Wanderungen durch die Mark Brandenburg
etwas direkt Störendes hat.
Vor dem Altar der Heckelberger Kirche befindet sich ein Grab. Einer der Geistlichen ist dort begraben, und die Stelle markiert sich durch nichts, als durch eine schwache muldenhafte Einsenkung des Fußbodens, infolge deren die Steine lose geworden sind. Wir äußerten ein leises Befremden darüber, aber der uns begleitende Heckelberger antwortete ruhig: »Wir tun, was wir können. Alle paar Jahr schütten wir nach und stampfen's fest, mörteln auch die Steine wieder ein, aber es hilft nichts, er geht immer tiefer, und eh' wir's uns versehn, ist die Mulde wieder da.«
Ein leiser Schauer überlief uns bei dieser Erzählung.
Wir kommen nun nach Trampe. Trampe ist altsparrisch, aber in den Wirrsalen des Dreißigjährigen Krieges ging es teilweis verloren und erst der Feldmarschall eroberte es der Familie zurück. Er scheint ihm eine besondere Vorliebe zugewandt und, wenn er nicht in der Hauptstadt war, abwechselnd hier und in Prenden residiert zu haben. Auf beiden Gütern entstand ein Schloß; während indes in Prenden nur noch ein Trümmerhaufen davon erzählt, zeigt sich in Trampe alles wohl erhalten. Schloß und Park existieren noch, verändert und umgebaut zwar, aber in ihrer Grundanlage dieselben geblieben. Der Park, mit kostbaren alten Bäumen und einer Burgruine, weist noch eine seltsam geformte,
acht
Zifferblätter zeigende Sonnenuhr auf, die auf mehreren dieser Zifferblätter den Namen des Feldmarschalls trägt. In der Kirche befinden sich ein paar Bilder und Grabsteine, doch ohne Beziehung zu den Sparrs. Nur die Glocken erzählen wieder von ihnen und diesmal nicht nur von unserem Otto Christoph, sondern auch von seinen Vettern, die er, wie es scheint, mit heranzuziehen und seiner Glockenpassion dienstbar zu machen wußte.
Die Inschrift der ersten Glocke lautet: »Der wohledle, geborne Herr Ernst Sparr, Ihrer Kurfürstlichen Durchlauchtigkeit zu Brandenburg Rath und bestallter Hauptmann zu Zechlin und Lindow, Erbherr auf Trampe, Prenden, Beerbaum und Dannenberg.« Dazu das einfache Sparrsche Wappen und: »Goß mich Jacob Neuwert zu Berlin 1660.« (Diese Angabe wiederholt sich auf allen drei Glocken.)
Die Inschrift der zweiten Glocke lautet: »Ernst George des heiligen Römischen Reiches Graf von Sparr, der Römischen-Kaiserlichen auch zu Pohlen und Schweden Königlicher Majestät Geheimer Kriegsrath, Generallieutenant und Generalfeldzeugmeister beiderseits Kammerherr und Obrister zu Roß und Fuß, Herr auf Trampe, Prenden, Dannenberg und Beerbaum.« Dazu das gräfliche Sparrsche Wappen.
Die dritte Glocke ist die wichtigste. Sie rührt von dem Feldmarschall her, ist aber gesprungen und befindet sich deshalb nicht mehr neben ihren zwei Schwestern oben in der Höhe, sondern unten im Turm, wo man ihre Inschrift mit Bequemlichkeit 73 lesen und neben dem schönen Guß auch an ihrer Patina den ersichtlich feinen Erzgehalt bewundern kann. Die Inschrift lautet: »Otto Christoph Freiherr von Sparr, der Kurfürstlichen Durchlaucht zu Brandenburg Geh. Kriegsrath, Feldmarschall, Obergouverneur der in der Chur und Mark Brandenburg, Herzogthum Hinterpommern und Fürstenthum Halberstadt belegenen Festungen, Obrister zu Roß und Fuß, Herr zu Trampe, Prenden, Lanke und Neustadt an der Dohhl« (soll höchstwahrscheinlich Dosse heißen). Darunter das Sparrsche Wappen.
Diese Glocke, wie man sonst wohl mit gesprungenen Glocken tut, umzuschmelzen, wäre nicht ratsam, da sie dadurch aufhören würde, die alte Sparren-Glocke zu sein, und zwar, soviel ich weiß, die schönste und reichste, die er hat gießen lassen. Allerhand Sagen knüpfen sich außerdem an dieselbe, die den Feuertod sterben würden, wenn man sich entschlösse, durch Umschmelzung aus der alten Glocke eine neue zu machen. Die eine Sage berichtet die vielerorten wiederkehrende Geschichte vom Glockengießer, der eine Schlange mit in die Glockenspeise hinein getan habe, so daß seitdem die Schlangen aus der Umgegend verschwunden seien. Die andere meint, daß die Glocke aus türkischen Geschützen gegossen sei, die der Feldmarschall während seines Türkenzuges den Ungläubigen abgenommen, ja sie geht noch weiter und verbürgt sich, daß Sparr die Glocke selbst erobert und später dafür gesorgt habe, daß sie durch Tramper Bauern aus dem fernen Ungarlande herbeigeholt worden. Auch die glaubhaftere Hälfte dieser Tradition hält eine Kritik nicht aus, da die Glocke, wie sie selber besagt, 1660 gegossen wurde und »Vater Sparr« erst
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