Von allen guten Geistern geküsst: Roman (German Edition)
Ashley.
Ashley lächelte träge und drückte ihn an sich. »Dann lass uns in den Liebestunnel gehen.«
Ethan folgte ihr zu dem Tunnel, wobei er einmal gegen den Zaun torkelte und mühsam einen Fluch unterdrückte, als ihm ein Geist ins Gesicht flog – verfluchte Geister, die waren überall –, und dann zog Ashley ihn zur Einstiegsrampe und stieg in das vorderste Schwanenboot. Er bemühte sich, ebenfalls einzusteigen, stolperte aber und landete mit dem Gesicht in ihrem Schoß. Langsam , dachte er und stemmte sich in die Höhe und auf seinen Sitzplatz, wobei die Enge des Boots ihn dicht neben sie zwang.
»Ich glaub nich-t, dass die schon läuft«, meinte er und blickte mit zusammengekniffenen Augen zu dem unbesetzten Kassenhäuschen hinüber, doch dann griff mit einem Klicken der Haken des Unterwasser-Zugkabels, und sie wurden mit einem Ruck vorwärts in das dunkel gähnende Maul des Tunnels gerissen.
Ashleys Arm glitt um Ethans Schulter, und er wünschte sich, in ihr zu versinken, in all der Weichheit, dem Tröstlichen, sich dieser normalen, menschlichen Biologie zu überlassen. Sie erreichten das erste Schaubild, und er sah Adam auf Eva hinabblicken, die ihm einen Apfel anbot.
Nimm ihn nicht , dachte Ethan, aber Ashley drängte sich an ihn und küsste ihn, und da dachte er: Nimm ihn . Sie nahm seinen Kopf zwischen ihre Hände und zog ihn zu sich, sodass er ihr direkt in die Augen blickte, während sie an dem Schaubild vorbei in die Schwärze glitten. Wieder küsste sie ihn, diesmal mit leidenschaftlicher Zunge, und er legte eine Hand auf ihre Brust und drückte die volle Rundung, während sie ihre Hand gegen seinen Brustkorb presste. Er zuckte zusammen, aber da glitt ihre Hand bereits tiefer, und er vergaß den Schmerz und überließ sich ihren Händen. Das zweite Schaubild glitt vorüber und dann ein weiteres, und dann sah er aus den Augenwinkeln Antonius und Cleopatra, während Ashleys Hand zwischen seine Schenkel glitt.
Ashley löste ihren Mund von seinem. »Willst du mich?«
»Ja. Oh jaa .«
Sie lächelte, und trotz des Nebels von Alkohol und Lust fühlte Ethan, wie sich seine Nackenhaare aufstellten. Im nächsten Augenblick hatte sie seinen Kopf mit überraschender Kraft gepackt, und ihre Augen blitzten blaugrün, sie glühten blaugrün.
Ethan erstarrte. Er konnte sich nicht bewegen, er konnte sich nicht aus dem Bann dieser glühenden Augen befreien.
»Du Betrüger«, flüsterte Ashley und legte ihm die Hand auf die Brust. » Stirb , du Treuloser.«
Ein blaugrünes Licht floss von ihr in ihn hinein, blaugrüner Nebel erfüllte seine Brust, presste sein Herz zusammen, und der Schmerz von der alten Kugel schnitt mitten durch seine Brust, als sie in ihn fuhr, ihm die Luft nahm, ihr Gelächter in ihm widerhallte.
»Nein«, ächzte er und warf sich zurück, und da erhob sich hinter Cleopatra eine Gestalt in Schwarz und feuerte auf Ashley, die zurückzuckte, kreischend, überallhin blaugrünen Rauch versprühend, in die Höhe schnellte und dabei Ethan freigab und in der Dunkelheit des Tunnels verschwand.
Verfluchte Dämonen , schoss es Ethan durch den Kopf, dann wurde es dunkel um ihn.
Eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit war Mab der Pinselreiniger ausgegangen, und sie eilte zum Dream Cream , um Nachschub zu holen. Unterwegs warf sie einen Blick zum Eingangstor und entdeckte, dass die FunFun -Statue wieder da war.
Mehr oder weniger.
Sie lief hin, und ihr Entsetzen wurde immer größer, als sie vor der Statue stand. »Um Gottes willen«, rief sie verzweifelt, »was ist denn mit dir passiert?«
Er war so strahlend und wunderschön gewesen, die orange-gold karierte Weste hatte geleuchtet, und wie er mit einer Hand die Flöte begeistert in die Höhe gehoben und mit der anderen einladend auf Dreamland gewiesen hatte, sein großer gelber Handschuh wie ein Leitstern …
Nun hingen ihm beide Arme seitlich herab, an den Schultern war das Metall verformt und aufgerissen und entblößte gesplittertes Holz. Die vielfachen Farb- und Lackschichten, die sie aufgetragen hatte, waren an manchen Stellen bis auf das Metall abgeplatzt, Teile seines Mantels waren abgebrochen. Es fehlte ihm ein Finger. Und das Schlimmste war sein einst so schönes Gesicht: Es war verzerrt, zerkratzt, zerstört …
»O nein«, rief sie, den Tränen nahe. »Das kann ich nicht wieder reparieren. Niemand kann das reparieren.«
»Sieht ja ziemlich schlimm aus«, erklang eine Stimme hinter ihr, und als sie sich umdrehte, begegnete sie
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