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Waffenschwestern

Waffenschwestern

Titel: Waffenschwestern Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Moon
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ab, setzte aber ihren Weg fort. Zum
    Toilettenraum hinüber … wenigstens hatten sie hier Toiletten, dachte sie benommen. Sie war kaum noch einen Meter davon entfernt, da spritzte Flüssigkeit an ihren Beinen hinab, heiß und erschreckend.
    »Du!« Das war die Heimleiterin; der Wachmann musste sie geweckt haben. »Komm mit!« Die Frau packte sie am Arm und zerrte an ihr. Schrie die anderen an, sie sollten aufwachen. Brun krümmte sich erneut; die Frau zog an ihrem Arm. Aber es tat zu weh; Brun war zu schwach. Schwer atmend sank sie auf die 368
    Knie. Es war unfair, dass sie nicht schreien konnte, unfair, dass sie mit diesem Schmerz nicht umgehen konnte, wie es sich gehörte, mit dem Protest, der ihm gebührte.
    Jetzt drängten sich die übrigen Frauen um sie, zogen und schoben, aber sie kauerte auf den Knien, wollte nicht aufstehen.
    Warum sollte sie? Plötzlich hielt ihr die Heimleiterin etwas unter die Nase, einen beißenden Geruch, der sie zwang, den Kopf zurückzureißen, damit sie ihm entging. Mit
    triumphierendem Grinsen zerrte die Frau erneut an Bruns Armen. Mit Hilfe der anderen rappelte sich Brun auf, und halb zogen sie sie, halb trugen sie sie den Flur entlang in den Entbindungsraum. Bis dahin hatten die Wehen nachgelassen, und Brun stieg auf das Bett. Warum auch nicht.
    Zu ihrer Überraschung verlief die weitere Geburt rascher als die, der sie zugesehen hatte. Dauerten Erstgeburten normalerweise nicht länger? Sie konnte sich nicht erinnern; sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Eine Wehe nach der anderen strömte durch ihren Leib, presste, presste … die anderen Frauen wischten ihr das Gesicht mit feuchten Tüchtern ab und streichelten ihre Arme. Nur die Heimleiterin schalt sie aus und wies sie an, zu atmen und zu pressen, während sie mit einem zusammen-gefalteten Handtuch auf das Baby wartete, das jetzt – ganz bestimmt – gleich kam.
    Und dann kam es wirklich – nach einem letzten, zerreißenden Schmerz spürte Brun, wie der Druck plötzlich nachließ; ein dünner Schrei ertönte aus dem Nichts. Die Frauen schnappten gemeinsam nach Luft; die Heimleiterin schnitt ein finsteres Gesicht.
    »Zu klein. Du kriegst ja mickrige Babys.«
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    Aber da kam eine neue Wehe, und Brun krümmte sich.
    »Ah…« Die Heimleiterin reichte das erste Baby einer der anderen Frauen. »Zwei Babys! Gut!«
    Das zweite Kind kam aus vollem Halse brüllend auf die Welt.
    Die Heimleiterin legte beide Brun an die Brust. »Stille sie«, sagte sie. Brun hatte keine Ahnung wie, bis die Leiterin die Kinder umdrehte und Bruns Brustwarzen in die kleinen Münder drückte. »Hilf ihr«, wies sie eine der anderen Frauen an. Sie selbst wusch Brun, während die Übrigen das Zimmer sauber machten.
    Am Nachmittag war Brun wieder im eigenen Zimmer und lag erschöpft im Bett, ein Baby an jeder Seite. Sie empfand nichts für sie. Es waren nicht ihre Kinder, nicht mehr … als die irgendeiner Fremden. Weniger sogar. Man hatte sie in sie hineingezwungen; Fremde hatten ihren Körper benutzt, um sie hervorzubringen.
    Zwei Babys. Mit diesem Gedanken glitt Brun ins Dunkle.
     
    »Ein halbes Jahr lang keine Zucht mehr«, erklärte ihr die Heimleiterin tags darauf. »Du fütterst deine Babys; du hilfst einen Monat lang hier bei der Arbeit und wechselst dann in den Kinderhort. Dort bleibst du fünf Monate lang – mit Zwillingen vielleicht auch sechs. Dann wieder ins Gebärhaus.«
    Ein halbes Jahr … sie hatte ein halbes Jahr Zeit, zu Kräften zu kommen, zu entfliehen, einen Weg zu finden, wie sie mit jemandem Kontakt aufnahm, der ihren Vater informierte, wo sie steckte.
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    Aber in den Tagen nach der Geburt verzweifelte Brun von neuem. Wie sollte sie Hazel helfen, falls sie sie nicht finden konnte? Wie konnte sie sie finden, wenn sie nicht fähig war, Fragen zu stellen? Sie lag reglos da, bis die Heimleiterin verlangte, sie solle aufstehen … Sie säugte die Kinder nur, wenn man sie dazu anwies, aß selbst nur, wenn man es ihr befahl. Das Stillen tat weh; sie hatte sich früher nie vorgestellt, dass Babys heftiger saugten, als es ihre Liebhaber getan hatten. Aber Brun war zu schwach, fühlte sich zu elend, um mehr zu tun, als nur vor Schmerzen zu zischen, wenn jemand ihr die Babys an die Brüste setzte. Sie merkte es gar nicht, wenn jemand die Babys fortnahm und sie nur zum Stillen wieder zurückbrachte. Jemand musste sie ihr an die Brüste setzen; jemand musste die Kinder-und Brun – sauber machen, wenn sie kleckerten.
    Dann wehte eines

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