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Wenn Kinder um sich schlagen

Titel: Wenn Kinder um sich schlagen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ruediger Penthin
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Kompromisse aushandeln, mit denen alle leben können.
    â€¢ Entscheidungen schriftlich festhalten und von allen wie bei einem Vertrag unterschreiben lassen (bei kleinen Kindern kann man die Verabredungen zum Beispiel aufmalen und diese mit einem Fingerabdruck besiegeln).
    Ihr Kind hat ein Recht auf seine Gefühle . Es hat ein Recht auf seine positiven Gefühle, wie Freude. Es hat aber auch ein Recht auf negative Gefühle, wie Zorn oder Traurigkeit. Versuchen Sie nicht, diese Gefühlsäußerungen Ihres Kindes zu unterdrücken, nur weil sie Ihnen lästig oder unangenehm sind. Begleiten Sie Ihr Kind in seinen Gefühlen. Trösten Sie Ihr Kind in seiner Traurigkeit und nehmen Sie die Traurigkeit dabei ernst. Lassen Sie ihm seine Wut, schützen Sie Ihr Kind in dieser Situation jedoch vor sich selbst und schützen Sie andere vor Ihrem Kind in seiner Wut. Immer wieder beeindruckend sind die heftigen aggressiven Gefühlsausbrüche eines Kindes im Rahmen eines Trotzanfalls. Eine Trotzreaktion entsteht, wenn das Kind plötzlich und abrupt frustriert wird. Dies kann zum Beispiel dadurch entstehen, dass das Kind in seinem geplanten Spiel unterbrochen wird, oder dadurch, dass ihm ein dringender Wunsch verwehrt wird. Ihr Kind ist bei einem Trotzanfall kein »böses« Kind!
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    Ein dreijähriges Kind möchte im Supermarkt an der Kasse die dort verlockend ausliegenden Lutscher haben. Im Haushalt sind
jedoch noch reichlich Süßigkeiten vorhanden. Die Mutter verwehrt dem Kind den Wunsch mit der Erklärung, dass sie zu Hause ja noch genug Lutscher hätten. Das Kind empfindet diese Eingrenzung als massive Frustration. Natürlich entsteht ein heftiges Ärgergefühl beim Kind. Es beginnt sofort zu schreien und wirft sich auf den Boden.
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    Manche Eltern würden in einer solchen Situation gerne laut schimpfen oder gar das Kind schlagen. Diese Eltern würden also versuchen, die verständliche kindliche Aggression mit noch stärkerer Gegenaggression zu unterdrücken. Das kindliche Wutgefühl würde dadurch jedoch nicht gelöst. Im Gegenteil, das Wutgefühl kann dadurch verstärkt werden und an anderer Stelle kann das Kind mit aggressiven Verhaltensweisen, die außerhalb einer Trotzreaktion auftreten, auffallen (s. »Tiefenpsychologische Theorie«, Seite 32 f.). Kinder, die von Natur aus schüchterner und zurückhaltender sind, würden durch derartig aggressives Elternverhalten massiv geängstigt. Sie könnten in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gehemmt werden und später eher ein verängstigter »Duckmäuser« werden. Dieser aggressiv-autoritäre Erziehungsstil als elterliche Reaktion auf Trotz ist somit schädlich und sollte auf jeden Fall vermieden werden.
    Eine andere Reaktionsmöglichkeit, die viele Eltern wählen, wäre ein nachgiebiger Erziehungsstil. Diese Eltern sind durch das Trotzverhalten so verunsichert, dass sie alles tun möchten, um ihr Kind so rasch wie möglich zu besänftigen. Diese Eltern beenden in einer Trotzsituation ihr Grenzen setzendes Verhalten sofort. Das Kind bekommt seinen Willen, seine Wut ist schnell verflogen. Das Kind lernt jedoch, dass es mit diesem lautstarken, jähzornigen Verhalten Erfolg hat. Dieses Verhalten wird somit verstärkt und würde immer häufiger auftreten, wenn diese Eltern in ihrer Harmoniesehnsucht beim kleinsten »Anzeichen für Sturm« immer wieder nachgeben würden. Dadurch
machen sich die Eltern zum Sklaven ihres Kindes. Bei ihnen entsteht allmählich Groll und Unmut dem Kind gegenüber. Die Eltern sind froh, wenn ihr Kind ruhig ist. Somit kommt es rasch dazu, dass diese Eltern ihr Kind in ruhigen Phasen nicht beachten und ihm nur negativ gefärbte Beachtung bei einem drohenden Zornesausbruch schenken. Es besteht die Gefahr, dass das Kind dieser Eltern diese negativ gefärbte, »genervte« Beachtung seiner Eltern immer wieder provozieren muss, da es sonst keine Beachtung erfährt.
    Die beste Art, mit einer zornigen Trotzreaktion umzugehen, ist, den Zorn und die Wut des Kindes auszuhalten. Es ist wichtig zu erkennen, dass der kindliche Zorn Ausdruck einer massiven Hilflosigkeit des Kindes ist. Wie sonst hätte es eine Chance, sich durchzusetzen? Stehen Sie Ihrem Kind in dieser Hilflosigkeit bei, nehmen Sie Ihr Kind in den Arm, sagen Sie ihm, dass es zornig sein darf, sagen Sie aber auch, dass Sie Ihre Entscheidung nicht

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