Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Werke

Werke

Titel: Werke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gotthold Ephraim Lessing
Vom Netzwerk:
wieder räumen. Der Herr Major kann ihr, will ihr sein Zimmer nicht lassen; das Zimmer ist sein; sie muß fort; ich kann ihr nicht helfen. Ich gehe, gnädiger Herr – –
    Von Tellheim
. Freund, nicht zwei dumme Streiche für einen! Die Dame muß in dem Besitze des Zimmers bleiben. – –
    Der Wirt
. Und Ihro Gnaden sollten glauben, daß ich aus Mißtrauen, aus Sorge für meine Bezahlung? – – Als wenn ich nicht wüßte, daß mich Ihro Gnaden bezahlen können, so bald Sie nur wollen. – – Das versiegelte Beutelchen, – fünfhundert Taler Louisdor, stehet darauf, – – welches Ihro Gnaden in dem Schreibepulte stehen gehabt; – – ist in guter Verwahrung. –
    Von Tellheim
. Das will ich hoffen; so wie meine übrige Sachen. – Just soll sie in Empfang nehmen, wenn er Ihnen die Rechnung bezahlt hat. – –
    Der Wirt
. Wahrhaftig, ich erschrak recht, als ich das Beutelchen fand. – Ich habe immer Ihro Gnaden für einen ordentlichen und vorsichtigen Mann gehalten, der sich niemals ganz ausgibt. – – Aber dennoch, – – wenn ich bar Geld in dem Schreibepulte vermutet hätte – –
    Von Tellheim
. Würden Sie höflicher mit mir verfahren sein. Ich verstehe Sie. – Gehen Sie nur, mein Herr; lassen Sie mich; ich habe mit meinem Bedienten zu sprechen. – –
    Der Wirt
. Aber gnädiger Herr – –
    Von Tellheim
. Komm Just, der Herr will nicht erlauben, daß ich dir in seinem Hause sage, was du tun sollst. – –
    Der Wirt
. Ich gehe ja schon, gnädiger Herr! – Mein ganzes Haus ist zu Ihren Diensten.
    { ‡ }
Vierter Auftritt
    Von Tellheim. Just.
    Just
der mit dem Fuße stampft, und dem Wirte nachspuckt. Pfui!
    Von Tellheim
. Was gibts?
    Just
. Ich ersticke vor Bosheit.
    Von Tellheim
. Das wäre so viel, als an Vollblütigkeit.
    Just
. Und Sie, – Sie erkenne ich nicht mehr, mein Herr. Ich sterbe vor Ihren Augen, wenn Sie nicht der Schutzengel dieses hämischen, unbarmherzigen Rackers sind! Trotz Galgen und Schwert und Rad, hätte ich ihn – hätte ich ihn mit diesen Händen erdrosseln, mit diesen Zähnen zerreißen wollen. –
    Von Tellheim
. Bestie!
    Just
. Lieber Bestie, als so ein Mensch!
    Von Tellheim
. Was willst du aber?
    Just
. Ich will, daß Sie es empfinden sollen, wie sehr man Sie beleidiget.
    Von Tellheim
. Und dann?
    Just
. Daß Sie sich rächten, – Nein, der Kerl ist Ihnen zu gering. –
    Von Tellheim
. Sondern, daß ich es dir auftrüge, mich zu zu rächen? Das war von Anfang mein Gedanke. Er hätte mich nicht wieder mit Augen sehen, und seine Bezahlung aus deinen Händen empfangen sollen. Ich weiß, daß du eine Hand voll Geld mit einer ziemlich verächtlichen Miene hinwerfen kannst. –
    Just
. So? eine vortreffliche Rache! –
    Von Tellheim
. Aber die wir noch verschieben müssen. Ich habe keinen Heller bares Geld mehr; ich weiß auch keines aufzutreiben.
    Just
. Kein bares Geld? Und was ist denn das für ein Beutel, mit fünfhundert Taler Louisdor, den der Wirt in Ihrem Schreibepulte gefunden?
    Von Tellheim
. Das ist Geld, welches mir aufzuheben gegeben worden.
    Just
. Doch nicht die hundert Pistolen, die Ihnen Ihr alter Wachtmeister vor vier oder fünf Wochen brachte?
    Von Tellheim
. Die nämlichen, von Paul Wernern. Warum nicht?
    Just
. Diese haben Sie noch nicht gebraucht? Mein Herr, mit diesen können Sie machen, was Sie wollen. Auf meine Verantwortung –
    Von Tellheim
. Wahrhaftig?
    Just
. Werner hörte von mir, wie sehr man Sie mit Ihren Forderungen an die Generalkriegskasse aufzieht. Er hörte –
    Von Tellheim
. Daß ich sicherlich zum Bettler werden würde, wenn ich es nicht schon wäre. – Ich bin dir sehr verbunden, Just. – Und diese Nachricht vermochte Wernern, sein Bißchen Armut mit mir zu teilen. – Es ist mir doch lieb, daß ich es erraten habe. – Höre Just, mache mir zugleich auch deine Rechnung; wir sind geschiedene Leute. – –
    Just
. Wie? was?
    Von Tellheim
. Kein Wort mehr; es kömmt jemand. –
    { ‡ }
Fünfter Auftritt
    Eine Dame in Trauer. Von Tellheim. Just.
    Die Dame
. Ich bitte um Verzeihung, mein Herr! –
    Von Tellheim
. Wen suchen Sie, Madame? –
    Die Dame
. Eben den würdigen Mann, mit welchem ich die Ehre habe zu sprechen. Sie kennen mich nicht mehr? Ich bin die Witwe Ihres ehemaligen Stabsrittmeisters –
    Von Tellheim
. Um des Himmels willen, gnädige Frau! welche Veränderung! –
    Die Dame
. Ich stehe von dem Krankenbette auf, auf das mich der Schmerz über den Verlust meines Mannes warf. Ich muß Ihnen früh beschwerlich fallen,

Weitere Kostenlose Bücher