Wer regiert die Welt? – Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden
Randzonen, doch um 3800 v. u. Z. waren sie vom Ackerbau noch kaum berührt, sodass der Beginn kühlerer, trockenerer Klimaverhältnisse dort auch nicht zum Aufstieg von Städten und Staaten führte. Vielmehr wird, als die Täler von Jangtse und Gelbem Fluss ein wenig trockener wurden und damit besser zu bestellen waren, das Leben der Dorfbewohner leichter geworden sein. Heute nur schwer vorstellbar: Das Tal des Gelben Flusses war um 4000 v. u. Z. zum großen Teil von tropischen Wäldern bedeckt, und wo heute hupende Autos die Straßen Beijings verstopfen, trompeteten Elefanten.
Statt des Übergangs zu Staatskulturen wie in Ägypten und Mesopotamien erlebte das China des 4. Jahrtausends v. u. Z. ein unspektakuläres, aber stetes Bevölkerungswachstum. |202| Wälder wurden gerodet, neue Dörfer gegründet, alte Dörfer wuchsen sich zu Städten aus. Je besser die Energieausbeute der Menschen wurde, desto rascher vermehrten sie sich und desto größer wurde der Druck, ihre Lebensverhältnisse den neuen, sich allmählich ergebenden Bedingungen anzupassen. Wie die Menschen im Westen probierten und experimentierten sie, fanden Wege, mehr aus dem Boden herauszuholen, sich selbst und ihre Arbeit besser zu organisieren und sich zu nehmen, was sie von anderen wollten. Mächtige Befestigungsanlagen aus gestampftem Lehm wuchsen um die größeren Städte, was auf Konflikte hindeutet, einige Siedlungen wurden so durchdacht angelegt, dass sie nur Ergebnis einer gewissenhaften kommunalen Planung sein konnten. Die Häuser wurden größer, und da wir in ihrem Inneren mehr Objekte finden, muss der Lebensstandard gestiegen sein. Auch die Unterschiede zwischen den Gebäuden nahmen zu, und das könnte bedeuten, dass sich reichere Bauern zunehmend von ärmeren Nachbarn absetzten. Einige Archäologen sehen in der Verteilung von Gerätschaften in den Häusern Zeichen dafür, dass sich eine Arbeitsteilung unter den Geschlechtern herausbildete. An einigen Orten, vor allem in Shandong am Unterlauf des Gelben Flusses (Abbildung 4.5), haben einige Bewohner – meistens Männer – ihre letzte Ruhestätte in großen Gräbern gefunden, die mehr Opfergaben als andere enthalten, einige davon sogar Schmuck aus geschnittenem Jadestein.
So schön diese Jade-Artefakte auch sind, Archäologen, die chinesische Stätten aus der Zeit um 2500 v. u. Z. ausgraben, werden sich noch immer gegen den Stich des Ägyptenneids wappnen müssen. Denn sie finden dort weder Pyramiden noch königliche Inschriften. Was sie finden, ähnelt vielmehr dem, was im Westen an Stätten zutage kommt, die um 4000 v. u. Z. zu datieren sind, kurz vor Entstehung der ersten Städte und Staaten. Der Osten bewegte sich entlang der gleichen Linien wie der Westen, lag jedoch mindestens 1500 Jahre zurück; und, um im Schema zu bleiben, zwischen 2500 und 2000 v. u. Z. durchlief er die Veränderungen, die der Westen zwischen 4000 und 3500 v. u. Z. erlebt hatte.
Überall entlang der großen Flüsse beschleunigte sich das Tempo des Wandels, doch dies geschah nach einem interessanten Muster. Denn am raschesten vollzog sich der Wandel nicht in den weiten Ebenen mit den reichsten Böden, sondern in übervölkerten Gebieten, wo es den Menschen schwer fiel, sich aus dem Staub zu machen und neue Heimstätten zu gründen, wenn sie in dörflichen Konflikten um Ressourcen oder Kriegen zwischen den Dörfern unterlegen waren. Auf einer der kleineren Ebenen von Shandong zum Beispiel fanden Archäologen ein neues Siedlungsmuster, das sich zwischen 2500 und 2000 v. u. Z. herausbildete: eine große Stadt mit vielleicht 5000 Einwohnern, darum herum kleinere Satellitenstädtchen, die ihrerseits von Satellitendörfern umgeben waren. Ein ähnliches Muster präsentierte sich den Archäologen bei ihren Grabungen um Susa im heutigen Südwestiran, ist dort aber rund 1500 Jahre älter. Offenbar zeigt dieses Siedlungsmuster, was geschieht, wenn eine Gemeinde die politische Vorherrschaft erlangt.
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Abbildung 4.5: Die Ausdehnung des Kerngebiets im Osten, 3500–1000 v. u. Z.
In diesem Kapitel erwähnte Regionen, Orte und Stätten.
Nach den reichen Beigaben zu urteilen, die manchen Männern mit ins Grab gelegt wurden, hat sich in Shandong ein wirkliches Königtum erst ab 2500 v. u. Z. entwickelt. Einige der Gräber enthalten großartige Jade-Artefakte, und in einem fand sich ein Kopfputz mit Türkisen, der einer Krone schon ziemlich ähnlich sieht. Der bemerkenswerteste Fund aber ist eine
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