie erlebt, daß er in Gegenwart von Juden antisemiti s che Bemerkungen ge m acht hatte, doch anso n sten ließ er s ie g ele g entlich ins Gespräch einfließen, und seine Selbstbeherrschung unter Sch m erzen kannte sie n i cht. Doch die beiden Männer tauschten die üblichen Höflichkeitsfloskeln aus, und sie wollte sich erleichtert umdrehen, um zu gehen, als Philipp laut und deutlich sagte, während er sie über Dr. Gold m anns Schulter anschaute:
    »Oh, es besteht kein Grund, warum Fräulein Fehr der Untersuchung nicht beiwohnen sollte. Es gibt hier nichts, was sie nicht schon gesehen hat.«
    Du Mistkerl, dachte Carla und benutzte jede Unze Disziplin, die ihr Beruf sie gelehrt hatte, um weder zusammenzuzucken noch eine Miene zu verziehen. Dr. Gold m ann, Gott segne ihn, reagierte überhaupt nicht auf die Be m erkung. Doch er begann ohne weitere U m stände da m it, Philipps Verbände abzuwickeln. Natürlich konnte sie im m er noch gehen, aber sie gön n te Philipp d i e Genugtuung nicht. Mit gekreuzten Ar m en lehnte sie an der W and und beobachtete, wie nach und nach im m er m ehr von s ei n em m alträtierten Fleisch zum Vorschein ka m . Unwillkürlich preßte sie die Lippen zusa mm en. Es war eigenartig, Mitleid für je m anden zu fühlen, der keines verdiente und einen gerade m it Absicht bloßgestellt hatte, aber es ließ sich nicht verhindern. Selbst ein Fre m der hätte ihr u n ter solc h en U m ständen leid getan, und sie kannte seinen Körper nun ein m al zu gut, um nicht so etwas wie ein E cho zu e m pfinden, wenn sie sich vorstellte, wie derarti g e Male zustande g e kom m en waren. Während der ganzen Zeit, außer, als Dr. Gol d m ann ihn vorsic h tig zur Seite d re h te, blic k te er zu ihr herüber, und mit einem mal kam ihr die Erkenntnis, daß bei seinen verklebten Lidern auch das sch m erzhaft s ein m ußte.
    »Nun«, sagte Dr. Gold m ann, als er fertig war und Philipp neu verbunden hatte, »zum Glück scheint nichts gebrochen zu sein, und ich glaube nicht, daß es bl ei bende Schä d en geben wird. Trotz de m sollten Sie sich in ein Krankenhaus einliefern und röntgen lassen.«
    »Das kommt nicht in Frage.«
    »Dann kann ich Ihnen nur raten, sich i n d en n ä ch s t en T a g en so w enig wie m ö glich zu bewegen.« Er notierte etwas auf einen Zettel.
    »Besorgen Sie das in der Apothek e , Carla. Ich werde m orgen noch ein m al vorbeischauen. Es sei den n «, fügte er höflich, an P hilipp gewandt, hinzu, »Sie ziehen es vor, einen anderen Arzt zu konsultiere n ? «
    »Nein.«
    Sowie sie Philipps Zi mm er hinter sich gelassen hatten, sagte Carla:
    »Dr. Goldmann, ich kann diese Rezepte je m andem vom Personal geben, aber ich… ich bleibe nicht hier.«
    »Das sollten Sie aber. Es kann i m m er noch sein, daß er innere Blutungen hat, deswegen möchte ich ja, daß er in ein Krankenhaus geht. W ie auch immer, er sollte in die s er

Weitere Kostenlose Bücher