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Werke

Werke

Titel: Werke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gotthold Ephraim Lessing
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Diamanten besetzt –
    Just
. Um mir von so einem Säbel den Kopf spalten zu lassen, reise ich nicht eine Meile. Du wirst doch nicht toll sein, und dein schönes Schulzengerichte verlassen? –
    Werner
. O, das nehme ich mit! – Merkst du was? – Das Gütchen ist verkauft –
    Just
. Verkauft?
    Werner
. St! – hier sind hundert Dukaten, die ich gestern auf den Kauf bekommen; die bring ich dem Major –
    Just
. Und was soll der damit?
    Werner
. Was er damit soll? Verzehren soll er sie; verspielen, vertrinken, ver – wie er will. Der Mann muß Geld haben, und es ist schlecht genug, daß man ihm das seinige so sauer macht! Aber ich wüßte schon, was ich täte, wenn ich an seiner Stelle wäre! Ich dächte: hol euch hier alle der Henker; und ginge mit Paul Wernern, nach Persien! – Blitz! – der Prinz Heraklius muß ja wohl von dem Major Tellheim gehört haben; wenn er auch schon seinen gewesenen Wachtmeister, Paul Wernern, nicht kennt. Unsere Affaire bei den Katzenhäusern –
    Just
. Soll ich dir die erzählen? –
    Werner
. Du mir? – Ich merke wohl, daß eine schöne Disposition über deinen Verstand geht. Ich will meine Perlen nicht vor die Säue werfen. – Da nimm die hundert Dukaten; gib sie dem Major. Sage ihm: er soll mir auch die aufheben. Ich muß jetzt auf den Markt; ich habe zwei Winspel Rocken herein geschickt; was ich daraus löse, kann er gleichfalls haben. –
    Just
. Werner, du meinest es herzlich gut; aber wir mögen dein Geld nicht. Behalte deine Dukaten, und deine hundert Pistolen kannst du auch unversehrt wieder bekommen, sobald als du willst. –
    Werner
. So? hat denn der Major noch Geld?
    Just
. Nein.
    Werner
. Hat er sich wo welches geborgt?
    Just
. Nein.
    Werner
. Und wovon lebt ihr denn?
    Just
. Wir lassen anschreiben, und wenn man nicht mehr anschreiben will, und uns zum Hause herauswirft, so versetzen wir, was wir noch haben, und ziehen weiter. – Höre nur, Paul; dem Wirte hier müssen wir einen Possen spielen.
    Werner
. Hat er dem Major was in den Weg gelegt? – Ich bin dabei! –
    Just
. Wie wärs, wenn wir ihm des Abends, wenn er aus der Tabagie kömmt, aufpaßten, und ihn brav durchprügelten? –
    Werner
. Des Abends? – aufpaßten? – ihrer zwei, einem? – Das ist nichts. –
    Just
. Oder, wenn wir ihm das Haus über dem Kopf ansteckten? –
    Werner
. Sengen und brennen? – Kerl, man hörts, daß du Packknecht gewesen bist, und nicht Soldat; – pfui!
    Just
. Oder, wenn wir ihm seine Tochter zur Hure machten? Sie ist zwar verdammt häßlich –
    Werner
. O, da wird sies lange schon sein! Und allenfalls brauchst du auch hierzu keinen Gehülfen. Aber was hast du denn? Was gibts denn?
    Just
. Komm nur, du sollst dein Wunder hören!
    Werner
. So ist der Teufel wohl hier gar los?
    Just
. Ja wohl; komm nur!
    Werner
. Desto besser! Nach Persien also, nach Persien!
    Ende des ersten Aufzugs.
    { ‡ }
Zweiter Aufzug
Erster Auftritt
    Minna von Barnhelm. Franziska
    Die Szene ist in dem Zimmer des Fräuleins.
    Das Fräulein
im Negligee, nach ihrer Uhr sehend. Franziska, wir sind auch sehr früh aufgestanden. Die Zeit wird uns lang werden.
    Franziska
. Wer kann in den verzweifelten großen Städten schlafen? Die Karossen, die Nachtwächter, die Trommeln, die Katzen, die Korporals – das hört nicht auf zu rasseln, zu schreien, zu wirbeln, zu mauen, zu fluchen; gerade, als ob die Nacht zu nichts weniger wäre, als zur Ruhe. – Eine Tasse Tee, gnädiges Fräulein? –
    Das Fräulein
. Der Tee schmeckt mir nicht. –
    Franziska
. Ich will von unserer Schokolate machen lassen.
    Das Fräulein
. Laß machen, für dich!
    Franziska
. Für mich? Ich wollte eben so gern für mich allein plaudern, als für mich allein trinken. – Freilich wird uns die Zeit so lang werden. – Wir werden, vor langer Weile, uns putzen müssen, und das Kleid versuchen, in welchem wir den ersten Sturm geben wollen.
    Das Fräulein
. Was redest du von Stürmen, da ich bloß herkomme, die Haltung der Kapitulation zu fordern?
    Franziska
. Und der Herr Offizier, den wir vertrieben, und dem wir das Kompliment darüber machen lassen; er muß auch nicht die feinste Lebensart haben; sonst hätte er wohl um die Ehre können bitten lassen, uns seine Aufwartung machen zu dürfen. –
    Das Fräulein
. Es sind nicht alle Offiziere Tellheims. Die Wahrheit zu sagen, ich ließ ihm das Kompliment auch bloß machen, um Gelegenheit zu haben, mich nach diesem bei ihm zu erkundigen. – Franziska, mein Herz sagt es mir, daß meine

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