Wanderungen durch die Mark Brandenburg
Prinzen Heinrich und Vormund der beiden geisteskranken Herren v. Bredow zu Löwenberg. Er war der Mutter-Bruder dieser beiden v. Bredow's, ein Herr der edelsten Gemütsart, der vielen Menschen in der Welt, zum Theil durch schwere Kosten zu zeitlichen Ehrenstellen verholfen und ihr irdisch Glück befördert hat. Er zeigete sich gegen alle Mitmenschen als ein Menschenfreund, und war Allen, ohne jede Nebenabsicht des Eigennutzes, willfährig und gefällig. Hiervon zeugete insonderheit seine Fürsorge für die Kranken. Er pflegte zur Sommerzeit, wenn er sich auf seinen Gütern aufhielt, eine Menge von Medikamenten aus Berlin mitzubringen. Und wenn sich Kranke bei ihm meldeten und er ihren Zustand erkundet hatte, gab er ihnen die Medikamente, von woher die Kranken auch sein mochten. Am vierten Tage nach seinem Hinscheiden, am 27. Dezember Abends, sind die erblaßten Gebeine des wohlseligen Herrn Hofmarschalls in dem Freyherrlich von Kraut'schen Erbbegräbniß in der Nicolaikirche zu Berlin beigesetzt worden. Und nachdem dieser Todesfall auf die beweglichste Art der Gemeinde zu Löwenberg am 1. Januar 1768 zur Kenntniß gebracht worden ist, ist darüber zwei Wochen lang auf allen v. Bredow'schen Gütern geläutet worden. Er hinterläßt eine über seinen Tod betrübte Frau Wittwe aus dem hochadligen v. Platenschen Geschlecht und eine trotz ihrer frühen Jahre schon hoffnungsvolle Tochter.«
3. Kapitel
Wie die Mutter der Krautentochter ihre Tochter erzog, und wer diese Mutter war
Die Krautentochter war erst fünf Jahre alt, als der Vater starb. Die Erziehung lag also bei der Mutter.
Wer war nun diese Mutter? Und wie war sie? Wir antworten darauf, eh' wir uns der Frage nach der Erziehung der Tochter zuwenden.
Else Sophie von Platen kam 1748 an den Hof der Königinmutter. Sie mochte damals achtzehn Jahre alt sein. In dem Tagebuch der Gräfin von Voß geschieht auch ihrer Erwähnung: »An die Stelle des Fräulein von Bredow«, so heißt es darin, »die sich mit einem Herrn von Schwerin verheiratete, trat Fräulein von Platen, ein wunderhübsches Mädchen, das aber wenig Geist und eine sehr melancholische Gemütsart besaß.« In diesen wenigen Zeilen wird die junge Dame, die spätere Hofmarschallin von Kraut, sehr wahrscheinlich am zutreffendsten gezeichnet sein. Alles andre, was an Aussprüchen über sie vorliegt, geht nach der einen oder andren Seite hin ins Extrem und widerspricht sich untereinander. Es scheint, daß sie, von einzelnen objektiv urteilenden Personen (wie die Gräfin Voß) abgesehen, nur leidenschaftliche Verehrer und leidenschaftliche Feinde hatte. Zu den ersteren gehörte Thiébault, in dessen immerhin schätzenswertem Werke »Mes Souvenirs de vingt ans de séjour à Berlin« auch der Hofmarschallin von Kraut (die bald nach dem Ableben ihres ersten Gatten den holländischen Gesandten de Verelst heiratete, bald indes abermals Witwe wurde) an verschiedenen Stellen Erwähnung geschieht. »Unter den Damen«, so heißt es in dem eben genannten Buche, »die Prinz Heinrich auszuzeichnen pflegte, befand sich auch eine Madame de Verelst, zuletzt Witwe des holländischen Gesandten. Es wurde ihr von seiten Monseigneurs, außer einer an Aufmerksamkeiten reichen Freundschaft, auch ein ganz besonderes Vertrauen bewiesen, was dahin führte, daß sie die Sommermonate beinahe regelmäßig in Rheinsberg zubrachte. Sie war aufrichtig, ernst und überlegend und dabei von einer durchaus honetten Gesinnung, daß niemand begriff, was sie vordem hatte bestimmen können, einem so langweiligen und übellaunigen Menschen wie dem Baron von Kraut, ihrem ersten Manne, die Hand zu reichen.«
In vollem Gegensatze dazu steht alles, was ihr späterer Schwiegersohn, Baron Knyphausen, über sie sagt. Ihm zufolge war sie nicht bloß »une femme vaine, bornée et détestable«, sondern rund heraus »un monstre«, und nur darin einigen sich beider Urteile, daß sie gut zu repräsentieren verstand, Reste früherer Schönheit aufwies, und über den freien und sicheren und, wenn ihr daran lag, auch über den hohen Ton der Gesellschaft eine vollkommene Verfügung hatte.
Une femme adroite nach Thiébault, une femme détestable nach Knyphausen, das war die Frau, der jetzt die Sorge der Erziehung ihrer Tochter oblag, eine Frau, der es unter allen Umständen an der Fähigkeit gebrach, ihrem Kinde mehr zu geben, als eine den Rheinsberger Verhältnissen angepaßte Tournüre. Worauf es in ihren Augen ankam, das war, vor »Monseigneur«
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