Weltenfresser - Die Tränen der Medusa (German Edition)
ihnen entfernt. Tyark konnte nichts erkennen, der Geröllhang sah für ihn allerdings auch überall gleich aus.
Pereo trat hinzu und erklärte auf einen Fels gestützt: »Wahrscheinlich hat es einen erneuten Bergsturz gegeben. Der Eingang wird wieder verschlossen worden sein. Es wäre zu gefährlich, in diesem Geröllhaufen danach zu suchen. Der Berg kann jederzeit wieder ins Rutschen kommen - dieses Geröll ist tückisch.«
Leise fragte Zaja: »Wo sollen wir weiter suchen? Meinst du, die Kinder sind durch diesen Durchgang gegangen?«
Jobdan ließ mit zusammengekniffenen Lippen seinen Blick über die Geröllhalde schweifen und blieb dann bei den majestätisch in den Himmel ragenden Felsspitzen der höchsten Gipfel stehen. »Ich weiß es nicht. Als ich mit Frade hier war, hatte es einen Felssturz gegeben – ob der Eingang nicht schon vorher dagewesen ist, kann ich nicht sagen. Auszuschließen ist es nicht. In diesem Teil der Grate kommt es häufig zu Felsstürzen, man muss sehr vorsichtig sein - wir nennen die Hänge hier deshalb auch die Felsenflüsse . Wo heute noch ein Weg war, kann morgen schon alles für viele Jahre verschüttet sein. Oder Übermorgen bereits ganz anders aussehen...wir sollten in der Nähe nach Spuren der Kinder suchen. Allerdings bezweifle ich, dass wir nach so langer Zeit noch welche finden werden – aber eine andere Idee habe ich nicht.«
Sie hatten den gesamten Nachmittag damit verbracht, die Gegend um diesen Hang nach weiteren Spuren der Kinder abzusuchen. Doch sie fanden nichts.
Entweder, das Wetter hatte die Spuren verwischt oder die Kinder waren tatsächlich durch den Tunnel betreten, den auch Jobdan und sein Freund gefunden hatten. Betreten saßen sie später an einem kärglichen Feuer, welches im kräftigen Wind hier oben knisterte und flackerte.
Ihre Zelte hatten sie an einem verkrüppelten Baum befestigt, der seine knotigen Wurzeln zwischen die dunkeln Felsbrocken gebohrt hatte und zumindest etwas Schutz vor den Angriffen des Windes bot.
Anerkennend klopfte Pereo an den Stamm des Baumes und erklärte: »Ich mag Bäume, die sich an solchen Stellen behaupten können. Er ist zwar nicht sehr groß, aber kann dennoch gut 100 oder mehr Sommer alt sein! An den Felsenflüssen wächst normalerweise nicht viel. Und was die Felsstürze überlebt, wird normalerweise schnell vom Wind erledigt.«
Zweifelnd betrachtete Tyark die knorrige Rinde des Baumes, doch Pereos Begeisterung mochte nicht so recht auf ihn überspringen.
Zaja, die in einen der auf der Lichtung gepflückten Äpfel biss, fragte: »Wir haben nichts gefunden. Ich denke, die Kinder sind durch diesen Durchgang gegangen, es erscheint mir auch... logisch . Egal was Rynn getrieben hat – er muss mit großer Eile hier heraufgestiegen sein. Und er hatte sieben Kinder bei sich! Es ist sowieso vollkommen erstaunlich, dass er es überhaupt geschafft hat, ohne in den Tod zu stürzen... ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er noch viel weiter gekonnt hätte.«
Jobdan entgegnete erschöpft: »Vielleicht hatte er...Hilfe? Ein normaler Mann hätte keinen Grund, eine solch schreckliche Tat zu vollbringen. Es sei denn, er handelt im Auftrag von etwas... anderem.«
Jobdan warf Zaja einen dunklen Seitenblick zu. Zaja runzelte die Stirn und sagte dann aufgebracht: »Ohne Beweise verbitte ich mir, dass du Rynn unterstellst, mit dunklen Mächten im Bunde gewesen zu sein! Es war immerhin ein Bruder des Ordens! Und wir wissen nicht, was mit den Kindern ist. Auch wenn die Indizien gegen Rynn sprechen, so verlange ich im Namen des Ordens die Achtung, die jedem Bruder so lange zusteht!«
Leise fügte sie hinzu: »Wenigstens so lange, bis seine Schuld zweifelsfrei bewiesen ist.«
Jobdan wollte etwas entgegnen, wurde aber durch Pereo unterbrochen, der seine Hand auf Jobdans Schulter sinken ließ.
Zaja beruhigte sich etwas und sagte dann versöhnlich: »Allerdings stimmte ich dir zu – hier ist etwas im Gange, das ganz und gar nicht dem Herzen eines einzigen Mannes entspringen konnte! Die Spuren, die wir in seiner Hütte fanden deuten ja darauf hin, dass er... in irgendeiner Verbindung zu jemand anderem stand. Da ihr aber damals keine anderen Spuren gefunden habt, müssen wir zunächst annehmen, dass keine weiteren Helfer zugegen waren, als Rynn mit den Kindern hier herumkletterte. Ob... andere Kräfte im Spiel waren, ist letztlich eine Frage, deren Antwort uns verborgen bleiben muss. Zumindest vorläufig. Die Frage, die uns jetzt
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