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Werke

Werke

Titel: Werke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gotthold Ephraim Lessing
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einer hohen Polizei –
    Das Fräulein
. Wissen Sie was, Herr Wirt? – Ich weiß mich in dieser Sache nicht zu nehmen. Ich dächte, Sie ließen die ganze Schreiberei bis auf die Ankunft meines Oheims. Ich habe Ihnen schon gestern gesagt, warum er nicht mit mir zugleich angekommen. Er verunglückte, zwei Meilen von hier, mit seinem Wagen; und wollte durchaus nicht, daß mich dieser Zufall eine Nacht mehr kosten sollte. Ich mußte also voran. Wenn er vier und zwanzig Stunden nach mir eintrifft, so ist es das längste.
    Der Wirt
. Nun ja, gnädiges Fräulein, so wollen wir ihn erwarten.
    Das Fräulein
. Er wird auf Ihre Fragen besser antworten können. Er wird wissen, wem, und wie weit er sich zu entdecken hat; was er von seinen Geschäften anzeigen muß, und was er davon verschweigen darf.
    Der Wirt
. Desto besser! Freilich, freilich kann man von einem jungen Mädchen Die Franziska mit einer bedeutenden Miene ansehend. nicht verlangen, daß es eine ernsthafte Sache, mit ernsthaften Leuten, ernsthaft traktiere –
    Das Fräulein
. Und die Zimmer für ihn, sind doch in Bereitschaft, Herr Wirt?
    Der Wirt
. Völlig, gnädiges Fräulein, völlig; bis auf das eine –
    Franziska
. Aus dem Sie vielleicht auch noch erst einen ehrlichen Mann vertreiben müssen?
    Der Wirt
. Die Kammerjungfern aus Sachsen, gnädiges Fräulein, sind wohl sehr mitleidig. –
    Das Fräulein
. Doch, Herr Wirt; das haben Sie nicht gut gemacht. Lieber hätten Sie uns nicht einnehmen sollen.
    Der Wirt
. Wie so, gnädiges Fräulein, wie so?
    Das Fräulein
. Ich höre, daß der Offizier, welcher durch uns verdrängt worden –
    Der Wirt
. Ja nur ein abgedankter Offizier ist, gnädiges Fräulein. –
    Das Fräulein
. Wenn schon! –
    Der Wirt
. Mit dem es zu Ende geht. –
    Das Fräulein
. Desto schlimmer! Es soll ein sehr verdienter Mann sein.
    Der Wirt
. Ich sage Ihnen ja, daß er abgedankt ist.
    Das Fräulein
. Der König kann nicht alle verdiente Männer kennen.
    Der Wirt
. O gewiß, er kennt sie, er kennt sie alle. –
    Das Fräulein
. So kann er sie nicht alle belohnen.
    Der Wirt
. Sie wären alle belohnt, wenn sie darnach gelebt hätten. Aber so lebten die Herren, währendes Krieges, als ob ewig Krieg bleiben würde; als ob das Dein und Mein ewig aufgehoben sein würde. Jetzt liegen alle Wirtshäuser und Gasthöfe von ihnen voll; und ein Wirt hat sich wohl mit ihnen in Acht zu nehmen. Ich bin mit diesem noch so ziemlich weggekommen. Hatte er gleich kein Geld mehr, so hatte er doch noch Geldeswert; und zwei, drei Monate hätte ich ihn freilich noch ruhig können sitzen lassen. Doch besser ist besser. – A propos, gnädiges Fräulein; Sie verstehen sich doch auf Juwelen? –
    Das Fräulein
. Nicht sonderlich.
    Der Wirt
. Was sollten Ihro Gnaden nicht? – Ich muß Ihnen einen Ring zeigen, einen kostbaren Ring. Zwar gnädiges Fräulein haben da auch einen sehr schönen am Finger, und je mehr ich ihn betrachte, je mehr muß ich mich wundern, daß er dem meinigen so ähnlich ist. – O! sehen Sie doch, sehen Sie doch! Indem er ihn aus dem Futteral heraus nimmt, und der Fräulein zureicht. Welch ein Feuer! der mittelste Brillant allein, wiegt über fünf Karat.
    Das Fräulein
ihn betrachtend. Wo bin ich? was seh ich? Dieser Ring –
    Der Wirt
. Ist seine funfzehnhundert Taler unter Brüdern wert.
    Das Fräulein
. Franziska! – Sieh doch! –
    Der Wirt
. Ich habe mich auch nicht einen Augenblick bedacht, achtzig Pistolen darauf zu leihen.
    Das Fräulein
. Erkennst du ihn nicht, Franziska?
    Franziska
. Der nämliche! – Herr Wirt, wo haben Sie diesen Ring her? –
    Der Wirt
. Nun, mein Kind? Sie hat doch wohl kein Recht daran?
    Franziska
. Wir kein Recht an diesem Ringe? – Inwärts auf dem Kasten muß der Fräulein verzogener Name stehn. – Weisen Sie doch, Fräulein.
    Das Fräulein
. Er ists, er ists! – Wie kommen Sie zu diesem Ringe, Herr Wirt?
    Der Wirt
. Ich? auf die ehrlichste Weise von der Welt. – Gnädiges Fräulein, gnädiges Fräulein, Sie werden mich nicht in Schaden und Unglück bringen wollen? Was weiß ich, wo sich der Ring eigentlich herschreibt? Währendes Krieges hat manches seinen Herrn, sehr oft, mit und ohne Vorbewußt des Herrn, verändert. Und Krieg war Krieg. Es werden mehr Ringe aus Sachsen über die Grenze gegangen sein. – Geben Sie mir ihn wieder, gnädiges Fräulein, geben Sie mir ihn wieder!
    Franziska
. Erst geantwortet: von wem haben Sie ihn?
    Der Wirt
. Von einem Manne, dem ich so was nicht zutrauen kann; von einem

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