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Wenn Kinder um sich schlagen

Titel: Wenn Kinder um sich schlagen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ruediger Penthin
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den Gedanken kommt, ihr beim Aufheben zu helfen.
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    Durch das alltägliche Vorbild der Lehrerin und durch Gespräche mit der Klasse im Stuhlkreis wurde die Haltung vieler Kinder besser. Aber es zeigt sich, dass bei vielen Kindern im häuslichen Umfeld offensichtlich wenig Wert auf Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gelegt wurde und wird. Solche Entwicklungen können wesentlich dazu beitragen, dass unser gesellschaftliches Miteinander unfreundlicher und selbstsüchtiger wird. Eltern müssen sich überlegen, ob sie das wirklich wollen. Der Grundstein hierfür wird in den ersten Lebensjahren gelegt.
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    Ein neunjähriger Junge stiehlt seiner Mutter immer wieder Geld aus der Geldbörse. Auch als die Mutter das Geld schließlich in seiner Schultasche findet, leugnet er, das Geld gestohlen zu haben. Er behauptet, das Geld hätte seine Schwester entwendet. Diese wiederum schiebt die Schuld auf ihren Bruder. Die Mutter versucht nicht den Sachverhalt zu klären, sondern verhängt eine strenge Strafe, nämlich das, was sie gerne als Strafe verhängt: Stubenarrest für eine Woche. Diese Strafe gilt für beide Kinder, obwohl ein Kind unschuldig war. Am nächsten Tag verlassen die Kinder trotzdem das Haus zum Spielen, die Mutter greift nicht ein.
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    In diesem Beispiel zeigt sich, dass in der betreffenden Familie ein Klima der Unaufrichtigkeit herrscht. Mindestens ein Kind
stiehlt, die Mutter weiß nicht, wem sie glauben soll, sie legt Gleichgültigkeit bezüglich der Aufklärung der Tat an den Tag. Diese Gleichgültigkeit entspricht einer Respektlosigkeit dem unschuldigen Kind gegenüber. Stattdessen verhängt sie eine überzogene Strafe, die wohl selbst vom schuldigen Kind als unfair erlebt werden wird. In einem weiteren Schritt wird die von der Mutter angekündigte Strafe nicht konsequent eingehalten. Damit macht sich die Mutter ihren Kindern gegenüber selbst unglaubwürdig. Somit ist es verständlich, dass die Kinder auch zukünftig Unaufrichtigkeit gegenüber anderen Menschen praktizieren werden. Denn ihre Mutter lebt es ihnen ja nicht anders vor. Werden diese oben aufgezählten, positiven Werte nicht von uns Eltern vorgelebt, so kann dadurch der Entwicklung eines problematischen Sozialverhaltens Vorschub geleistet werden.
    Die Fähigkeit, eine liebevolle und tragfähige Beziehung zu knüpfen, ist manchen Eltern nicht möglich. Beziehung zu erlernen ist nicht so leicht möglich, wie Erziehung zu erlernen. Die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen, ist immer sehr eng mit der eigenen Lebensgeschichte des Betroffenen verbunden. Jemand, der als Kind selbst Wärme, Nähe und Freundlichkeit gespürt hat, hat dadurch gelernt, vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Menschen zu entwickeln. Dieser Mensch hatte sozusagen das Glück, ein gesundes Urvertrauen zu entwickeln. Menschen, die als Kinder selbst nur Kälte, Angst und Unzuverlässigkeit erlebten, konnten schon als Kinder kein Urvertrauen zu ihren Bezugspersonen entwickeln.
    Eine befriedigende Beziehungsfähigkeit lässt sich im Erwachsenenalter nicht einfach nachlernen. Bei gestörter Beziehungsfähigkeit kann bei entsprechender Motivation des Betroffenen jedoch eine psychotherapeutische Behandlung sehr hilfreich sein.

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    Erziehung und Beziehungsgestaltung
    in den verschiedenen
Entwicklungsphasen des
Kindes
    In diesem großen Kapitel wird erläutert, was Kinder in verschiedenen Altersstufen wahrnehmen und empfinden, welche natürlichen Bedürfnisse die Kinder haben und welche Konsequenzen sich daraus für den Umgang mit Kindern ergeben. Vielleicht wird Ihnen dadurch das Einfühlen in Ihr Kind im jeweiligen Lebensalter erleichtert. Beispiele mit alltäglichen Konfliktsituationen werden geschildert.
    Es werden Vorschläge gemacht, wie solche Konfliktsituationen ohne zerstörerische Gewalt durchlebt werden können, ohne dass beim Kind eine Verhaltensauffälligkeit durch problematisches elterliches Erziehungsverhalten ausgelöst wird.

Das erste Lebensjahr
Was nimmt das Kind wahr, welche Empfindungen hat es?
    Babys suchen von Anbeginn Nähe, Wärme und Geborgenheit und können sich bei Unbehagen nur durch Schreien mitteilen. Sie können von Anfang an sehen, hören, riechen, schmecken.
Diese Fähigkeiten reifen mit der Zeit weiter aus. Schon in den ersten zwölf Lebensstunden können Babys die Stimme ihrer Mutter erkennen. Erst mit

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