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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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die Kritik der Kantschen Philosophie enthält, durch größere Änderungen und manche Zusätze um etwa einen Bogen vermehren. Ich kann Ihnen nur sagen, daß mein Buch nicht, wie die meisten, ein bloßes Scheinbuch, sondern ein wirkliches Buch ist, d.h. ein solches, welches bleibenden Werth hat, daher lange bestehen und viel Auflagen erleben wird, obgleich ich wohl weiß, daß Sie mir das nicht glauben werden. Am Ende kann es Ihnen auch gleichgültig sein. Denn Ihre Sache ist der Debit der nächsten Jahre und daß der rasch gehe, kann ich Ihnen nicht garantiren, sondern nur das Eine, daß, wenn es daran fehlt, dies nicht die Schuld des Buches, sondern des Publikums sein wird.« Und zum Schluß: »Dieser zweite Theil ist bei weitem wichtiger, als der erste und übertrifft ihn an Gründlichkeit und Reichthum der Kenntnisse unendlich, eben weil er die Frucht fünfundzwanzigjährigen Studiums und Nachdenkens und der reiferen Jahre ist. Mein System, welches der erste Band im Umriß giebt, tritt hier in der Vollendung auf, die ihm nur das Nachdenken und der Fleiß eines ganzen damit zugebrachten Lebens geben konnte. Denn, wenn in der ersten, noch unvollendeten Erscheinung desselben, nur Einzelne die Wichtigkeit und den Werth erkannt haben und es bei dem Gewirre der materiell interessirten Parteien nicht durchdringen konnte, so dürften wir doch hoffen, daß es jetzt in seiner vollendeten Gestalt und bei der schon eingetretenen Entlarvung der bloßen Spiegelfechtereien, endlich durchdringen wird.«
     
    So der Brief.
     
    All dies, ursprünglich in einer lesbaren Handschrift geschrieben, ist nichtsdestoweniger, und zwar um der fünf- und sechsfachen, an allen nur erdenklichen Stellen angebrachten Korrekturen willen, überaus schwer zu entziffern. Alle möglichen Zeichen stehen in seinem Dienst, Bojen oder Signallaternen, die den Weg zeigen sollen, aber so zahlreich sind, daß sie mehr verwirren als orientieren.
    Vielleicht der interessanteste dieser vier an Brockhaus beziehungsweise an die Brockhaussche Druckerei gerichteten Briefe, ist der, der die Überschrift trägt »An meinen Setzer«. Derselbe (spezifisch schopenhauersch) lautet:
    »Mein lieber Setzer. Wir verhalten uns zu einander wie Leib und Seele, müssen daher, wie diese, einander unterstützen, auf daß ein Werk zu Stande komme, daran der Herr (Brockhaus) Wohlgefallen habe. Ich habe hierzu das Meinige gethan und stets, bei jeder Zeile, jedem Wort, ja jedem Buchstaben, an Sie gedacht, ob Sie nämlich es auch würden lesen können. Jetzt thun Sie das Ihre. Mein Manuskript ist nicht zierlich, aber sehr deutlich, auch groß geschrieben. Die viele Überarbeitung und fleißige Feile hat viele Korrekturen und Einschiebsel herbeigeführt, jedoch Alles deutlich und mit genauester Hinweisung auf jedes Einschiebsel durch Zeichen, so daß Sie hierin nie irren können, wenn Sie nur recht aufmerksam sind und mit dem Vertrauen, daß Alles richtig sei, jedes Zeichen bemerken und sein entsprechendes auf der Nebenseite suchen. – Beobachten Sie genau meine Rechtschreibung und Interpunktion und denken Sie nie, Sie verstünden es besser: ich bin die Seele, Sie der Leib. – Habe ich, am Ende der Zeile, die in die Nebenseite hineingehenden Zusatzworte durch einen Haken der Zeile angeschlossen, so hüten Sie sich, solche für unterstrichen zu halten! – Was mit lateinischen Buchstaben geschrieben, in eckigen Klammern eingeschlossen steht, sind Notizen für Sie allein bestimmt. – Wo Sie eine Zeile ausgestrichen finden, sehen Sie wohl zu, ob nicht doch ein Wort derselben stehen geblieben sei und überall sei das Letzte was Sie denken oder annehmen dieses, daß ich eine Nachlässigkeit begangen hätte. – Manchmal habe ich ein fremdartiges Wort, das Ihnen nicht geläufig wäre, am Rande, auch wohl zwischen den Zeilen mit lateinischen Buchstaben wiederholt und in einige Klammern geschlossen. Bedenken Sie, wenn die vielen Korrekturen Ihnen beschwerlich fallen, daß eben infolge derselben ich nie nöthig haben werde, auf dem gedruckten Korrekturbogen noch meinen Stil zu verbessern und Ihnen dadurch doppelte Mühe zu machen.
    Ich setze gern doppelte Vokale und das den Ton verlängernde h, wo es früher Jeder setzte. Ich setze nie ein Komma vor denn, sondern Kolon oder Punkt. – Ich schreibe überall ahnden, nie ahnen. – Ich schreibe ›trübsälig, glücksälig‹ usw., auch ›etwan‹, nie ›etwa‹. Theilen Sie diese Ermahnung dem Korrektor mit.
    Ich wünsche, daß oben auf den

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