Verrat der Welten - Niven, L: Verrat der Welten - Betrayer of Worlds
zurückfallen lassen wird.«
Walker-Wong runzelte die Stirn. »Den Gw’oth wird nachgesagt, sie seien ziemlich clever. Warum also sollten sie derart vorhersehbar agieren?«
Weil sie in Wahrheit gar nicht vorhersagbar agierten! Louis wusste das. Er hatte genug Informationsfetzen aufgeschnappt, während er sich auf der Brücke herumgedrückt hatte. Aufs Ganze gesehen stimmte es: Es gab ein Muster. Aber die Abstände zwischen den immer wieder erfolgenden Austritten aus dem Hyperraum variierten im Maximum bis zu einem ganzen Lichtjahr – was hieß: bis zu drei Tagen. Auch der Kurs der Armada war alles andere als schnurgerade. Nur ein paar Faktoren blieben immer gleich: die Geschwindigkeit im Normalraum, die Anzahl der Schiffe und dass sie ihre Formation beibehielten. Wahrscheinlich um einander besser vor Überraschungsangriffen im Normalraum zu schützen – in diese Richtung jedenfalls gingen Louis’ Vermutungen.
Mit einer abschätzigen Schlängelbewegung eines Halses tat Achilles den Einwand ab: »Die Gw’oth werden nah genug sein. Wenn sie in den Normalraum eintreten, machen wir sie kampfunfähig. Ich verrate Ihnen sogar, wie.
Mit Ihrer Hilfe, Louis, habe ich eine Technologie entdeckt, mit der sich Nuklearprozesse unterdrücken lassen. Innerhalb des projizierten Unterdrückungsfeldes laufen weder Kernspaltung noch Kernfusion ab. Wenn wir die Gw’oth-Schiffe mit einem solchen Feld umgeben, stellen also ihre Reaktoren die Arbeit ein. Die Flotte wird steuerlos im Normalraum treiben.«
»Wo wir sie uns einzeln vornehmen können«, ergänzte Walker-Wong. »Exzellenz, ich habe mich für die Zweifel an Ihrem strategischen Geschick zu entschuldigen.«
Womit Achilles da gerade angab, schien sich unmöglich in die Tat umsetzen zu lassen. Aber Achilles bebte vor manischem Selbstvertrauen. Louis musste etwas übersehen haben; er war sich ganz sicher. Aber was? »Wir könnten immerhin ein ganzes Lichtjahr weit von der Position entfernt sein, wo die Gw’oth in den Normalraum zurückfallen. Sie könnten bereits wieder in den Hyperraum zurückgesprungen sein, ehe wir sie auch nur erreicht haben!«
»Louis, Sie denken immer noch in den Konstruktionsparametern, wie Sie sie bei dem entsprechenden Suppressorfeld in der Pak-Bibliothek gesehen haben. Um ihr Dämpfungsfeld zu projizieren, benutzen die Pak Funksignale. Natürlich gehen Sie jetzt davon aus, ich ginge auf genau dieselbe Weise vor.«
Nun gut: Louis hatte Dateien der Pak-Bibliothek überflogen; die meisten Texte aber waren nicht übersetzt gewesen und die Mathematik, auf denen sie beruhten, weit jenseits von Louis’ Auffassungsvermögen. Louis hatte nicht einmal richtig begriffen, dass das Thema die Unterdrückung von Fusionsprozessen gewesen war. Ihm zu unterstellen, er hätte eine Ahnung, wie man ein Dämpfungsfeld für Fusion und Fission aufbaute, hieß ihn zu überschätzen. Achilles tat ihm zu viel Ehre an.
Louis hingegen hatte Achilles unter schätzt. In der so neuerlich geschürten Angst, die in seinen Eingeweiden rumorte, glaubte Louis, nicht nur er allein hätte diesen Fehler begangen, sondern alle anderen auch.
»Aber die Pak besitzen keine Hyperwellentechnologie«, fuhr Achilles höhnisch fort. »Hyperwellen reagieren mit normaler Materie, ansonsten hätten wir keinen Hyperwellenfunk. In ähnlicher Art und Weise wie ein Funksignal kann auch ein richtig moduliertes Hyperwellen-Funksignal von ausreichender Feldstärke Nuklearprozesse unterdrücken.«
Ein Hyperwellen-Peilstrahl würde die Gw’oth zeitverlustlos erreichen. »Die Hyperwellenbojen projizieren kontinuierlich das Dämpfungsfeld«, wagte Louis laut zu spekulieren, »während die Remembrance in den Hyperraum springt, um in Laser-Reichweite zu gelangen.«
»Ganz genau«, sagte Achilles. Er schien seltsam ... befriedigt.
»Deswegen also hat dieses Schiff einen kleinen Raumabschnitt mit Hyperwellenbojen bestückt!« Klein gemessen an den Standards, die ein Hyperantrieb anzulegen erlaubte. Ein kugelförmiger Bereich mit einem Durchmesser von mehr als einem Lichtjahr.
Zustimmend hüpften Achilles’ Köpfe in gegenläufiger Bewegung, der eine ab/auf, der andere auf/ab. »Sehr scharfsinnig, Louis! Sie enttäuschen mich nicht. Das Fusionsdämpfungsfeld benötigt Transmissionen im Kurzwellenbereich. In diesem Wellenlängenbereich führen interstellarer Staub und Gas zu unerwünschten Signalstreuungen. Die Reichweite ist also begrenzt. Das ist der Grund, warum wir so viele Bojen ausgesetzt
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