Von allen guten Geistern geküsst: Roman (German Edition)
gut ich kann. Kann man Dämonen mit Eiscreme bekämpfen?«
»Wenn das jemand schafft, dann du«, meinte Mab und folgte ihr zurück in die Gaststube.
Der Kerl mit den Coke-Flaschen-dicken Brillengläsern hatte eine Zeitung aufgeschlagen vor sich, aber er starrte in seinen leeren Kaffeebecher.
»Ich mach das für dich.« Mab holte die Kaffeekanne, und als sie ihm seinen Becher auffüllte, blickte er auf und sagte: »Danke.«
Sie blickte in seine scharfen grauen Augen, die sogar durch diese dicken Brillengläser noch scharf waren, und sie versuchte zu ergründen, ob darin ein Dämon steckte …
»Stimmt irgendwas nicht?«, erkundigte er sich, und sie merkte, dass sie ihn angestarrt hatte.
»Nein, nein.« Sie stellte die Kaffeekanne zurück. »Tut mir leid. Ich habe nur …«
Seine Augen waren hinter diesen Brillengläsern wirklich sehr scharf. Solch dicke Gläser sollten nicht so klar sein, sie verzerrten doch immer alles, was dahinter war …
»Sind das einfach klare Brillengläser?«, fragte sie.
»Nein.« Er hob seinen Kaffeebecher. »Verordnet.«
»Ach.« Sie zögerte, aber er wandte sich wieder seiner Zeitung zu, und so ging sie um den Tresen herum und mit Winken zu Cindy zur Tür, um sich von Delpha ein paar Antworten zu holen.
Ein scharfer, kurzer Pfiff ließ sie sich umdrehen.
Er hielt ihre Arbeitstasche mit einer Hand in die Höhe, ohne den Blick von der Zeitung zu heben, und trank dabei Kaffee.
Sie ging hin und übernahm die Tasche. »Vielen Dank«, sagte sie, und er nickte, den Blick noch immer auf seiner Zeitung, aber sie sah wieder das Grinsen aufblitzen.
Also ist er wahrscheinlich kein Dämon , dachte sie und ging, um Delpha zu suchen.
Mab ließ ihre Arbeitstasche bei dem Wahrsager-Automaten zurück und eilte den Hauptweg hinunter zum hinteren Teil des Parks, wo Delphas Wohnwagen stand. Unterwegs ignorierte sie jeden, außer Sam vom Wartungspersonal, der ihr Winken mit einem höflichen »Hallo« beantwortete, als wären sie sich noch nie begegnet – so viel zu ihren Schmetterlingen –, und Carl Whack-a-Mole , der mit ärgerlicher Miene vor seiner Bude stand.
»Was ist denn los?«, fragte sie und verlangsamte ihren Schritt.
»Hier hat letzte Nacht jemand eingebrochen«, erwiderte er mit Abscheu in der Stimme. »Nichts geklaut, aber ein paar Teddybären sind schmutzig. Macht doch gar keinen Sinn.«
»So was passiert immer wieder«, meinte Mab. »Ich muss zu Delpha, aber danach kann ich kommen und Ihnen helfen, wenn …«
»Nöö«, meinte Carl. »Kann den Leuten keine dreckigen Bären geben. Muss ein paar neue rausholen. Aber trotzdem, vielen Dank.«
»Bitte, gern geschehen«, erwiderte Mab und setzte sich wieder in Marsch, an der Drachenbahn und der hünenhaften orangefarbenen Ringerstatue vorbei, und dann durch den Wald, zwischen Old Freds und Hanks leer stehendem Wohnwagen zur Linken und Gus’ und Glendas Wohnwagen zur Rechten den Pfad entlang bis zum Ufer der Insel, wo Delphas alter silbriger Airstream -Wohnwagen stand.
Als sie näher kam, sah sie, dass die Tür offen stand, was ihr seltsam vorkam, denn es war kalt.
Zu kalt.
Da stimmt was nicht , dachte Mab, und obwohl die Tür ihr im Weg war, sah sie plötzlich Delpha auf dem Boden liegen, die Augen starr zur Decke gerichtet, die Hände zu Fäusten geballt …
»Nein, nein, oh nein!« Mab rannte zum Wohnwagen und riss die Tür weit auf.
Da lag Delpha auf dem Boden, die Augen starr zur Decke gerichtet, die Hände zu Fäusten geballt …
»Glenda!« , schrie Mab, wandte sich um und rannte zurück zu Glendas Wohnwagen.
Kapitel 10
Ethan war aufgewacht, fühlte, dass er einen schlimmen Kater hatte, und setzte sich sehr vorsichtig auf, eine Hand auf der Brust, um den Schmerz der Kugel zu besänftigen, der allerdings in den letzten Tagen schwächer geworden zu sein schien, wohl wegen der vielen anderen Schmerzen. In Anbetracht der Schläge, die er in den wenigen Tagen hier bereits eingesteckt hatte, war er dankbar, noch am Leben zu sein.
Dann hörte er Mab schreien und war zur Tür hinaus, bevor Glenda aus ihrem Schlafraum auftauchen konnte.
Er sprang die Stufen hinunter und blickte den Pfad zum Park entlang, da stieß Mab von hinten gegen ihn, zerrte an ihm und weinte: »Delpha« , und er schob sie zur Seite und rannte zu Delphas Wohnwagen hinüber.
Sie lag auf dem Boden, doch als er neben ihr kniete, sah er, dass sie tot war, wahrscheinlich schon seit dem Abend zuvor. Wahrscheinlich war sie bereits, kurz nachdem er sie
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