Wenn Kinder um sich schlagen
Richtige ist, und wenn der Zeitpunkt passt (man muss ja mitunter einige Tage mit Geduld, Kraft und freundlicher Haltung gegenüber dem Kind durchhalten).
Ab dem sechsten bis achten Lebensmonat macht die Bewegungsentwicklung rasche Fortschritte. Dadurch vermindert sich allmählich der Grad der Hilflosigkeit des Kindes. Der Erkundungsdrang nimmt zu. Die Fähigkeit, mit den bekannten Bezugspersonen in Kontakt zu treten, ist vielgestaltiger. Kinder bauen zunehmend Erwartungshaltungen auf und wissen allmählich schon im Voraus, was sie zu bewirken imstande sind und wie sie bestimmte Ziele, zum Beispiel ein entfernt stehendes Spielzeug gereicht zu bekommen, erreichen können. Mit ihrem motorischen Erkundungsdrang machen die Kinder zunehmend die Umgebung »unsicher«. Das Kind stöÃt immer öfter an die Grenzen anderer Menschen, die diese jedoch nicht überschritten wissen wollen. Ab dem achten Lebensmonat können somit die ersten behutsamen erzieherischen Grenzsetzungen durch die Eltern notwendig werden.
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Ein elf Monate alter Junge kratzt mit einem Spielzeugauto aus Metall über einen niedrigen Beistelltisch aus Holz. Er freut sich unbändig über die »schönen« kratzenden Geräusche, die Mutter erschrickt jedoch über die aus ihrer Sicht nicht akzeptablen Kratzspuren auf der Tischplatte.
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Für die Mutter ist in diesem Beispiel eine Grenze überschritten. Sie könnte zum Beispiel folgendermaÃen reagieren: Sie geht sofort zu ihrem Kind, kniet sich neben ihm nieder, nimmt seine Händchen, schaut ihm in die Augen und sagt: »Ich möchte nicht, dass du mit dem Auto den Tisch zerkratzt. Dadurch geht die Platte kaputt.« Danach nimmt sie ihr Kind auf den Arm und geht mit ihm in eine andere Ecke des Zimmers, setzt den kleinen Jungen auf den Teppichboden, wo er sein Spiel mit dem Auto fortsetzen kann. Die Mutter handelt sofort, konsequent und fair - angemessen. Dadurch hat die Mutter dem Kind mit einfachen Worten mitgeteilt, dass sie sein Verhalten nicht akzeptiert.
Sie teilt diese klare Botschaft dem Kind in Form einer sogenannten Ich-Botschaft mit: »Ich möchte nicht, dass du mit dem Auto den Tisch zerkratzt.«
Durch eine Ich-Botschaft wird eine Beziehung zum Kind hergestellt. Sie wird meistens nur durch einen kurzen Satz ausgedrückt. Man kann mit einer Ich-Botschaft die eigenen Gefühle (zum Beispiel Angst, Ãrger, Enttäuschung, Traurigkeit, aber auch Freude, Glück, Liebe, Hoffnung etc.), die eigenen Ansichten und Wünsche zum Ausdruck bringen. Dieses Vorgehen ist besser als allgemein kritisierende ÃuÃerungen, wie zum Beispiel: »Das darf man nicht« oder »Du bist aber böse«. Derartige allgemeine Kritik baut eher Distanz zum Kind auf. Denn die damit verbundene gereizte Stimmung wird von dem kleinen Kind sehr wohl wahrgenommen, auch wenn es die Worte noch nicht im Detail versteht. Grundsätzlich ist es immer gut, schon bei den kleinsten Kindern eine erzieherische Einschränkung des Kindes mit Sprache zu begleiten. Die Eltern sollten mit einfachen, klaren, eindeutigen und bestimmten Worten in möglichst ruhigem Tonfall ihr Vorgehen erläutern.
Im oben genannten Beispiel hat die Mutter das problematische Verhalten des Kindes sofort unterbrochen, hat ihm aber im Anschluss direkt eine Alternative angeboten. Das Kind konnte auf dem Teppichboden weiter mit dem Auto spielen und das Auto erkunden und erproben. Damit ist das für die Mutter problematische Verhalten unterbunden worden, ohne dass das grundsätzliche Bedürfnis nach Erkundung und Ausprobieren zu sehr beschnitten wurde. Dadurch lernt das Kind einerseits, dass dies eine von der Mutter nicht akzeptierte Situation ist, andererseits, dass sein Erkundungsverhalten jedoch grundsätzlich akzeptiert wird. Sollte die in diesem Beispiel erfolgte Frustration des Kindes jedoch so stark sein, dass es trotz des Alternativangebots in heftige Wut gerät (meist erst ab etwa dem 18. Lebensmonat zu beobachten), so muss dem Kind in dieser Situation beigestanden werden. Das wütende, zornige,
schreiende Kind ist kein »böses« Kind, sondern ein hilfloses Kind, welches durchaus verständlich im Rahmen seiner Frustration reagiert. Ein hilfreiches elterliches Verhalten in dieser Situation wäre, das Kind auf dem Arm oder auf dem Schoà zu halten und ihm mit Worten beizustehen. Wenn das Kind in der oben geschilderten Situation jedoch sofort wieder zum
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