Wanderungen durch die Mark Brandenburg
die Schlösser, die den »Werbellin« umstanden, nur der See selber ist in seiner alten Schönheit verblieben. Bei Altenhof, unmittelbar an dem gelben Kiesufer, liegen ein paar Tannenstämme aufgeschichtet und bilden eine hohe Bank zum Überblick. Und dort nehmen wir Platz. Kleine Wellen schäumen ans Ufer vor uns, die breite Wasserfläche liegt noch im Licht, während sich nach Norden hin bläuliche Schatten über Wald und See breiten. Dorthin liegen auch die Trümmer des alten, halb Sage gewordenen Grimnitzschlosses. Und wenn jetzt ein goldenes Schiff den See herunterkäme, und auf dem Deck des Schiffes, unter flatterndem Zeltdach, säße Markgraf Otto mit Heilwig von Holstein, scherzend und lachend über dem Schachspiel, wir ließen es vorübergleiten, vielleicht weniger verwundert über das goldene Schiff mit Segel und Zeltdach, als über das ärmliche Schifferboot, das eben jetzt mit Netz und Reuse des Weges kommt.
Es ist ein Märchenplatz, auf dem wir sitzen, denn wir sitzen am Ufer des »Werbellin«.
Das Pfulen-Land
Ich lese gern von mancher tüchtigen Kraft,
Die kühn gefolgt der Größten ew'gem Schimmer.
H. v. Blomberg
Wie um Neustadt-Eberswalde herum ein »Sparren-Land«, so gab es um Buckow herum, an der Grenze von Barnim und Lebus, ein Pfulen-Land.
Die Pfuels kamen so früh in die Mark, daß sie schon im Jahre 1603 in einer Leichenpredigt, die beim Hinscheiden eines der Ihrigen gehalten wurde, nicht nur ein »fürtreffliches,« sondern auch ein »uraltes Geschlecht« genannt werden konnten, ein Geschlecht, aus welchem »equestris et literati Ordinis viri, tapfere Kriegsschilde und wohlgelahrte, verständige und versuchte Männer« hervorgegangen seien.
Sie gehörten zu den »Schloßgesessenen«, insoweit sie die festen Schlösser Quilitz, Ranft und Leuenberg innehatten, und ihr Ansehen war bedeutend genug, um noch am Ende des 15. Jahrhunderts, also fast hundert Jahre später als die Quitzows, wegen einer rückgängig gemachten Verlobung eine zehnjährige Fehde mit den Mecklenburger Herzögen führen zu können. Ihr Besitz umfaßte damals und später die folgenden Güter teils ganz, teils anteilsweise: Buckow, Dannenberg, Leuenberg, Steinbeck, Alt-Ranft, Schulzendorf, Hohenfinow, Prötzel, Tiefensee, Werftpfuhl, Hasenholz, Garzin, Garzau, Dahmsdorf, Obersdorf, Quilitz, Friedersdorf, Kienitz, Münchehofe, Jahnsfelde, Gielsdorf und Wilkendorf.
Von diesem reichen Besitzstande sind der Familie nur die drei letztgenannten Güter geblieben: Jahnsfelde bei Müncheberg und Gielsdorf-Wilkendorf bei Strausberg. Der Name des alten Geschlechts aber lebt noch überall in dem ehemaligen Pfulenlande fort, so daß wir in nachstehendem von Dorf zu Dorf, von Kirche zu Kirche wandern und dabei aufzuzeichnen haben werden, was an Erinnerungsstücken aus alter Zeit geblieben ist.
Schulzendorf
Schulzendorf, eine halbe Meile von Wriezen, kam bald nach 1450 in Pfuelschen Besitz. Es blieb lange bei der Familie. Erst 1837 ist es in andere Hände übergegangen. Die alte Feldsteinkirche enthält außer einem weißgetünchten Schnitzaltar, der das Würfeln der Kriegsknechte um Christi Mantel darstellt, ein großes, sehr interessantes Bild, das, zu Ehren eines Quilitzer Pfuel gemalt, ursprünglich auch der Quilitzer Kirche zugehörte. Nachdem indes diesem Zweige der Familie das letztgenannte Dorf verlorengegangen und nur Schulzendorf noch geblieben war, hatten die späteren Repräsentanten der Quilitzer Linie den Wunsch, das Ehrenbild ihres Ahnherrn nicht mehr in einer ihnen fremd gewordenen Kirche zu sehen. Sie kauften daher das Bild und stellten es in der Schulzendorfer Kirche auf. Es ist sehr groß, wenigstens sechs Fuß zu vier, und stellt eine Kreuzigung Christi dar. Zu Füßen des Kreuzes kniet in blanker Rüstung der alte Pfuel, dem zu Ehren das Bild gestiftet wurde, und blickt betend zu dem Gekreuzigten auf. Weiter unterhalb die Donatoren: vier weibliche und zwei männliche Figuren. Dies wäre das Herkömmliche. Wodurch sich aber das Bild von ähnlichen unterscheidet, ist das, daß die Gestalten des Heilands und des in blanker Rüstung knienden Pfuel nicht gemalt, sondern basreliefartig in Holz geschnitten und nun erst an der ihnen zukommenden Stelle auf dem Bild befestigt sind. Es ist dies das erste und einzige Vorkommnis der Art, dem ich begegnet bin. Mehr eigentümlich, als schön. Man könnte es praktisch nennen, indem es die Aufmerksamkeit des Beschauers auf die beiden Gestalten hinzwingt, auf
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