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Waffenschwestern

Waffenschwestern

Titel: Waffenschwestern Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Moon
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nicht darunter zu leiden haben. Niemand hier warf Kindern derlei Dinge vor. Man würde hier besser für sie sorgen, als Hazel es tun konnte – und besser noch, vermutete sie, als im Heim für Kinder verunglückter Raumfahrer, falls Hazel es 392
    irgendwann mal geschafft hätte, sie sicher zurück ins Gebiet der Familias zu bringen. Und … sie waren glücklich. Sie hatten schon eine Familie verloren, eine Welt – Hazel konnte sie jetzt einfach nicht noch einer weiteren entreißen.
    Und so wartete sie auf ihre Chance. Sie könnte hier den Rest ihres Lebens verbringen … sie hatte das Talent, sich einzufügen, hatte es immer gehabt… aber sie wollte nicht. Sie musste zugeben, dass sie das Essen mochte, die schönen Gärten, das Gefühl der Sicherheit, den Luxus des anscheinend grenzenlosen Raumes, in dem man sich bewegte – sie hatte nie wirklich geahnt, wie viel Raum eine Person auf einem Planeten haben konnte, wie groß die Welt »draußen« eigentlich war. Sie erinnerte sich jedoch zu gut an die Bequemlichkeit ihrer früheren Kleidung, die Bewegungsfreiheit, die Freundschaften, die nicht durch Geschlecht oder Rasse oder Glauben
    eingeschränkt wurden. Hier würde sie immer eine Außenseiterin bleiben; sie wollte sich jedoch lieber wieder einer Familie zugehörig fühlen. Sie vermisste die moderne Technik und ebenso das Gefühl, wie sie es von der Elias Madero her kannte, nämlich Teil einer großen Zivilisation zu sein, die über das Universum ausgebreitet war.
    Außerdem durfte sie die blonde Dame nicht vergessen. Sie hatten ihre Namen ausgetauscht. Auf der ganzen Welt wusste nur diese Frau, wer Hazel wirklich war, woher sie stammte –
    und auf der ganzen Welt wusste nur Hazel, dass die blonde Dame Brun hieß. Sie, Hazel, konnte hier überleben, aber die Dame hatte keine Chance.
    Brun. Hazel prägte sich den Namen ein, hielt ihn lebendig.
    Selbst damals in ihrer Angst und ihrer Entschlossenheit, die Kleinen zu beschützen, hatte Hazel einen hartnäckigen Zorn auf 393
    das empfunden, was die Männer dieser Frau angetan hatten. Es war nicht recht gewesen, Brun die Stimme zu rauben, noch weniger recht als bei einer Frau, die auf dieser Welt aufgewachsen war. Nichts, was jemand getan hatte – absolut nichts –, verdiente eine solche Strafe. Und Brun hatte gar nichts getan, auch nicht mehr als Hazel. Diese Männer hatten Unrecht getan; sie hatten sie entführt, und dann hatten sie ihr noch die Stimme geraubt.
    Hazel wusste, dass Brun fliehen wollte. Jede Frau, die in Freiheit gelebt, hatte, würde das wollen. Und Brun … selbst in ihrem schlimmsten Zustand hatte Hazel eine brennende
    Entschlossenheit gespürt, mehr zu tun als nur zu überleben.
    Aber stimmlos und eingeschlossen, wie Brun war, mit
    Zwillingsbabys, konnte sie es unmöglich allein schaffen. Hazel würde einen Weg finden müssen. Es würde nicht einfach sein, nicht mit den Babys…
    Für sich allein, nachts, erinnerte sich Hazel – wenn auch nur in Gedanken, niemals laut – an die Dinge, von denen sie wusste, dass sie wirklich die Wahrheit waren. Sie war Hazel Takeris; ihr Vater war Rodrick Takeris gewesen und hatte zum technischen Personal der Elias Madero gehört, die von Käpten Lund kommandiert worden war. Hazel hatte ihre G-Prüfungen
    bestanden und sich damit in einer Auswahlprüfung als
    Juniorlehrling qualifiziert; sie hatte einmal unterwegs eine Gehaltserhöhung bekommen.
    Brandy und Stassi waren Ghirians und Vordas Töchter, aber Ghirian und Vorda waren tot. Die blonde Frau hieß Brun, und ihr Vater hieß so ähnlich wie »Kaninchen«. Dort draußen zwischen den Sternen lag ein Universum, wo Mädchen anziehen konnten, was immer sie wollten, wo sie Männern in die Augen 394
    blicken und sich selbst eine Karriere und einen Partner aussuchen konnten. Eines Tages … eines Tages würde Hazel dieses Universum wieder erreichen.
     
    395
    Kapitel fünfzehn
     
    Auf dem ganzen Weg zum Hauptquartier von Sektor IX, wo sie auf einen zivilen Transporter umstieg, hatte Esmay das Gefühl, Brandzeichen auf Stirn und Rücken zu tragen, definiert durch das, was die meisten Flottenangehörigen von ihr hielten. Sie blieb so weit wie möglich für sich und versuchte sich
    auszudenken, wie sie ihre prekäre Situation in der Flotte ihrem Vater erklären sollte. Vielleicht lenkten das Begräbnis und die Zeit danach ihn ab. Denn es hatte den Anschein, dass Esmay tatsächlich die Erbin ihrer Urgroßmutter war.
    Ihr vorangegangener Besuch auf Altiplano hatte mit

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