Wanderungen durch die Mark Brandenburg
Fürstenberg im Mecklenburgischen aus datiert. Ich schrieb Ihnen damals, daß ich Elliot von meiner Anwesenheit in dem genannten Grenzstädtchen Mitteilung gemacht und dieser Mitteilung hinzugefügt hätte, »ich befände mich daselbst, um auf ihn zu warten«. Übrigens will ich Ihnen, mein hochgeehrter Herr Vater, gleich an dieser Stelle bemerken, daß mir Fürstenberg, als zu nah' an der preußischen Grenze gelegen, zur Ausfechtung unserer Sache nicht sonderlich geeignet erschien, weshalb ich schon damals den Plan hegte, meinem Gegner, bei seinem Eintreffen, einen Zweikampf auf schwedisch-pommerschen Grund und Boden zu proponieren. Auf solchem waren Störungen kaum zu gewärtigen.
So waren vierzehn Tage vergangen, als ich eines Abends erfuhr, daß Elliot in Rostock gelandet und von dort aus, nach einem Souper in Strelitz, auf Rheinsberg zu gefahren sei. Von Rheinsberg aus aber, nach erfolgter Weigerung des Prinzen, ihn zu sehen oder zu begrüßen, habe er sich nach Hoppenrade begeben, und zunächst seiner Schwiegermutter, der Madame de Verelst, einen Besuch zu machen.
Ich erwartete hiernach eine baldige Nachricht von Elliot oder einem seiner Vertrauten und saß andern Tages bei Sonnenuntergang ruhig in meinem Zimmer und las, als ich einen Kutschwagen die Straße heraufkommen und vorfahren sah. Ich rief meinem Diener zu, die Türe zu schließen, »ich wolle niemand empfangen«; aber im selben Augenblicke sah ich auch schon einen Wütenden, etwa im Zustand eines türkischen Opiumrauchers, in mein Zimmer eindringen. Es war Elliot, der, mit einem spanischen Rohr in der Hand, ohne weiteres auf mich losstürzte. Durch eine Seitenbewegung wich ich aus, ergriff ihn und warf ihn ohne sonderliche Mühe zu Boden. Und würd' ihn erwürgt haben, wenn ihn nicht einer seiner Kammerdiener mir aus den Händen gerissen hätte. Jetzt wieder frei, zog er ein Pistol, das er mir auf zwei Schritt Entfernung entgegenhielt. Es war ein regelrechter, von drei Komplicen unterstützter Mordanfall. Ein ihn begleitender Irländer, den er mir später als seinen Sekundanten vorstellte, war mit zwei Pistolen und einem Degen bewaffnet; ebenso führten seine zwei Leute Pistolen und Hirschfänger. In diesem bedrohlichen Moment erschien der Wirt und einige Bürger auf dem Hausflur, um mich zu schützen, fragten mich, was es sei, und machten Miene, über die Eindringlinge herzufallen. Ich hinderte dies und sagte, »daß ich alles mit dem Herrn allein abzumachen hätte«. Darauf forderte mich Elliot auf, ihm bis vor die Stadt zu folgen und mich dort mit ihm zu schlagen. Ich erwiderte, dies gehe nicht wohl an, weil ich ohne Sekundanten sei, den dritten Tag aber wollten wir uns auf neutralem Boden, in Schwedisch-Pommern treffen und daselbst unsern Streit unter Innehaltung herkömmlicher Formen ausfechten. Er wollte jedoch von einer solchen Vertagung nichts wissen und fragte mich, und zwar der Umstehenden halber auf deutsch »ob ich keine Courage hätte?«
Dies zeigte, daß er mich aufs äußerste treiben wollte. So nahm ich denn die Herausforderung an. Er ging nun auf das Stadttor zu, zunächst von seinen drei Begleitern und im weiteren von etwa fünfhundert Personen jedes Alters und Standes gefolgt. Als ich ein paar Minuten später ebenfalls aufbrechen wollte, fand ich den Bürgermeister vor meiner Tür, welcher mich beschwor, mich nicht mit Mördern einzulassen, »er werde Elliot und seine Bande verhaften lassen«. Ich lehnte diesen Beistand indessen abermals ab und erschien auf dem Rendezvous mit zwei Pistolen und meinem Diener, einem guten, nur leider wenig encouragierten Menschen, der vor Furcht halb tot war. Es dämmerte schon, aber trotz der Dunkelheit, die herrschte, sah ich doch deutlich die halb komischen Vorbereitungen, die Elliot getroffen hatte: vier Degen waren feierlich in die Erde gesteckt, acht Paar Pistolen lagen davor und daneben einige Kleidungsstücke, deren sich Elliot entäußert hatte. Ich fragte ihn »was das alles solle«, worauf er mir wutschäumend antwortete: »mich aus der Welt blasen. Er hoffe, daß es die Pistolen tun würden, wenn aber nicht, so wären auch noch die Degen da.« Niemals in meinem Leben war ich kälteren Blutes, und so sagt' ich ihm denn in aller Ruhe: »der Umstand, daß ich noch zurechnungsfähig sei, gäbe mir einen Anspruch die Sache zu regeln. Einen Sekundanten hätt' ich nicht, und so wollten wir denn einfach Stellung nehmen und zweimal auf fünfzehn Schritt Distance schießen.« Er aber wollte von
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