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Werke

Werke

Titel: Werke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Adalbert Stifter
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Ausdehnung und Einteilung.«
    Witiko zog noch mehrere Blätter aus der Ledertasche, auf welchen Zeichnungen mit Linien waren.
    Heinrich betrachtete die Blätter sehr genau, dann sagte er: »So wie ich jetzt meine, ist die Burg gut erdacht und überlegt. Hat sie der Baumeister Eppo erfunden?«
    »Ich habe ihm den Platz beschrieben, auf dem die Burg stehen soll«, antwortete Witiko, »und habe ihm gesagt, wie ich mir die Burg denke. Dann hat er auf Blättern zu zeichnen angefangen, wir haben daran abgeändert, bis die Sache so wurde, wie sie ist. Dann hat er die Abbildungen verfertigt, und mir die Nachbilder auf Pergament gemacht.«
    »Und er baut jetzt die Burg«, sagte Heinrich.
    »Er baut sie«, antwortete Witiko.
    »So sei der Segen Gottes über ihm«, sprach Heinrich.
    »Er möge es sein«, sagte Witiko.
    Dann reichte er das Pergament mit dem Farbenbilde an Bertha.
    Bertha betrachtete es, gab es dann wieder zurück, und sagte: »Witiko, es ist ein schönes Bild und ein schönes Haus.«
    »Und die drinnen wohnen werden, sollen glücklich sein«, sprach Witiko.
    Dann ordnete er die Blätter wieder in die Ledertasche, schloß die Tasche, und schickte sie in sein Gemach.
    Es waren hierauf noch verschiedene Gespräche zwischen Heinrich, Wiulfhilt, Bertha und Witiko.
    Dann verabschiedete sich Witiko, und ging in sein Gemach.
    Das Abendessen war in dem Waldhause wie in früheren Zeiten.
    Des andern Morgens ging Witiko zu dem Köhler Mathias.
    Der Köhler und sein Weib erhoben einen Freudenruf, als sie Witiko erblickten.
    »Witiko, Witiko«, rief die Frau, »jetzt ist alles gut, jetzt hat Gott mein Gebet erhört, wir wissen es, und wissen schon alles, es ist alles gut.«
    Und sie reinigte mit einem Tuche die Bank, auf welche sich Witiko setzen sollte.
    »Der Himmel hat Euch gesegnet, seit Ihr an jenem Sonntage von uns fort geritten seid, und wir freuen uns des Segens«, sagte Mathias.
    »Ich weiß es«, sagte Witiko, »ich habe eurer oft gedacht, und werde eurer noch denken.«
    »Wollt Ihr eine Milch, sie ist die beste in dem Walde«, sprach die Frau.
    »Gib mir später eine Milch, Margaretha«, sagte Witiko, »jetzt aber nenne und bringe mir einen Mann, Mathias, der sicher eine Botschaft zu meiner Mutter in unsern Hof Pric trägt.«
    »Ich weiß schon«, sagte Mathias, »das muß Eure Mutter schnell erfahren, und weil meine Meiler rauchen, muß der alte Peter gehen, er geht in seinem Ledergewande in einem und unausgesetzt fort, bis er dort ist, und dann geht er wieder zurück.«
    »Und bürgst du für ihn?« fragte Witiko.
    »Ich bürge für ihn«, antwortete Mathias.
    »So hole ihn«, sprach Witiko.
    Mathias ging fort, und kam nach einer Zeit mit Peter zurück, und sagte: »Er wird nach Pric gehen.«
    »Bist du des Weges kundig?« fragte Witiko den Mann.
    »Wie der Diele meiner Stube«, antwortete der Mann.
    »So trage den Brief, der in diesem Tuche ist, nach Pric«, sagte Witiko, »gib ihn Wentila, meiner Mutter, und bringe mir die Antwort am achten Tage nach Friedberg. Hier hast du Lohn für den Hinweg, in Friedberg erhältst du ihn für den Rückweg. Rüste dich, daß du bald fort gehen kannst. Spute dich, raste, wo du es bedarfst, und genieße deiner Nahrung.«
    »Ich raste nicht viel«, sagte der Mann, »und habe meine Nahrung bei mir.«
    Witiko gab ihm den Brief und etwas an Gelde. Peter nahm beides, und ging fort.
    Witiko blieb noch eine Weile bei den Köhlerleuten, und trank etwas von der Milch, welche ihm Margaretha nun reichte. Die Kinder kamen von dem Walde, und Witiko beschenkte sie. Die Köhlerleute sprachen von den Dingen, die geschehen waren, und Margaretha sagte, sie habe Witiko geweissagt, da er einmal von ihnen Abschied genommen habe; denn sie habe die Worte gesagt: Erlebet recht große Dinge.
    »Sie sind so groß nicht geworden«, sagte Witiko.
    Nach einer Zeit verabschiedete er sich, und ging wieder in das Waldhaus Heinrichs von Jugelbach zurück.
    Er lebte nun als Gast in dem Hause mit Heinrich, Wiulfhilt und Bertha. Heinrich zeigte ihm genau alle Zubehör des Hauses, und sie sprachen von der Gebarung mit Feld, Wiese, Wald und Viehstand. Einmal waren alle und drei Dienstmannen Heinrichs, die gekommen waren, auf dem Fels der drei Sessel, und ein anderes Mal waren sie bei dem schwarzen See, und wieder andere Male an verschiedenen Stellen des großen Waldes. An einem Vormittage saßen Witiko und Bertha auch auf den Steinen der Sperwiese, da die Sonne auf dieselben schien.
    Am sechsten Tage, da Witiko

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