Werke
Vaters, und sprach: »Guido, hocherhabener Kardinal, hochehrwürdiger Abgesandter des Heiligen Vaters Innozenz, die Söhne dieses Landes haben jetzt eine Sache dieses Landes abgehandelt. Weil Ihr in das Land gekommen seid, zu schlichten, und zu richten, ist es Euch genehm, einige Worte zu reden?«
Guido antwortete: »Hocherlauchter Herzog, ich werde im Berufe meiner Sendung meine schwachen Worte verkündigen. Konrad, Wratislaw, Otto, die ihr Macht in dem Lande Mähren gehabt habet, ihr habt diese Macht gegen die hocherhabene Kirche und gegen den rechtmäßigen Herzog gewendet. Es sind Ärgernisse in die Seelen und Blutvergießen in die Leiber gekommen. Zur Milderung dient es euch, daß ihr vielleicht nicht wußtet, wie groß die Sünde ist, die ihr begangen habt; aber so groß ist sie, daß der hochehrwürdige Bischof von Mähren, Zdik, den Bann über das ganze Land Mähren in Kraft seiner Apostelswürde aussprechen mußte. Ihr habt aber die Größe eurer Sünde nicht erkannt, oder seid halsstarrig geblieben. So groß ist die Sünde, daß der Heilige Vater den Bann nicht nur bestätigte, sondern ihn verschärfte. Und ihr seid dennoch in der Sünde geblieben. In das dritte Jahr liegt die Traurigkeit des Bannes auf dem unglücklichen Lande. Alle Seelen, die nach den Labnissen des Glaubens schmachteten, alle Seelen, die in Wirrsale gestürzt wurden, alle Seelen, die irrten, und alle Seelen, die durch den Bann verloren gingen, schreien zu Gott dem Allmächtigen um Sühnung gegen die, welche den Bann verschuldet haben. So groß ist die Sünde, daß der Heilige Vater in seiner Erbarmnis eine Sendung in das Land zur Ermahnung, zur Ordnung, zur Schlichtung, zur Sühnung beschlossen, und daß er mich geringes Werkzeug dazu auserkoren hat, der ich aus geistlichem Gehorsame gekommen bin. Ehe ich kam, hat Gottes Langmut euch schon einen Teil eurer Schuld büßen lassen. Ihr seid in dem Kriege gegen euern rechtmäßigen Herzog besiegt worden, habt eure Macht und eure Bezüge verloren,und seid in dem fremden Lande in der Verbannung, oder wie Flüchtlinge auf der heimatlichen Erde. Und doch habt ihr nicht erkannt, was durch euch geschehen ist. Viele Mühsal und viele Worte sind dann um eurer Erbitterung willen, um eurer Rachsucht willen, um eurer Herrschgierde willen angewendet worden, und sind vergeblich gewesen. Jahre sind darüber hingegangen. Endlich hat sich Gottes Güte eurer erbarmt, und hat euer Herz erweicht. Ihr und das Volk habt geschworen, daß ihr der Kirche und euerm Bischofe die völlige Genugtuung geben wollet. Ich bin darauf mit meinem Geleite zu Regimbert, dem hochehrwürdigen Bischofe von Passau, gegangen, bei welchem euer Bischof Zdik gewesen ist. Euer Bischof ist mit mir und mit meinem Geleite nach Prag gezogen. Ihr wisset, er ist hier. Er wollte nicht unter euern Richtern sein, darum ist er nicht in diesem Saale. Aber vor dieser hohen und ehrwürdigen Versammlung der mächtigsten und besten Söhne der Länder Böhmen und Mähren, der höchsten Priester und der höchsten Herren müsset ihr euern Schwur verkündigen, und vor dem Angesichte des hochehrwürdigen Bischofes Zdik müßt ihr ihn verkündigen, wenn er der tiefe, der ernste, der heilige Schwur ist.«
»Ich habe nie einen Schwur gebrochen«, rief Wratislaw.
»Ich auch nicht«, rief Konrad.
Und so riefen auch die andern.
»Weil es so ist«, sagte der Kardinal Guido, »so werdet ihr es der Versammlung und dem Bischofe sagen, daß ihr auf das Kreuz des Heilandes geschworen habt, der Kirche und dem Bischofe von Mähren die völlige Genugtuung zu leisten. Und ich bitte dich, Konrad, rede.«
Konrad stand auf, und sprach: »Weil Ihr bittet, hocherhabener Kardinal, so sage ich: Ich habe auf das Kreuz des Heilandes geschworen, der Kirche und dem Bischofe von Mähren die völlige Genugtuung zu leisten.«
Dann sprach Guido: »Ich bitte dich, Wratislaw, rede.«
Wratislaw stand auf, und sprach: »Wenn Ihr nicht eine Bitte getan hättet, hocherhabener Kardinal, hätte ich nicht geredet, so aber sage ich: Ich habe auf das Kreuz des Heilandes geschworen, der Kirche und dem Bischofe von Mähren die völlige Genugtuung zu leisten.«
Dann sprach Guido: »Ich bitte dich, Otto, rede nun auch du.«
Otto stand auf, und sprach: »Aus dem Grunde Eurer Bitte, hocherhabener Kardinal, sage ich: Ich habe auf das Kreuz des Heilandes geschworen, der Kirche und dem Bischofe von Mähren die völlige Genugtuung zu leisten.«
»Ihr habt nun vor dieser hohen Versammlung
Weitere Kostenlose Bücher