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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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Beeren, diese Kirche, welche vor diesem
    sehr klein, unsauber und unordentlich war, aus mei-
    nen eigenen Mitteln zwanzig Schuh ins Best2) zu ver-
    längern, und ein Begräbnisgewölbe, neuen Altar,
    Kanzel, Chöre, Fenster, Türen, Leichenhalle und
    Stühle, alles neu verfertigen lassen, und ist solcher
    Kirchenbau mit der Malerei vollends Anno 1670 ge-
    endigt worden. Pfarrer ist zu dieser Zeit Salomon
    Sannovius, aus Münchberg bürtig. Gott erhalte diese
    Kirche und behüte sie vor Krieg und Feuersbrunst,
    und gebe, daß sein heiliges Wort darin lauter und
    unverfälscht gepredigt und die heiligen Sakramente
    nach Christi Einsetzung administrieret werden bis
    zum lieben Jüngsten Tag.«

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    Rechts und links vom Altar befinden sich Kirchen-
    stühle mit den Wappen folgender Familien: von
    Schapelow, von Berfelde, von Rilicher, von Promnit-
    zer, von Stosch, von Haubitz, von Loeben, von Ha-
    cke, von Redern, von Schulenburg, von Roebel, von
    Wenkstern. An andrer Stelle die Kriegs- und Gedenk-
    tafeln.
    Von eigentlichen Sehenswürdigkeiten innerhalb der
    Kirche verbleiben noch das Grabmonument und das Grabgewölbe .
    Das Grabmonument – ein trophäenartig aufgebautes Epitaphium – wurde durch Friedrich von Derfflinger
    dem Andenken seines Vaters errichtet. Es hebt sich
    von einer gemalten Wappendecke ab und muß ehe-
    dem sehr prächtig gewesen sein. Den Mittelpunkt
    bildet ein Steinsarkophag, in dessen flacher Vertie-
    fung der Derfflingersche Feldmarschallsstab liegt. Er
    ist, wurmstichig, in zwei Teile zerfallen; an beiden
    Teilen der Sammet abgerissen und nur die vergolde-
    ten Nägel noch sichtbar, die früher den Sammet hiel-
    ten. Über dem Sarkophag erhebt sich die schon er-wähnte Derfflinger-Büste: ausdrucksvolles Gesicht;
    ziemlich mager; die einzelnen Teile, mit Ausnahme
    der prononcierten Nase, eher klein als groß. Dazu
    langes, lockiges Haar und kleiner Schnurr- und Kinn-
    bart. Einiges, das hierin von Paulis gegebener Schil-
    derung abweicht, ist auf den Unterschied der Jahre
    zurückzuführen. Über der Büste ein schwebender
    Engel, dessen rechte Hand leider abgebrochen ist.
    Unter dem Sarkophage die Grabschrift, die neben
    Namen, Titel, Würden und Besitzungen zugleich auch

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    Zeit und Ort seiner Geburt und seines Todes gibt. –
    Dies ist das eigentliche Epitaphium. Zu seiner weite-
    ren Dekoration dienen zwei Standarten, die, diver-
    gierend gestellt, nach rechts und links hin über den
    Sarkophag hinausragen. Beide sind von gleicher Be-
    schaffenheit: die blauseidenen Fahnentücher mit
    Fransen und Quasten geschmückt. Ihr Emblem be-
    steht in einem nach außen gerichteten Arm, der ein
    Schwert führt, und darunter eine Flamme. Am obe-
    ren und rechtsseitigen Rande liest man in großen
    lateinischen Buchstaben: »Agere aut pati fortiora.«
    Nach allem ist anzunehmen, daß es Dragoner standarten waren, vielleicht von Derfflingers eigenem
    Regiment. Über ihre brandenburgische Zugehörigkeit
    lassen die metallenen Fahnenspitzen keinen Zweifel.
    Die eine zeigt in zierlich durchbrochener Arbeit einen
    einköpfigen Adler mit der kurfürstlichen Krone, die
    andre die Chiffre F. III. (Friedrich III.) und darüber
    die gleiche Krone.
    Das Grabgewölbe Derfflingers befindet sich unter dem Altar. Eine Falltür führt hinab, aber sie pflegt
    sich keinem Besucher mehr zu öffnen. Diese Maßre-
    gel wurde nötig infolge von Unbilden, denen die irdi-
    schen Überreste des alten Helden durch viele Jahre
    hin ausgesetzt waren. Er lag, so hört ich, ein volles
    Jahrhundert lang in seiner Gruft, ohne daß sich
    Freund oder Feind um ihn gekümmert hätte. Erst als
    vor vierzig oder fünfzig Jahren der Sinn für das Hei-
    mische lebendig zu werden begann, kamen Reisende
    von nah und fern, die den alten Derfflinger sehen
    wollten. Ja, mit der Zeit wurd es Mode, neben dem
    schönen Gusower Park auch die Gruft des alten

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    Feldmarschalls zu besuchen. Eine Mischung von Fri-
    volität und Kuriositätenkrämerei fing an ihr Spiel zu
    treiben, und eh ein Dutzend Jahre um war, lag der
    alte Feldmarschall, wie von Kroaten geplündert, in
    seinem halb erbrochenen Sarge, nur noch mit zwei
    großen Reiterstiefeln angetan, die man ihm wohl
    oder übel gelassen hatte. Dagegen mußte schließlich
    Remedur geschafft und der Sarg vor profaner Neu-
    gier oder Schlimmerem geborgen werden. So wurde
    denn der Tote samt der zerbrochenen Sargkiste, dar-
    in er lag, in einen schweren Eichensarg gesetzt und
    der Deckel

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