Wenn Kinder um sich schlagen
und ärgerlich sein, man darf sich auch einmal zurückziehen, um »tief durchzuatmen« und wieder zu Kräften zu kommen. Denn die für ein Baby so wichtige liebevolle Zuwendung kann natürlich auch kräftezehrend sein. Wenn Ãrger, Verzweiflung und Rückzugswunsch jedoch zu einem elterlichen Dauerzustand werden und die elterlichen positiven Gefühle zum Baby zeitlich kaum noch auftreten, besteht die Gefahr, dass sich eine gestörte Beziehung mit all den Gefahren, die daraus erwachsen, entwickelt.
Auch negative elterliche Gefühle gegenüber dem Kind haben ihren Hintergrund. Diese negativen Gefühle dürfen jedoch nicht direkt gegenüber dem Kind ausgelebt werden. Ein Baby darf nicht geschlagen, nicht geschüttelt und nicht ruppig angefasst werden. Ein Baby darf nicht angeschrien werden. Ein Baby sollte nicht stundenlang schreiend liegen gelassen werden. Ein Baby sollte nicht allein gelassen werden.
Mit der Ankunft eines Babys in einer Familie ändert sich schlagartig der gesamte Lebensablauf, auch die Partnerschaft zwischen Mann und Frau wird dadurch verändert. Junge
Mütter geraten leicht in eine Situation der Ãberforderung, wenn sie all ihre Aufgaben perfekt lösen wollen. Ein perfekter Haushalt lässt sich mit einem jungen Baby nicht führen. Daher ist es wichtig, dass beide Elternteile akzeptieren, dass nunmehr das Baby die Hauptperson ist und die Hauptaufgabe für beide darstellt. Vor allem junge Väter müssen lernen, Verständnis dafür aufzubringen, dass der Lebensablauf anders ist als vorher. Der Haushalt muss zur Nebensache erklärt werden. Selbst die (sexuelle) Beziehung zwischen Mann und Frau tritt oft für eine gewisse Zeit in den Hintergrund. Denn das Baby braucht in seiner Hilflosigkeit in den ersten sechs bis acht Lebensmonaten ständig das Gefühl, nicht allein zu sein, umsorgt zu werden, sicher und geborgen zu sein. Andererseits ist es enorm wichtig, dass Eltern auch auf ihr eigenes Wohlergehen achten. Denn je besser es uns Eltern geht, desto besser können wir auch mit unseren Kindern umgehen. Daher: Tägliche Ruhezeiten zwischendurch, tägliche Entspannungsphasen, täglich etwas Schönes nur für sich selbst machen (und wenn es nur eine Viertelstunde dauert) - all das ist wichtig! Denn durch ein tägliches angenehmes Miteinander wird der Grundstein für eine gute Beziehung gelegt bzw. die gute Beziehung zu unseren Kindern gepflegt.
Gerade in den ersten drei bis vier Lebensmonaten sind viele Babys sehr unruhig, schreien viel und können dadurch ihre Eltern sehr beunruhigen und beanspruchen. Erst allmählich lernen Eltern das Schreien ihres Babys zu deuten: Es bedeutet Hunger, Schmerz, Einsamkeit, Unwohlsein etc. Es gibt aber auch das unspezifische Schreien - ein Schreien ohne einen für uns Erwachsene sichtbaren Grund. Die Babys lassen sich kaum beruhigen, schreien mitunter stundenlang und die Eltern sind dadurch extrem belastet, da sie das Gefühl haben, nichts tun zu können. Dieses unspezifische Schreien wird oft auch als Säuglingskolik oder Dreimonatskolik bezeichnet, obwohl Bauchkoliken meist nicht die Ursache sind. Es gibt Babys,
die von Natur aus sehr irritierbar sind und die sich schlecht selbst beruhigen können. Der Höhepunkt des Schreiens findet sich meist im Alter von vier bis acht Wochen. Allmählich wird es besser, wenn die Kinder lernen, sich selbst zu beruhigen (Nuckeln an der Hand, Blickabwendung, Selbstablenkung etc.). Fast alle Babys schreien im genannten Alter vor allem in den Abendstunden. Das liegt an Entwicklungsprozessen im Nervensystem. Es braucht eine gewisse Zeit, bis der Tag-Nacht-Rhythmus mit dem Rhythmus des Schlafbedarfs synchronisiert wird.
Also: Babys wollen ihre Eltern nicht ärgern, wenn sie extrem viel schreien, sondern ihr Nervensystem muss noch reifen. Eltern können ihre Babys dabei unterstützen, zur Ruhe zu kommen, indem auch sie selber in diesen Phasen ruhig und liebevoll mit ihnen umgehen und sie nicht auf dem Arm ruckeln oder gar schütteln. Und wenn sich Eltern überfordert fühlen, müssen sie sich Unterstützung holen (durch eine Untersuchung beim Kinderarzt, eine Beratung in Schreiambulanzen, durch Freunde, Nachbarn, Verwandte, die das Baby regelmäÃig auch mal für ein, zwei Stunden übernehmen).
Körperliche Nähe, gestreichelt werden, massiert werden, sind sehr wichtige Erlebnisse für Ihr kleines Kind. Wenn
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