Vergebung
freilich auf der Hand: Sobald Ekström das Polizeigebäude verließ, hatten sie auch keine Möglichkeit mehr, sein Handy abzuhören - wenn Trinity nicht wusste, wo der Staatsanwalt sich gerade befand, und sein Auto in unmittelbarer Nähe parken konnte.
Mit Anweisung von höchster Stelle konnte Torsten Edklinth nun endlich eine kleine, aber legitime operative Einheit einrichten. Er suchte sich vier Mitarbeiter aus und wählte dabei ganz bewusst jüngere Talente mit einem Hintergrund im normalen Polizeidienst, die erst vor Kurzem für die RPF/Sich rekrutiert worden waren. Zwei kamen vom Betrugsdezernat, einer vom Dezernat für Wirtschaftskriminalität und einer vom Dezernat für Gewaltverbrechen. Sie wurden in Edklinths Dienstzimmer bestellt, bekamen einen Vortrag über die Art des Auftrags zu hören und darüber, wie wichtig es war, absolute Geheimhaltung zu wahren. Edklinth unterstrich, dass diese Ermittlungen auf ausdrücklichen Wunsch des Ministerpräsidenten durchgeführt wurden. Monica Figuerola wurde zu ihrer Chefin ernannt und leitete die Ermittlungen mit einer Kraft, die ganz ihrem Äußeren entsprach.
Doch es ging langsam voran, was zum Großteil daran lag, dass niemand so richtig wusste, wer oder was eigentlich untersucht werden musste. Mehr als einmal überlegten Edklinth und Figuerola, ob sie Mårtensson nicht einfach ohne viel Federlesens festnehmen und befragen sollten. Aber jedes Mal kamen sie zu dem Schluss, dass sie doch lieber abwarten wollten. Eine Festnahme würde die Ermittlungen auf einen Schlag ans Tageslicht zerren.
Erst am Dienstag, elf Tage nach dem Treffen mit dem Ministerpräsidenten, klopfte Monica Figuerola an die Tür von Edklinths Zimmer.
»Ich glaube, wir haben da etwas.«
»Setzen Sie sich.«
»Evert Gullberg.«
»Ja?«
»Einer unserer Ermittler hat sich mit Marcus Erlander unterhalten, der die Ermittlungen im Mordfall Zalatschenko leitet. Erlanders Angaben zufolge hat die RPF/Sich schon zwei Stunden nach dem Mord Kontakt mit der Göteborger Polizei aufgenommen, um ihnen die Information über Gullbergs Drohbriefe zu geben.«
»Ziemlich flott.«
»Ja. Ein bisschen zu flott allerdings. Die RPF/Sich hat der Göteborger Polizei neun Briefe durchgefaxt, die Gullberg angeblich abgefasst hat. Dabei gibt es nur ein Problem.«
»Und zwar?«
»Zwei von diesen Briefen sind ans Justizministerium gerichtet - an den Justizminister und den Demokratieminister.«
»Aber das weiß ich doch schon.«
»Ja, aber der Brief an den Demokratieminister wurde erst einen Tag später im Journal des Ministeriums verzeichnet. Er ist ein bisschen verspätet angekommen.«
Edklinth starrte Monica Figuerola an. Zum ersten Mal hatte er wirklich Angst, sein Verdacht könne sich als berechtigt erweisen. Monica Figuerola fuhr unerbittlich fort.
»Mit anderen Worten, die RPF/Sich hat die Faxkopie eines Drohbriefes geschickt, der den Adressaten noch nicht mal erreicht hatte.«
»Du lieber Gott«, sagte Edklinth.
»Ein Mitarbeiter des Personenschutzes hat diese Briefe gefaxt.«
»Wer?«
»Ich glaube nicht, dass er irgendwas mit der Sache zu tun hat. Er bekam die Briefe morgens auf seinen Schreibtisch und erhielt kurz nach dem Mord den Auftrag, die Polizei in Göteborg anzurufen.«
»Wer hat ihm diesen Auftrag erteilt?«
»Der Sekretär des Amtschefs.«
»O Gott, Monica … Ist Ihnen klar, was das bedeutet?«
»Ja.«
»Das bedeutet, dass die RPF/Sich beim Mord an Zalatschenko die Finger im Spiel hatte.«
»Es bedeutet zumindest, dass Personen innerhalb der RPF/Sich Kenntnis von dem Mord hatten, bevor er begangen wurde. Die Frage ist nur, welche Personen sind das?«
»Der Amtschef …«
»Ja. Aber so langsam beschleicht mich der Verdacht, dass dieser Zalatschenko-Klub außerhalb des Hauses arbeitet.«
»Wie meinen Sie das?«
»Mårtensson. Er wurde vom Personenschutz abgestellt und arbeitet selbstständig. Wir haben ihn seit letzter Woche rund um die Uhr überwacht. Soweit wir wissen, hatte er mit niemandem hier im Haus Kontakt. Anrufe nimmt er auf einem Handy entgegen, das wir nicht abhören können. Die Nummer ist uns unbekannt, aber es ist auf jeden Fall nicht sein eigenes Handy. Er hat diesen blonden Mann getroffen, den wir noch nicht identifizieren konnten.«
Edklinth legte die Stirn in tiefe Falten. Im selben Augenblick klopfte Anders Berglund an die Tür. Er war einer der Mitarbeiter, die für die neu gegründete operative Abteilung rekrutiert worden waren, und hatte früher im Dezernat
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