Wanderungen durch die Mark Brandenburg
Un vördem, so meent se, sinn ook vier iserne Krampen anwest un an jede Kramp wihr wedder ne iserne Kett, un an jede Kett een von Oll- sine Skloaven. Un ook ein Linnenboom wihr doa. Awers nu is de Linn' wech, un de Krampen sinn ooch wech. Man bloot den groten Steen, den hebben se liggen loaten. He mücht' wohl en beeten to sweer sinn.«
»Sonst nichts, Papa?«
»Duch, duch. Se vertellen noch allerhann anne dumm Tüüch un dohn joa binah, as wenn he de Düwel selber west wihr. Se seggen, he föhr nich giern dörch'n Sann, und wenn he sinen Mantel antrecken deih, denn wihr et mit eens, as en groten Winn, un Kutsch un Pird un allens geng heidi dörch de Luft. Mal eens verluhr sin Kutscher sin' Pietsch, un wull sich büggen. Awers Oll-Sparr heel' em von hinnen her fast un seggte man bloot: ›Vergett nich, mien Söhn, wo du bist.‹ Un as de Kutscher den annern Dag durch Biesenthal torügg föhr, doa seech he, dat sien Pietsch an'n Biesenthalschen Kirchturm hängen deih. Awers ich glöv et nich. Ick bin nich bürtig vunn Pren'n.«
»Ich glaub' es auch nicht, aber man kann doch nicht wissen.«
»Nei, weeten kann man't nich. Un se seggen ook, he spökt in dissen Wald, hier so rümmer. Un ick hebb' ook all so watt hürt, as wie Pietschenknall'n un Pruhsten, un as ob een' vunn wiet aff lachen deih. Nei, weeten kann man't nich.«
»Adieu Papa, und seht Euch vor.«
»Wovor?«
»Vor'm alten Sparr.«
Er lachte und rief mir nach: »Nei, nei, de Sünn is joa noch an'n Hewen. Un he kümmt nich an hell'nlichten Dag 72 .«
Es war, wie der Alte gesagt hatte, Prenden versteckte sich. Aber in einiger Entfernung drehte sich eine Mühle langsam im Winde. Dort mußt' es sein.
Und dort war es wirklich. Kaum, daß ich die Mühle passiert hatte, so stand ich abermals an einem jener vielen Taleinschnitte, die hier das Hügelland durchziehen, und sah, über die Kronen der unten stehenden Bäume hinweg, in Dorf Prenden hinein. Ich werde dieses Anblicks nicht leicht vergessen. Nach rechts hin dehnte sich ein stiller, graublauer See mit breitem Sandufer, während sich zur Linken ein durch Gartenland und bestellte Äcker hinplätscherndes Fließ in Wald und Wiese verlor. Dazwischen aber – dem Lauf des Tales nicht folgend, sondern die Längslinie desselben quer durchschneidend – lag das Dorf, auf seinen zwei höchsten Punkten Schloß und Kirche tragend.
Die bunten Farben eines Herbsttages steigerten noch den Reiz des Bildes.
Ich durchschritt das Dorf, um zuerst die jenseits gelegene Kirche nach ihren etwaigen Schätzen zu durchforschen. Konnte nicht Edell Sparr ein Marmordenkmal im hohen Chor oder Emerentia von Seestedt einen Denkstein vor dem Altar haben? Die Hoffnung war gerechtfertigt, aber sie blieb unerfüllt, und ich habe selten einen freudloseren Platz betreten. Malerisch hatte mich die Kirche von der andern Seite des Hügels aus gegrüßt, nun erst sah ich, daß alles nicht viel anderes als eine Landschaftskulisse gewesen war. Das Innere kahl, der Kirchhof verödet, und kein Andenken erfindbar, als das eine, das sich der Feldmarschall selber gestiftet: zwei schöne Glocken, deren Inschriften unter einer Kruste von Schwalbenguano meiner Entzifferungskunst spotteten.
Und so hatte ich denn Einblick in eine Kirche getan, deren gesamter Kunstschmuck ein zerbrochener Rest eines Altarschnitzwerks und deren historisches Glanzstück, außer den zwei Glocken, eine vereinzelte Kriegsdenkmünze vom Jahre 1813 war.
Ich war enttäuscht, aber nicht verstimmt, denn Kirchhof und Kirche hatten als Musterstücke in ihrer Art zu mir gesprochen. Auch hatte ich bald der Öde vergessen, als die Dorfstraße mich wieder aufnahm. An hohen Stangen reiften die Saatbohnen für das nächste Jahr, und der eigentliche Baum an dieser Stelle schien der Holunderbaum zu sein, dessen schwarzrote Beerenbüschel über alle Zäune hingen. Diese selbst aber waren mehr in graue Flechten als in grünes Moos gekleidet und der Rauch stieg langsam und mühevoll auf, als läg' ein Druck auf allen Dächern.
So kam ich an den diesseitigen Krug, genau die Stelle, wo vordem die Einfahrt in den Schloßhof war. Die Krügerin berichtete mir ähnliches, wie der alte Reisigsammler, und fuhr dann, indem sie mich plaudernd an die Kirchentüre führte, fort: »Hier links und rechts waren die Karpfenteiche, soweit das Kohlfeld reicht, und weiterhin, wo Sie den Türkischen Weizen sehen, da fing der Obstgarten an. Dies hier herum war Hof. Mein Mann hat es gekauft: Krug und Schloß
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