Wanderungen durch die Mark Brandenburg
Steinhöfel fiel an seinen Bruder, den Hausminister, und nach dessen Ableben an den ältesten Sohn desselben, den Rittmeister Valentin von Massow.
Steinhöfel ist ein schönes und reizend gelegenes Gut. Es liegt an der Stelle, wo der breite Sandgürtel, der sich nördlich von Fürstenwalde hinzieht, in ein frischeres und fruchtbareres Terrain übergeht. Das Schloß hat in der Schinkelschen Zeit eine Renovierung erfahren. Interessante, halb landschaftlich, halb architektonisch gehaltene Bilder von Fr. Gilly, die sich bis diesen Tag in einem der Wohnzimmer vorfinden, zeigen uns deutlich, wie die ursprüngliche äußere Anlage war. Die innere Einrichtung stammt aus der Zeit des Generalleutnants Valentin von Massow und seines Vaters des Obermarschalls. Nur unter den Porträts sind einige älteren Datums.
Aus der gesamten Reihe derselben mache ich die folgenden namhaft:
1. Kabinettsminister von Blumenthal; unter dem Großen Kurfürsten brandenburgischer Gesandter in Paris.
2. Feldmarschall von Flans, geb. 1664, gest. 1748, besonderer Liebling und Jagdgenosse Friedrich Wilhelms I. (Diese beiden Porträts, namentlich das erstere, von vorzüglichem Kunstwert.)
3. General von Massow, aus der Zeit Friedrich Wilhelms I.
4. von Massow, Minister unter Friedrich II.
5. Seine Gemahlin.
6. von Massow, Obermarschall unter Friedrich Wilhelm II. und III.
7. Seine Gemahlin.
8. von Massow, Hausminister unter Friedrich Wilhelm IV.
9. Seine Gemahlin.
10. Generalleutnant Valentin von Massow als junger Mann in Zivil.
Außer diesen Porträts interessieren namentlich einige von Schinkel und Fr. Gilly herrührende, Schloß und Park von Steinhöfel in ihrer früheren Gestalt wiedergebende Gouachebilder. Sieben an der Zahl und zwar zwei von Schinkel, fünf von Gilly. Sie sind ohne Datum, doch läßt sich mit ziemlicher Bestimmtheit annehmen, daß die Gillyschen Blätter zwischen 1795 und 1800, die Schinkelschen um 1805, gleich nach Schinkels Rückkehr aus Italien gemalt wurden.
Die zwei Schinkelschen Bilder sind folgende:
1. La Maison du Vigneron et Vendange à Steinhoeffel. Es ist eine Spätnachmittags-Beleuchtung. Eine Gruppe rechts sitzt im Schatten der Bäume, auf das laubumrankte Winzerhaus aber, sowie auf den freien Platz davor, fällt ein mildes, heiteres Sonnenlicht. Winzer und Bäuerinnen tanzen einen Rund- und Ringelreigen. In der weinumrankten Vorhalle des Winzerhauses und auf der Treppe, die zu dieser Vorhalle hinaufführt, stehen plaudernde Paare und ein paar Fiedler, die zum Tanze spielen. Ein reizendes Bild. In seiner derb heiteren Stimmung niederländisch, in Beleuchtung und Farbenton italienisch und insofern allerdings einer gewissen realistischen Wahrheit entbehrend.
2. La Vigne de Steinhoeffel.
Dies Bild ist ruhiger als das erste, aber vielleicht noch hübscher und anziehender. Es ist dasselbe Haus, nur mit dem Unterschiede, daß man mehr die Giebel-als die Frontseite sieht. Die Sonne geht eben unter und ein rotbrauner Ton liegt über dem Ganzen. Zwei Bäuerinnen kehren mit Fruchtkörben heim. An der sonnenbeschienenen, rotbraunen Gartenmauer steht eine kurzgeschürzte Winzerin in grünem Friesrock und rotem Mieder und reicht einem auf der niedrigen Mauer stehenden Winzer die abgeschnittenen schweren Trauben zu. Edeltannen und Silberpappeln im Hintergrund. Das Ganze in Auffassung und Beleuchtungston durchaus italienisch.
Die fünf Gillyschen 67 Blätter haben mit den Schinkelschen nicht die gerinste Ähnlichkeit. Sie führen alle fünf die gemeinschaftliche Unterschrift: Vue de Steinhoeffel und zeigen
1. das Schloß, wie es sich vor etwa achtzig Jahren präsentierte, wenn man von der Dorfgasse her in den Park einbog;
2. das Schloß vom Park aus;
3. das japanische Häuschen im Park, nach dem Friedrich Wilhelm III. das Paretzer aufführen ließ;
4. und 5. eine Baum- und eine Wasserpartie (Kaskade) aus dem Park.
Wenn auf den zwei Schinkelschen Blättern saftgrün und rotbraun vorherrschen und ihnen Kraft und Frische geben, so sind auf den Gillyschen Blättern weiß und ein helles Wassergrün die vorherrschenden Farben. Die Schinkelschen machen den Eindruck moderner, sehr farbenkräftiger Aquarelle, während die Gillyschen wie Federzeichnungen wirken, die mit dünnen und unkräftigen Wasserfarben hinterher fein und sinnig getuscht wurden.
Interessanter noch als diese Bilder und vielleicht überhaupt das Bemerkenswerteste, was sich an Kunstschätzen, bzw. Kuriositäten in Steinhöfel vorfindet, ist ein
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