Verheißene Erde
war;
nur selten ordnete er an, daß ein Abschnitt abgerissen und neu gebaut werden solle, und eines Tages, als er bei Nxumalo stand und mit seinem Stab die Arbeit des jungen Mannes abklopfte, begann er plötzlich zu lachen, und keiner wußte, warum. »Wir sollten dem die schwere Arbeit machen lassen«, sagte er und zeigte mit seinem Stock auf einen Affen, der sich auf seinen Hinterbeinen und Vordergelenken vorwärtsbewegte und nahe dem Platz des Steinmetzmeisters stehenblieb. Er hatte das Tier, das von seiner Mutter nach der Geburt verlassen worden war, seinerzeit gefunden.
Der Inspektor beobachtete den zahmen Affen eine Zeitlang, dann tippte er Nxumalo mit seinem Stab an: »Es wird deine Aufgabe sein, ihn zu dressieren.« Über seinen Spaß kichernd, ging er weiter, um einen anderen Teil der Mauer zu inspizieren.
Als er erkannt hatte, daß Nxumalo einer der vorübergehenden Gäste war, die aus entfernten Regionen in die Stadt kamen, um an den Mauern zu arbeiten, bevor sie nach Hause zurückkehrten, machte es sich der Inspektor zur Gewohnheit, ihn jeden Tag zu fragen: »Wie kommst du mit dem Affen voran?« Dann lachte er herzlich. Eines Tages fragte er: »Bist du nicht der Häuptlingssohn?« Als Nxumalo nickte, sagte er: »Der Alte Sucher wünscht dich zu sehen. Er sagt, es sei Zeit.« Und er befahl Nxumalo, das Brett wegzulegen, auf dem er Lehmziegel getragen hatte.
Der Junge wollte gerade nach unten gehen, da bemerkte er etwas, das ihn verblüffte: Da gingen zwei Männer zum Marktplatz, die erstaunlich aussahen. Sie waren nicht schwarz! Die Haut dieser Männer war wie der Stoff, den Zeolani in der Sonne bleichte, nicht schwarz, sondern bloß honigfarben, beinahe weiß, und sie trugen flatternde Gewänder, die sogar noch weißer waren als ihre Haut, und schützende Tücher auf dem Kopf. Er starrte ihnen noch immer nach, als der Alte Sucher voll eifriger Wichtigkeit herankam. »Was gibt es, mein
Sohn?« fragte er, und als er die Fremden sah, über die Nxumalo so verwundert war, lachte er. »Araber. Sie kommen vom Meer.« Er faßte Nxumalo am Arm und sagte in neckendem Ton: »Wenn wir ihnen folgen, kannst du das Vermögen vergeuden, das du bei den Mauern verdienst.«
Nxumalo und sein Mentor gingen den beiden Männern nach, als diese stolz zum Marktplatz schritten, gefolgt von dreißig schwarzen Sklaven, die ihre Handelswaren von der Meeresküste heraufgebracht hatten. Wo immer der Zug vorbeikam, wurde er mit Rufen begrüßt, und Hunderte von Stadtbewohnern zogen hinterher, bis die Fremden vor einem umzäunten Grundstück stehenblieben. Dort wurden sie von einem kleinen, dicklichen Schwarzen überschwenglich begrüßt, der den Markt beherrschte. »Ich habe wunderbare Schätze für euch vorbereitet!« rief der Dicke, als die Araber auf ihn zugingen, um seine Begrüßung zu erwidern. Er wollte noch weitererzählen und andeuten, daß er, wie früher, einen privaten Schatz von Gütern verborgen hatte, um sie zu seinem persönlichen Gewinn einzutauschen. Aber beim Anblick des Alten Suchers, der ein Beamter des Hofes war und über solchen illegalen Handel zu Gericht saß, verlor seine Stimme ihre Lebhaftigkeit. Die Strafe für derlei Delikte war Verbannung auf Lebenszeit. Deshalb schloß der dicke Kaufmann ziemlich kleinlaut: »Ich bin sicher, ihr habt viele gute Dinge mitgebracht.«
»Sicherlich wird sich der König über unsere Geschenke freuen«, sagte der größere Araber.
Die Erwähnung dieser erlauchten und mysteriösen Gestalt ließ Nxumalo erzittern. Er hatte in den Monaten, die er hier war, den König nur zweimal zu Gesicht bekommen, aber nur sehr undeutlich. Denn das Gesetz verlangte, daß, wenn der große Herrscher von Zimbabwe vorbeikam, alle sich zu Boden werfen und die Augen abwenden mußten.
»Es ist klug von euch, daß ihr eure Geschenke verdoppelt«, sagte der Alte Sucher den Arabern, während er zusah, wie sie die für den König bestimmten Geschenke beiseite legten. »Letztes Mal taugten eure Geschenke kaum für diesen Dicken da.« Und er bemerkte die Anzeichen von Besorgnis, die auf dem Gesicht des kleinen Mannes erschienen.
Als die Araber ihre Geschenke bereitgelegt halten, überraschte der Alte Sucher Nxumalo, indem er ihm den Amtsstab übergab: »Heute wirst du mit mir in das große Haus kommen, mein Sohn.«
Der junge Mann, der den Nashörnern so tapfer gegenübergetreten war, schien einer Ohnmacht nahe, aber der Alte legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter: »Es ist Zeit für die
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