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Volk der Finsternis - Horrorgeschichten (H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens) (German Edition)

Volk der Finsternis - Horrorgeschichten (H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens) (German Edition)

Titel: Volk der Finsternis - Horrorgeschichten (H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert E. Howard
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war.
    Die Abenteurer traten durch eine schmale Tür in der Nähe des Götzenbildes, die zu einer Reihe weiter, dunkler, staubiger Kammern führte, die durch von Säulen flankierte Korridore miteinander verbunden waren. Im gespenstisch grauen Licht durchschritten sie die Korridore, bis sie schließlich an eine breite Treppe gelangten, deren massive Steinstufen nach oben führten, wo sie im Zwielicht verschwanden.
    Yar Ali hielt an. »Wir sind schon so weit vorgedrungen, sahib «, flüsterte er. »Ist es weise, sich noch weiter zu wagen?«
    Steve, der vor Aufregung und Eifer zitterte, verstand nur zu gut, was der Afghane meinte. »Glaubst du, wir sollten diese Treppe lieber nicht hinaufsteigen?«
    »Sie sieht nach Unheil aus. Zu welchen Kammern der Stille oder des Schreckens sie führt, wissen wir nicht. Wenn Dschinns verlassene Gebäude heimsuchen, lauern sie stets in den oberen Zimmern. Uns könnte jeden Moment ein Dämon den Kopf abbeißen.«
    »Wir sind doch ohnehin tot«, brummte Steve. »Ich mache dir einen Vorschlag: Du gehst zurück zur Halle und hältst nach den Arabern Ausschau, während ich nach oben gehe.«
    »Nach einem Wind am Horizont Ausschau halten!«, antwortete der Afghane finster, nahm sein Gewehr von der Schulter und öffnete die Scheide seines langen Messers. »Hierher kommt kein Beduine. Geh voran, sahib . Du bist verrückt, mein Freund, aber dem Dschinn wirst du nicht allein gegenübertreten.«
    Damit stiegen die Kameraden die massiven Steinstufen hinauf, und bei jedem Schritt sanken ihre Füße tief in den Staub der Jahrhunderte ein. Die Treppe führte sie in solch unglaubliche Höhen, dass die Stufen unter ihnen in der vagen Finsternis der Tiefe verschwanden.
    »Wir gehen blind ins Verderben, sahib «, raunte Yar Ali. » Allah il allah – und Mohammed ist sein Prophet! Dennoch fühle ich, dass hier das Böse schläft – ich werde nie mehr das Rauschen des Windes auf dem Khyberpass hören.«
    Steve antwortete nicht. Er mochte weder die atemlose Stille, die über dem antiken Tempel lag, noch das grässliche graue Licht, dessen Quelle nicht auszumachen war.
    Dann erhellte sich die Finsternis über ihnen etwas, und sie erreichten eine runde Kammer, die in graues Licht getaucht war, das durch Löcher in der hohen Decke hereinbrach. Aber die Kammer wurde noch durch etwas anderes erleuchtet. Steve stieß einen überraschten Schrei aus, der von Yar Ali erwidert wurde.
    Sie standen auf der obersten Stufe der breiten Steintreppe und blickten zur anderen Seite der großen Kammer hinüber, deren schwerer Fliesenboden mit Staub bedeckt war. Die Wände bestanden aus schwarzem Stein. Etwa in der Mitte des Raumes führten massive Stufen zu einem steinernen Podest, auf dem ein Thron aus Marmor stand. Dieser Thron schimmerte in einem unheimlichen Licht, und als die von Ehrfurcht ergriffenen Abenteurer die Quelle des Leuchtens sahen, verschlug es ihnen den Atem. Auf dem Thron saß ein zusammengesunkenes menschliches Skelett, ein beinahe formloser Haufen vermodernder Knochen. Eine fleischlose Hand lag ausgestreckt auf dem breiten Marmorarm des Thrones, und mit festem, entsetzlichem Griff umfasste sie einen großen blutroten Stein, von dem ein pulsierendes Licht ausging, das ihn wie ein lebendiges Wesen erscheinen ließ.
    Das Feuer von Asshurbanipal! Selbst als sie die verlorene Stadt zum ersten Mal vor sich im Wüstensand sahen, hatte Steve nicht zu hoffen gewagt, dass sie auch das Juwel finden würden oder dass es tatsächlich existierte. Nun sah er es mit eigenen Augen und musste daran glauben, auch wenn das bösartige, unheimliche Glühen seine Sinne verwirrte. Mit einem wilden Schrei rannte er durch die Kammer und die Stufen hinauf. Yar Ali war dicht hinter ihm, und als Steve das Juwel an sich nehmen wollte, legte der Afghane eine Hand auf seinen Arm.
    »Warte!«, rief der große Mohammedaner aus. »Fass es nicht an, sahib! Auf uralten Dingen liegt ein Fluch – und dieser Stein ist gewiss dreifach verflucht! Wieso sonst hat er seit so vielen Hundert Jahren hier gelegen, unberührt von Dieben? Es ist nicht gut, den Toten ihr Eigentum zu stehlen.«
    »Unsinn!«, schnaubte der Amerikaner. »Reiner Aberglaube! Die Beduinen fürchten sich vor den Geschichten, die seit Generationen überliefert werden. Da sie Wüstenbewohner sind, misstrauen sie Städten ohnehin, und diese hier hatte zu Lebzeiten ganz gewiss einen bösen Ruf. Außer den Beduinen hat diesen Ort nie zuvor jemand gesehen – abgesehen von dem

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