Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Waffenschwestern

Waffenschwestern

Titel: Waffenschwestern Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Moon
Vom Netzwerk:
beispielsweise von ihr, Berthold und Sanni jetzt anders anzusprechen?
    Ihr Vater kam aus dem Bibliotheksflügel zum Vorschein.
    »Ah – Esmay! Ich hoffe, du bist jetzt ausgeruht. Ich weiß nicht, wie lange du bleiben kannst, aber es gibt viel zu tun.«
    »Erst nach dem Essen«, wandte Sanni ein, die in diesem
    Augenblick wieder zum Vorschein kam. »Wir sind jetzt so weit.« Esmay erkannte, dass man auf sie gewartet hatte.
    Das Essen machte noch deutlicher als alle theoretischen Erklärungen, wie sich ihr Status verändert hatte. Sie saß am Kopfende der Tafel, wo früher der Platz ihrer Urgroßmutter gewesen war, zu den wenigen Gelegenheiten, an denen sie am gemeinsamen Mahl der Familie teilgenommen hatte … wodurch nun Papa Stefan aus seiner Position als ihr Stellvertreter verdrängt wurde. Esmay hatte gar nicht geahnt, dass er so klein wirken konnte, wie er dort auf halber Höhe der Tafel über seinen Teller gebeugt saß. Sie selbst aß langsam, sah zu und hörte zu und versuchte, aus den unterschwelligen Gefühlsströmungen schlau zu werden.
    Ihre Stiefmutter und ihre Tante Sanni zum Beispiel musterten einander wie zwei Katzen über einem Napf Fisch. In welcher Hinsicht waren sie Rivalinnen? Ihr Vater und Berthold gaben 407
    sich zwar bemüht höflich, wirkten aber besonders angespannt.
    Von den jungen Leuten saß nur Luci mit am Tisch – die anderen hatten wohl, wie Esmay vermutete, früher unter weniger förmlichen Umständen gegessen.
    »Hast du schon entschieden, wen du als Erbin einsetzt?«, fragte Esmays Stiefmutter. Sanni warf ihr einen Blick zu, der hätte töten können.
    »Jetzt nicht«, mischte sich ihr Vater ein.
    »Nein«, antwortete Esmay. »Das habe ich nicht – für mich ist alles noch so neu. Ich muss sorgfältig darüber nachdenken.« Sie musste sich erst den Stammbaum ansehen; sie hatte keine Ahnung, wer in Frage kam. Es könnte sogar Luci sein. Das wäre gar nicht so schlimm.
    »Mit dem Papierkrieg fangen wir morgen an«, sagte ihr
    Vater. »Dem ganzen juristischen Kram.«
    »Wie lange wird das dauern?«, erkundigte sich Esmay.
    Er zuckte die Achseln. »Wer weiß? So etwas haben wir lange nicht mehr gemacht, und seitdem wurden einige Gesetze
    geändert. Es reicht heute nicht mehr, dass sich die Familie mit dem Gesamtkomplex von Veränderungen einverstanden erklärt; es muss jetzt Punkt für Punkt geschehen.«
    Das klang viel schlimmer als das Fach Administrative
    Verfahren. Falls die ganze Familie dem Wechsel des
    Besitzrechts an jedem Feld, jedem Flecken Wald zustimmen musste…
    »Wenigstens kann heute in vielen Fällen ein Stellvertreter die Zustimmung erklären. Ich vermute, dass es Stunden dauern wird, falls nicht sogar Tage – und alles muss von vorn beginnen, 408
    wenn du abdankst.« Er klang eher müde als widerwillig; Esmay vermutete, dass er seit dem Tod ihrer Urgroßmutter
    wahrscheinlich an ihrer Stelle die meisten Aufgaben in der Familie wahrgenommen hatte.
    »Falls sie überhaupt abdankt«, warf Papa Stefan ein. »Sie sollte bleiben, gut heiraten und die Landbraut sein, die wir brauchen. Sie ist für das übrige Universum schon zur Heldin geworden – sie hat sich selbst bewiesen –, aber da draußen können sie kaum so dringend eine junge Heldin brauchen, wie wir Esmay hier benötigen. Sie könnte jetzt den Dienst
    quittieren.«
    Ihr Vater sah sie an, die Schultern leicht hochgezogen. Er wusste, was ihr die Flottenlaufbahn bedeutete, genauso, wie er wusste, was ihm die eigene militärische Karriere bedeutete –
    aber es gab auch vieles, wovon er keine Ahnung hatte, und im Augenblick hielt Esmay es beinahe für klug, die Flotte von selbst zu verlassen, ehe man sie hinauswarf.
    »Möglicherweise bin nicht ich es, die ihr braucht, Papa Stefan, sondern jemand, der die ganze Zeit hier gelebt hat, der sich mehr auskennt…«
    »Du kannst es lernen«, sagte er, und seine Energie erwachte jetzt von neuem, als er jemanden hatte, mit dem er sich auseinander setzen konnte. »Du warst nie dumm, nur stur. Und warum solltest du den Regierenden Familias dienen? Wir haben nicht mal einen Sitz in ihrem Großen Rat. Sie respektieren uns nicht. Sie verbrauchen dich und werfen dich schließlich weg, wann immer du ihnen Missvergnügen bereitest oder sie deiner müde werden.«
    409
    Damit traf er zu dicht ans Schwarze; Esmay fragte sich, ob die Medien spitzbekommen hatten, dass sie in Ungnade gefallen war. Aber Berthold mischte sich jetzt ein.
    »Unfug, Papa! Junge Offiziere ihrer Qualität

Weitere Kostenlose Bücher