Verrat der Welten - Niven, L: Verrat der Welten - Betrayer of Worlds
blondes Haar so dünn und ausgebleicht, dass er keine Augenbrauen zu haben schien. »Ich habe jetzt sechs zusammen«, meldete er.
Sechs. Achilles hatte eine Besatzung in voller Kampfstärke bestellt; das waren zehn Mann, nicht sechs. Aber da die Gw’oth-Flotte bereits unterwegs war, war seine Uhr sowieso schon so gut wie abgelaufen. Aber: Mit Hinterlist und Pak-Technologie würde er die Flotte der Gw’oth vernichten, nicht mit zahlenmäßiger Überlegenheit. Sechs Mann würden ausreichen, um die Waffenkonsolen zu besetzen. »Sechs werden reichen müssen. Ihr Honorar wird selbstverständlich entsprechend gekürzt.«
»Da gibt es noch etwas, das Sie vielleicht interessieren dürfte«, sagte Walker-Wong. Wechselte er das Thema? »Hier unten gibt es einen, der von sich behauptet, von der Erde zu stammen, und gerade mächtig dabei ist, sich totzusaufen.«
Offenkundig nicht Ausfaller. »Louis Wu?«
Walker-Wong wirkte überrascht. »Sie kennen ihn?«
Nessus’ Lakaien kennen? Leider ja. Aber Wu war nicht ohne gewisse nützliche Fertigkeiten. Ohne Wu hätte Achilles nie diesen einen wichtigen Blick in die Pak-Bibliothek werfen können. Das machte zumindest etwas Boden für den Menschen gut, der ihn auf Nessus’ Befehl hin mit einem Stunner betäubt hatte.
Clever. Anpassungsfähig. Vielseitig einsetzbar. In der Lage, Befehlen Folge zu leisten. Vielleicht ...
»Wir waren Schiffskameraden«, erklärte Achilles Walker-Wong. »Warum betrinkt sich Louis Wu denn derart exzessiv?«
Walker-Wong lachte. »Suchen Sie sich was aus: Seine Frau hat ihn vor die Tür gesetzt. Er ist blank und weit fort von zu Hause. Bei Ausfaller und Nessus ist er unten durch.«
Dann hatte Nessus seinen Untergebenen also fallen lassen. »Warum bei Ausfaller?«
»Hat sich mit dem wegen Dingen angelegt, die Ausfaller seiner Familie angetan haben soll. Soll sie verfolgt haben. Sie von der Erde vertrieben haben. Wu ist betrunken und redet im Delirium die halbe Zeit Mist. Deswegen sind die Einzelheiten nicht so ganz klar.«
Wus Krach mit Ausfaller und sein blamabler Rauswurf aus dem Verteidigungsministerium war Tagesgespräch auf New Terra. Achilles lagen bereits Berichte aus verschiedenen Quellen darüber vor. Er hatte sich dabei aber nichts gedacht. Als ARM-Agent, paranoid und geistesgestört wie er war, dürfte Ausfaller zweifellos mehr als das übliche Maß an Existenzen ruiniert haben.
»Und wer ist dieser Beowulf Shaeffer?«, fragte Walker-Wong jetzt.
Diesen Namen zu hören, hatte Achilles nicht erwartet! »Warum fragen Sie?«
»Soweit ich das verstanden habe, ist das Wus Stiefvater«, lautete die Antwort. »Aber Neutronensterne und schwarze Löcher? Wus Gerede ergibt nicht gerade viel Sinn. Das ist wohl eher der Alkohol, der da aus ihm spricht. Alles Märchen.«
Beowulf Shaeffer war ausgebufft, jemand, der zu überleben verstand. Dann war Louis also von Shaeffer aufgezogen worden. Plötzlich ergab Wus Rekrutierung durch Nessus einen Sinn! Es machte den Gedanken, Wu gegen Nessus und Baedeker einzusetzen, geradezu unwiderstehlich.
»Nehmen Sie Wu mit!«, befahl Achilles.
»Er ist ein Trunkenbold und damit nutzlos für uns. Ich will ihn nicht in meiner Crew haben!«
»Das war kein Vorschlag«, sagte Achilles. »Tun Sie es gefälligst!«
In Louis’ Kopf hämmerte es. Sein Magen wollte sich partout umdrehen. Im Mund hatte er einen Geschmack, als ob ihm eine Ratte in den Rachen gekrochen und dort verendet wäre.
Die Wirkung von Detox-Pillen hatte offenkundig ihre Grenzen.
Mit geschlossenen Augen verschränkte er die Arme auf dem Kneipentisch und legte den Kopf darauf. Wie lange war er jetzt schon auf dieser Schnitzeljagd ohne Aussicht auf Erfolg? Und wenn ihm die Spelunken ausgingen, in denen er sich zum Narren machen konnte, was dann?
Die Augen zu schließen war nicht gut. Sofort nämlich drehte sich alles. Als Louis sich zwang, die Augen zu öffnen, bemerkte er aus dem Augenwinkel einen Fremden, der auf ihn zukam.
»Was dagegen, wenn ich mich dazusetze?«, fragte der Mann. Er war geisterhaft bleich. »Wu, richtig?«
Louis blinzelte, kniff die Augen zusammen. »Kennen wir uns? Wer sind Sie?«
»Nur ein Freund.« Der Mann zog einen Stuhl unter dem Tisch hervor und setzte sich. »Oder genauer: der Freund eines Freundes.«
Louis deutete auf sein leeres Glas. »Freunde verlassen einen.«
Der Mann lächelte. Er hatte eine Zahnlücke zwischen den oberen Schneidezähnen. »Beginnen wir noch einmal von vorn! Sie sind nicht der Einzige,
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