Verliebt in eine Diebin - Roman
bis zum Haaransatz hoch. »Ein Rendezvous...«
Uh, oh, dachte Davy. Darüber wird sich Clea gar nicht freuen.
» Ist es nicht«, widersprach Gwen, »er will nur über die Galerie reden. Und ich kriege eine Mahlzeit, die mich nichts kostet.« Sie wandte sich wieder zu Nadine. »Es sei denn, du brauchst mich.«
»Bring mir dein Dessert mit, wenn du nicht alles schaffst«, schniefte Nadine.
»Einverstanden.« Gwen eilte in die Galerie.
»Eiscreme«, sagte Eve zu ihrer Tochter. »Wie wär’s, wenn wir alle ins Grater’s gingen? Jeff fährt.«
»Oh, das wäre nett.« Nadine wischte sich die letzten Tränen ab. Aber Davy gewann den Eindruck, als würde sie sich mittlerweile amüsieren. Wunderbar.
Auf dem Weg zur Tür blieb Jeff bei Davy stehen und reichte ihm die Hand. »Willkommen in der Familie. Andrew hat mir neulich erzählt, Sie würden Tilda helfen, ein Problem zu lösen.«
»Jeff ist Anwalt«, verkündete Tilda.
»Praktisch, wenn man so jemanden in der Nähe hat«, bemerkte Davy.
»He, heute Abend pokern wir«, schlug Jeff vor, »das ist unser sonntägliches Familienvergnügen. Spielen Sie?«
»Warum bin ich nur so fest davon überzeugt?«, fragte Tilda die Zimmerdecke.
Davy schaute in ihre gespenstischen hellen Augen. »Ja.«
»Nimm dich in Acht, ich spiele auf die harte Tour«, warnte sie ihn. »Setz nichts ein, was du behalten willst.«
»Kein Problem, ich habe nichts zu verlieren.«
Da war es wieder, ihr schiefes, bezauberndes Lächeln. Ihre Blicke trafen sich. Für eine Sekunde wurde ihm schwindlig. Wenn er mit dieser Frau pokerte, könnte er sein Hemd verlieren. Und das würde ihm sogar Spaß machen.
Später am Abend, als er mit Tilda, Eve, Gwen, Jeff, Andrew und Mason - dem es irgendwie gelungen war, Clea für eine Stunde zu entrinnen - am Pokertisch saß, hatte sich Davy wieder unter Kontrolle. Auf Michael Dempseys Liste der Fähigkeiten, die seine Kinder unbedingt beherrschen sollten, stand Poker an zweiter Stelle hinter Billard. Auf der Liste von Tony Goodnight oder Vater Phipps stand nichts dergleichen, das bewies schon die erste Partie. Sie nahmen ihre Karten entgegen,
sortierten sie, und sofort glichen ihre Gesichter Plakattafeln: Gwens Kinnlade klappte herunter; Eve lächelte und runzelte dann die Stirn, um ihre Freude zu verbergen; Jeff schüttelte seufzend den Kopf und schob seine Börse tiefer in die Hosentasche; Andrew versuchte eine steinerne Miene aufzusetzen, konnte seine Begeisterung aber nicht verhehlen; Mason lehnte sich zurück und verschränkte die Arme, weil er glaubte, er hätte ein fantastisches Blatt. Und Tilda?
Tilda saß da und beobachtete ihn.
Sie warf nur einen kurzen Blick auf ihre Karten und ließ Davy nicht aus den Augen - die einzige andere Person am Tisch, die klug genug war, um zu erkennen, dass es beim Poker auf die Mitspieler ankam, nicht auf die ausgeteilten Karten. Das ist mein Mädchen, dachte er und beobachtete, wie sie bluffte, verlor und gewann, ohne mit der Wimper zu zucken. Unentwegt behielt sie die anderen im Auge.
Später gesellte sich Nadine dazu. Auch sie neigte unglücklicherweise zum erfolglosen Bluffen. Nachdem Davy sie zum dritten Mal durchschaut hatte, sagte er: »Wenn’s zu schön ist, um wahr zu sein, steig aus, Dine.«
»Oh, ich bin optimistisch«, erwiderte sie und streckte das Kinn vor.
»Sei lieber clever.«
Bei der letzten Partie hatten alle außer Eve und Davy gepasst, sogar Mason, dessen eisenharte Zuversicht von erstaunlicher Beständigkeit gewesen war, obwohl er ein Spiel nach dem anderen verloren hatte. Damit bildete er einen interessanten Kontrast zu Gwen, die sich nicht einmal bemüht hatte, ihre Reaktion auf die Karten zu verheimlichen. Eve versuchte Davy zu bluffen, obwohl kein einziger Trumpf in ihrem Ärmel steckte. Das wusste er, denn wenn sie vom Pech verfolgt wurde, klopfte sie dreimal auf ihre schlechtesten Karten und stöhnte. Noch nie hatte er eine so schlechte
schauspielerische Leistung gesehen. Als sie das nun erneut tat, schloss Tilda mitleidend die Augen, und er fragte sich, wie es gewesen sein mochte, stets das Superhirn in dieser Familie zu sein. Sich um alle zu kümmern, während die leichtsinnig das Leben genossen.
Es ist längst Zeit, dass auch sie mal ihren Spaß hat, dachte er und strich seinen letzten Gewinn ein. Da er ihr Gast war, hielt er es sogar für seine Pflicht, dafür zu sorgen, dass Tilda sich amüsierte. Er wollte einfach nur höflich sein.
»Also bist du ein Kartenhai«, bemerkte
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