Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
Vom Netzwerk:
(Au-
    gust Gebhard) in die Armee trat und, als Gardecapi-
    tain den Dienst quittierend, seine Tage auf Frieders-
    dorf beschloß.
    Von diesem August Gebhard von der Marwitz, dem
    Urgroßvater des gegenwärtigen Besitzers, existieren
    noch ein paar Überlieferungen, die hier Platz finden
    mögen, weil sie ein anschauliches Bild von dem Le-
    ben geben, das ein märkischer Edelmann vor den
    Tagen des Siebenjährigen Krieges zu führen pflegte.

    1170
    August Gebhard lebte noch völlig als Patriarch. Die
    Bauern fürchteten sein grimmiges Ansehen und ver-
    mieden ihn lieber, als daß sie ihn suchten. Er war
    etwa der »Soldatenkönig im kleinen«, und das be-
    kannte »Lieben sollt ihr mich« ward auch hier mit
    dem spanischen Rohr auf die Rücken geschrieben.
    Von besonderer Wichtigkeit war der sonntägliche
    Kirchgang. In vollem Staat gefolgt von Frau und Kin-
    dern, erschien dann der alte Gardecapitain auf sei-
    nem Chor und teilte seine Aufmerksamkeit zwischen
    dem Prediger und der Gemeine. Sein kontrollierender
    Blick war über dem Ganzen. Ein eigens bestallter
    Kirchenvogt mußte aufmerken, wer von den Bauern
    ausgeblieben war, von denen jeder, der ohne triftige
    Ursache fehlte, an seinem Beutel oder seinem Leibe
    bestraft wurde. Dabei war August Gebhard ein Le-
    bemann. Sein Haus stand gastlich offen, und in hei-
    terer Gesellschaft vergingen die Tage. Man aß von
    silbernem Geschirr, und eine zahlreiche Dienerschaft
    wartete auf. Der Sommer gehörte dem Leben auf
    dem Lande, aber der Winter rief alles nach Berlin. In
    einem mit sechs Hengsten bespannten Wagen brach
    man auf, und ein Läufer in voller Livrée lief vor dem
    Zuge her. Auch in Berlin machte August Gebhard ein
    Haus; vornehme Gesellschaft ging aus und ein, an-
    gezogen durch den feinen und geistreichen Ton sei-
    ner zweiten Gemahlin, einer geborenen von der
    Goltz. Das Weihnachtsfest führte die Familie auf kur-
    ze Zeit nach Friedersdorf zurück, bis mit dem heran-
    nahenden Karneval der Läufer und die sechs Hengste
    wieder aus dem Stall mußten.

    1171
    Das waren die Zeiten August Gebhards. Die kom-
    menden Jahre trugen von allen Seiten her Verwüs-
    tung in das Land und zerstörten die Wohlhabenheit,
    die die gesunde Basis dieses patriarchalischen Le-
    bens war. August Gebhard starb 1753. Er hinterließ
    drei Söhne, von denen wir jedem einzelnen, statt der
    Verwirrung stiftenden Vornamen, lieber ein bezeich-
    nendes Beiwort geben wollen. So nennen wir denn
    den ältesten den Hubertsburg -Marwitz, den zweiten den Hochkirch -Marwitz, den dritten aber, der nicht Gelegenheit fand, im Kriege sich auszuzeichnen, einfach nach seinem Titel den Kammerherrn Marwitz.
    Von jedem mögen hier ein paar Worte stehen.

    Der Hubertsburg -Marwitz (Johann Friedrich Adolf) war 1723 geboren. Er trat in das Regiment Gensdarmes und avancierte von Stufe zu Stufe. Er war
    ein sehr braver und in großer Achtung stehender
    Soldat, ein feiner und gebildeter Weltmann, ein
    Freund der Literatur und der Kunst. Der große König
    schätzte ihn hoch, besonders auch, weil er das Re-
    giment Gensdarmes fast den ganzen Siebenjährigen
    Krieg hindurch, statt des eigentlichen Kommandeurs,
    Grafen von Schwerin, mit dem größten Sukzeß ge-
    führt hatte. Bei Zorndorf war er mit unter den Besten
    gewesen.
    So kam das Jahr 1760. Der König hatte nicht verges-
    sen, daß es sächsische Truppen gewesen, die das
    Jahr vorher Schloß Charlottenburg geplündert hat-
    ten, und voll Begier nach Revanche gab er beim Ein-

    1172
    rücken in Sachsen sofort Befehl, Schloß Hubertsburg
    – dasselbe, das später durch den Friedensschluß be-
    rühmt wurde – zu zerstören. Das Mobiliar des
    Schlosses sollte dem plündernden Offiziere zufallen.
    Der Befehl zur Ausführung traf unsern Marwitz, der
    damals Oberst war. Dieser schüttelte den Kopf. Nach
    einigen Tagen fragte ihn der König bei Tisch, ob
    Schloß Hubertsburg ausgeplündert sei. »Nein«, erwi-
    derte der Oberst. Eine andere halbe Woche verging,
    und der König wiederholte seine Frage, worauf die-
    selbe lakonische Antwort erfolgte. »Warum nicht?«
    fuhr der König auf. »Weil sich dies allenfalls für Offiziere eines Freibataillons schicken würde, nicht aber
    für den Kommandeur von Seiner Majestät Gensdar-
    mes.« Der entrüstete König stand von der Tafel auf
    und schenkte das Mobiliar des Schlosses dem Obers-
    ten Quintus Icilius1), der bald darauf alles rein aus-
    plünderte.
    Bei allen Revuen nach dem Frieden war nun der

Weitere Kostenlose Bücher