Wächter der Macht 01 - Intrigen
waren.
»Die Raumfähre, die sie hergebracht hat. wird dich nach Kuat bringen«, sagte die Frau. »Du gehst jetzt besser an Bord.«
Tawaler drehte sich um und schlug auf die Kontrolltafel der Luftschleuse. Er trat in die Schleuse und spähte mit einiger Verwirrung durch das Transparistahlsichtfenster in der Tür auf der gegenüberliegenden Seite - es zeigte nichts als Sterne. »Sie ist fort«, sagte er. »Die Raumfähre.«
Er hörte, wie sich die Tür der Luftschleuse zischend hinter ihm schloss. Die Stimme der Frau drang aus dem Lautsprecher. »Nein, sie ist noch da. Sieh genauer hin.«
Tawaler war schwindelig. Er wollte nichts lieber, als sich hinzusetzen und sich für eine Minute auszuruhen. Doch er tat, wie ihm geheißen, und beugte sich näher zu dem Sichtfenster.
Oh. ja, er hatte sich geirrt. Durch das Fenster konnte er sehen, dass die Andockröhre an Ort und Stelle war. und die Tür in den Bauch des Shuttles stand einladend offen.
»Du solltest dich lieber beeilen.«
Tawaler drückte den Knopf, um die Luftschleusentür zu öffnen. Aus dem Lautsprecher kam ein unangenehmer Lärm, und die Textanzeige bli nkte rot auf. Er musste sich konzentrieren, um die Worte zu lesen, die auf dem Schirm auftauchten. DEKOMPRESSIONSPROZESS NICHT
DURCHGEFÜHRT. Das war falsch. Es war nicht nötig, den Druck auszugleichen. An der anderen Seite war eine Einstiegsröhre angedockt. Der Atmosphärendruck sollte annähernd gleich sein.
Auf einmal klang seine Begleiterin wütend. »Na los. leite die Dekompression ein. Schließlich trägst du deinen Raumanzug.«
Tawaler blickte an sich selbst hinab. Ja. er trug seinen Raumanzug. Er konnte sich nicht daran erinnern, ihn angelegt zu haben, doch er war von Kopf bis Fuß ins industrielle Grau eines der Vakuumanzüge der Station gehüllt. Er gab den Code ein. um die Luft aus der Luftschleuse zu pumpen und die Außentür zu öffnen.
Einen Moment später platzten seine Trommelfelle, und ihm wurde sogar noch schwindeliger.
»Keine Sorge. Tawaler.« Ihre Stimme wurde zunehmend schwächer. »Das Gefühl geht schnell vorbei.«
Die Einheit aus zwanzig sterbenden Killern bewegte sich rasch den Korridor von der Luftschleuse zu einem Turbolift hinunter. Sie stiegen ein, gaben per Tastendruck die Anweisung, sie zwei Stockwerke nach unten zu bringen, und verließen die Kabine Sekunden später auf der Etage, auf der auch der Kallebarthweg lag.
Der Gang lief in rechten Winkeln auf den Korridor zu, der ihr Ziel war, und war dunkel, von der Notfallbeleuchtung entlang des Korridors nur schwach erhellt. Doch in einer Richtung war
Lichtschein auszumachen. Die Männer und Frauen wandten sich dorthin und begannen zu marschieren. Auf dem Schauplan dieses Stockwerks der Raumstation in ihren Helmvisieren bewegte sich ein roter Punkt, der ihnen ihren Standort zeigte.
Schließlich entpuppte sich der Lichtschein als hell erleuchtetes Areal an der Kreuzung des Korridors und des Kallebarthwegs. Die gepanzerten Soldaten sahen die provisorische Sicherheitsstation, die aus einer Reihe von Sensoren und einem kleinen Kabuff bestanden, gerade groß genug für einen Schreibtisch und zwei Sicherheitsoffiziere. Der Rest des Korridors an dieser Stelle war abgeriegelt, ein Stück Flur mit einer Sicherheitstür an jedem Ende. Die Barrieren, die den Sensorbereich von der Sicherheitsschleuse sowie den Sensorbereich und die Schleuse vom ursprünglichen Korridor abtrennten, bestanden aus Transparistahl, ebenso wie die Sicherheitstüren selbst, was der gesamten Station ein sonderbar zerbrechliches, kristallenes Aussehen verlieh.
Gerade, als die Killer nah genug waren, um diese Einzelheiten wahrzunehmen, verschwand die Richtungskarte in ihren Visieren, und das Wort WARTEN erschien. Sie blieben abrupt stehen.
In der Wachstation saßen zwei Offiziere, Menschen in den grauweißen Uniformen des Toryaz-Station-Sicherheitsdienstes. Zu dieser späten Stunde, nachdem sich alle Mitglieder der Delegationsgruppen für die Nacht zur Ruhe gelegt hatten, waren sie entspannt, unterhielten sich über Becher mit Kaff hinweg.
Dann ging ein Datenpad, das auf dem Tisch vor ihnen stand, in einer Wolke weichen Rauchs auf. Der Rauch füllte die winzige Kammer zur Gänze, sah aus wie ein Fetzen dicken Nebels, der von irgendeiner übernatürlichen Macht zu einem
Quadrat zurechtgeschnitten worden war.
Der Rauch begann sich zu lichten. Durch die Schwaden konnten die zwanzig Eindringlinge sehen, dass die beiden Sicherheitsmänner über ihrem
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