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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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angeht, so befindet sich dieselbe bis diesen Tag in einem eigenen, von außen angebauten Treppenhause, von dem die Sage geht, daß es deshalb früher nicht vorhanden war, »weil der alte Arendt Sparr, nach Art ähnlicher Sagenväter, den Zutritt zu seiner schönen Tochter durchaus unmöglich machen wollte.« Erst nachdem der Eintritt der bekannten Erscheinungen unseren alten Sparrenvater, wie so manchen Vater vor und nach ihm, von der Unmöglichkeit solcher Isolierung überzeugt hatte, entschloß er sich reumütig, dem Hause das zu geben, was ihm bis dahin gefehlt hatte – eine Treppe.
    Das Schloß, wie seine Inschrift besagt, wurde 1565 bis 67 gebaut und 1580 renoviert. Ich vermute jedoch, daß es 1650 statt 1580 heißen muß. Jedenfalls haben sehr bald nach dem Dreißigjährigen Kriege Renovierungen stattgefunden, da, während des Krieges, wie Bekmann berichtet, die Seitengebäude des Schlosses durch den schwedischen General von Dewitz eingeäschert worden waren. Natürlich mußte das Schloß selbst bei dieser Einäscherung mit leiden. Aber gleichviel, die Grundanlage des Schlosses ist seit den Tagen Arendts von Sparr und seines Sohnes Otto Christoph unverändert geblieben.
    Und wie das Sparrenschloß blieb, so die Sparrenerinnerungen. Vor allem selbstverständlich die, die dem alten Feldmarschall gelten. In jedem der Dörfer, die dem Sparren-Lande zugehören, ist er gekannt, in dem einen als Zauberer, in dem anderen als Türkenbesieger, überall aber als der »Glockenmann«, der sich vorgesetzt hatte, am ganzen Laufe des Finowflusses hin seine Glocken klingen zu hören. Und wer an der Biesenthaler Wassermühle den kleinen Fluß passiert, oder an einem Herbtsabende, bei fallendem Nebel, an dem Tramperpark und seinen Burgtrümmern vorüberkommt, der fühlt wohl, daß ihn sein Weg in Gegenden geführt hat, wo es nicht wundernehmen darf, daß alte Volkssagen noch lebendig sind und weiter wachsen und schaffen. Und ein alter Knecht lebt noch auf einem der ehemaligen Sparrendörfer, der sieht alles voraus, was passiert, und prophezeit von einem großen Kriege, der in den achtziger Jahren kommen wird. »Dann werden die Menschen so rar werden wie die Störche im Jahre 1857, wo ein großer Sturm sie verschlagen und so viele umgekommen waren, daß man alle fünf Meilen nur einen noch sah. So wird Gott die Menschen schlagen, wie er damals seinen Gottesvogel geschlagen. Und dann werden die Menschen sich freuen, wenn einer den andern sieht.«
     

Am Werbellin
     
    Ihre Dächer sind zerfallen
    Und der Wind streicht durch die Hallen,
    Wolken ziehen drüber hin.
    Franz Kugler
     
    Und eh der Mittag kam, da lag
    Haufweis das Wild erschlagen.
    Chevy-Jagd
     
    Eine halbe Meile nördlich von Lichterfelde, schon auf uckermärkischem Grund und Boden, begegnen wir dem sagenreichen Werbelliner See, auch wohl in Kürze »der Werbellin« geheißen. Ein Zauber ist um ihn her, und was der »Blumenthal« unter den Forsten ist, das ist der Werbellin unter den Seen dieses Landesteiles.
    Es scheint, als ob alle Welt, auch in alten Tagen schon, ein Ohr für den Wohlklang dieses Namens gehabt habe, denn alles, was um den See herum gelegen ist, hat den Namen von ihm entlehnt, und wir unterscheiden außer dem eigentlichen »Werbellin« noch eine Stadt, ein Dorf und ein Schloß gleichen Namens, woran sich dann schließlich der Werbelliner Forst reiht, dessen wir schon früher, als des kostbarsten Jagdgrundes der Hohenzollern, gedacht haben.
     
Stadt Werbellin
    Sie soll an der Stelle des jetzigen Sees gestanden haben, so daß wir hier – wenn der Überlieferung irgend etwas Reales zugrunde liegt – einen jener »Erdfälle« anzunehmen hätten, über deren Art und Vorkommen ich in dem Buckowkapitel ausführlicher gesprochen habe. Das Terrain indes ist hier ein wesentlich anderes und macht einen Erdfall um vieles weniger glaubhaft. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat eine Stadt Werbellin niemals existiert. Wenn Fischbach von zwei alten, im Rathause zu Neustadt-Eberswalde befindlichen Urkunden spricht, die das Datum des St. Gregors-Tages 1306 und des 19. Februar 1319, als Ausstellungsort aber den Namen Werbellin tragen, so steht jetzt fest, daß damit das Schloß Werbellin, nicht aber die sagenhafte Stadt gleichen Namens gemeint gewesen ist.
     

Dorf Werbellin
     
    Ist neueren Datums. Eine halbe Meile südlich vom See gelegen, zählt es zu den Pfälzerkolonien, die 1748 in der Mark angelegt wurden. Es trägt seinen poetischen Namen ziemlich

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