Verrat der Welten - Niven, L: Verrat der Welten - Betrayer of Worlds
Ereignissen etwas herausfiltern, was jedem anderen hier entgangen ist.«
»Etwas recht Interessantes«, wiederholte Louis. Das ist aber arg vage, dachte er. War das wieder einer von Sigmunds Tests für ihn? »Viel erzählen Sie mir ja nicht gerade, aber ich wage einfach mal zu raten: Ol’t’ro haben zurückgeschlagen. Vielleicht ein Gegenangriff mit Biowaffen?«
Sigmund schüttelte den Kopf. »Keine Biowaffen, nein. Aber Ol’t’ro? Vielleicht liegt es nur daran, dass mir nichts Besseres einfällt: Aber, ja, ich halte es für gut vorstellbar, dass Ol’t’ro an dem Geschehen nicht unbeteiligt waren.«
»Na, dann rücken Sie doch endlich damit heraus, tanj noch mal!«, fuhr Louis auf.
Alice blickte Sigmund an. Sigmund nickte. »Wir haben so etwas noch nie erlebt«, begann sie. »Einen halben Tag lang hat jemand – oder etwas – jegliche Fusionsreaktionen in allen Kraftwerken auf Jm’ho unterdrückt. Ich habe den ganzen Morgen damit verbracht, mit Physikern darüber zu diskutieren. Sie alle behaupten steif und fest, so etwas sei schlichtweg unmöglich.«
»Dann hat euer Skipper vielleicht einfach nur was falsch verstanden.« Louis stieß ein zynisches Lachen aus. »Oder beschwert euch bei Nessus, wenn ihr ihn das nächste Mal seht: Er hat euch den falschen Wu gebracht.«
»Sie haben gehört, was unsere Wissenschaftler zu dem Ganzen zu sagen haben«, fuhr Sigmund fort, ohne auf Louis’ Bemerkung einzugehen. »Unter ganz ähnlichen Umständen hat Carlos einmal zu mir gesagt: ›Die Realität hat der Theorie gegenüber doch immer wieder ein Ass im Ärmel.‹«
»Ich bin kein Naturwissenschaftler, Sigmund. Warum also haben Sie mich hierher gebeten?«
»Wollen Sie die ehrliche Antwort? Aus reiner Verzweiflung. Wenn eine Technologie existiert, mit der man Fusionsprozesse unterdrücken kann, dann ließe sich daraus eine entsetzliche Waffe konstruieren. Eine Waffe, gegen die New Terra gänzlich schutzlos wäre. Wenn es also irgendetwas gibt, was Sie vielleicht wissen, irgendein Gerücht, das Sie im Bekannten Weltraum aufgeschnappt haben, vielleicht eine beiläufige Bemerkung, die Nessus irgendwann hat fallen lassen, oder irgendetwas, das Ihnen an Bord der Aegis in den Dateien über die Gw’oth aufgefallen ist, ganz egal was ... dann müssen wir das wissen!«
»Nessus ist mit Informationen in etwa so freigiebig wie Sie, Sigmund. Tut mir leid.« Louis hatte schon die Hände auf den Armlehnen seines Sessels, um sich aus dem Polster zu stemmen. Zurück ins traute Heim und an den Herd, Essen zaubern.
Da aber traf ihn der Gedanke wie ein Blitz: die mögliche Quelle, die Sigmund nicht erwähnt hatte. Die Pak. Dieser Angriff auf Jm’ho und die Reaktion darauf, der Start der Flotte – das alles war Louis’ Schuld! Hätte er sich doch niemals darangemacht, die Pak-Bibliothek zu entschlüsseln ...
Ihn schauderte.
»Was ist denn?«, fragte Alice besorgt.
»In der Pak-Bibliothek gab es eine Datei, in der es um Fissionsprozesse ging. Da habe ich irgendetwas über Eindämmungsfelder gelesen. Gesagt hat mir das überhaupt nichts.«
»Und ...?«, forderte Sigmund ihn zum Weitersprechen auf.
»Und«, fuhr Louis fort, »zu diesem Zeitpunkt befand sich Achilles zusammen mit mir im Labor. Ich vermute, ihm hat dieser Artikel deutlich mehr gesagt als mir.«
28
Unter dem tiefsten Ozean von Hearth, unter seiner Kruste aus Gestein, tief in seinem Mantel lag eine künstliche Höhle verborgen.
Einst hatten strikte Geheimhaltung und die Abgelegenheit des Ortes genügt, die Höhle verborgen zu halten und vor Unbefugten zu schützen. Das galt schon lange nicht mehr. Je mehr Technologien es gab, die das Auffinden eines Verstecks wie der Höhle ermöglichten, desto mehr technologische Gegenmaßnahmen wurden ergriffen, die Unauffindbarkeit jener Höhle zu garantieren. Jetzt schirmten hoch entwickelte Schutzschilde das Versteck vor Sonden ab, egal, ob diese mit elektromagnetischen Wellen oder mit Neutrinostrahlung arbeiteten. Es geschah auf unmerkliche Weise – die geschickteste Art, etwas zu verbergen.
Kommunikation zwischen der Höhle und dem Rest des Universums war nur über Mikrosalven von Neutrinos möglich. Die Salven wurden über eine unterirdische Phalanx von Kommunikationsrelais weitergeleitet, die den Planeten umgaben. Anders wäre Kommunikation gar nicht möglich gewesen. Schließlich konnte nur ein Funksignal von extrem großer Wellenlänge überhaupt bis in die Tiefen vordringen, in denen die Höhle verborgen lag.
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