Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Werke

Werke

Titel: Werke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gotthold Ephraim Lessing
Vom Netzwerk:
sich auch gar nicht unglücklich nennen sollen. – Ganz geschwiegen, oder ganz mit der Sprache heraus. – Eine Vernunft, eine Notwendigkeit, die Ihnen mich zu vergessen befiehlt? – Ich bin eine große Liebhaberin von Vernunft, ich habe sehr viel Ehrerbietung für die Notwendigkeit. – Aber lassen Sie doch hören, wie vernünftig diese Vernunft, wie notwendig diese Notwendigkeit ist.
    Von Tellheim
. Wohl denn; so hören Sie, mein Fräulein. – Sie nennen mich Tellheim; der Name trifft ein. – Aber Sie meinen, ich sei der Tellheim, den Sie in Ihrem Vaterlande gekannt haben; der blühende Mann, voller Ansprüche, voller Ruhmbegierde; der seines ganzen Körpers, seiner ganzen Seele mächtig war; vor dem die Schranken der Ehre und des Glückes eröffnet standen; der Ihres Herzens und Ihrer Hand, wann er schon ihrer noch nicht würdig war, täglich würdiger zu werden hoffen durfte. – Dieser Tellheim bin ich eben so wenig, – als ich mein Vater bin. Beide sind gewesen. – Ich bin Tellheim, der verabschiedete, der an seiner Ehre gekränkte, der Krüppel, der Bettler. – Jenem, mein Fräulein, versprachen Sie sich; wollen Sie diesem Wort halten? –
    Das Fräulein
. Das klingt sehr tragisch! – Doch, mein Herr, bis ich jenen wieder finde, – in die Tellheims bin ich nun einmal vernarret, – dieser wird mir schon aus der Not helfen müssen. – Deine Hand, lieber Bettler! Indem sie ihn bei der Hand ergreift.
    Von Tellheim
der die andere Hand mit dem Hute vor das Gesicht schlägt, und sich von ihr abwendet. Das ist zu viel! – Wo bin ich? – Lassen Sie mich, Fräulein! – Ihre Güte foltert mich! – Lassen Sie mich.
    Das Fräulein
. Was ist Ihnen? wo wollen Sie hin?
    Von Tellheim
. Von Ihnen! –
    Das Fräulein
. Von mir? Indem sie seine Hand an ihre Brust zieht. Träumer!
    Von Tellheim
. Die Verzweiflung wird mich tod zu Ihren Füßen werfen.
    Das Fräulein
. Von mir?
    Von Tellheim
. Von Ihnen. – Sie nie, nie wieder zu sehen. – Oder doch so entschlossen, so fest entschlossen, – keine Niederträchtigkeit zu begehen, – Sie keine Unbesonnenheit begehen zu lassen – Lassen Sie mich, Minna! Reißt sich los, und ab.
    Das Fräulein
ihm nach. Minna Sie lassen? Tellheim! Tellheim!
    Ende des zweiten Aufzuges.
    { ‡ }
Dritter Aufzug
Erster Auftritt
    Die Szene, der Saal.
    Just
einen Brief in der Hand. Muß ich doch noch einmal in das verdammte Haus kommen! – Ein Briefchen von meinem Herrn an das gnädige Fräulein, das seine Schwester sein will. – Wenn sich nur da nichts anspinnt! – Sonst wird des Brieftragens kein Ende werden. – Ich wäre es gern los; aber ich möchte auch nicht gern ins Zimmer hinein. – Das Frauenszeug fragt so viel; und ich antworte so ungern! – Ha, die Türe geht auf. Wie gewünscht! das Kammerkätzchen!
    { ‡ }
Zweiter Auftritt
    Franziska. Just.
    Franziska
zur Türe herein, aus der sie kömmt. Sorgen Sie nicht; ich will schon aufpassen. – Sieh! Indem sie Justen gewahr wird. da stieße mir ja gleich was auf. Aber mit dem Vieh ist nichts anzufangen.
    Just
. Ihr Diener –
    Franziska
. Ich wollte so einen Diener nicht –
    Just
. Nu, nu; verzeih Sie mir die Redensart! – Da bring ich ein Briefchen von meinem Herrn an Ihre Herrschaft, das gnädige Fräulein – Schwester. – Wars nicht so? Schwester.
    Franziska
. Geb Er her! Reißt ihm den Brief aus der Hand.
    Just
. Sie soll so gut sein, läßt mein Herr bitten, und es übergeben. Hernach soll Sie so gut sein, läßt mein Herr bitten – daß Sie nicht etwa denkt, ich bitte was! –
    Franziska
. Nun denn?
    Just
. Mein Herr versteht den Rummel. Er weiß, daß der Weg zu den Fräuleins durch die Kammermädchens geht: – bild ich mir ein! – Die Jungfer soll also so gut sein, – läßt mein Herr bitten, – und ihm sagen lassen, ob er nicht das Vergnügen haben könnte, die Jungfer auf ein Viertelstündchen zu sprechen.
    Franziska
. Mich?
    Just
. Verzeih Sie mir, wenn ich Ihr einen unrechten Titel gebe. – Ja, Sie! – Nur auf ein Viertelstündchen; aber allein, ganz allein, insgeheim, unter vier Augen. Er hätte Ihr was sehr Notwendiges zu sagen.
    Franziska
. Gut! ich habe ihm auch viel zu sagen. – Er kann nur kommen, ich werde zu seinem Befehle sein.
    Just
. Aber, wenn kann er kommen? Wenn ist es Ihr am gelegensten, Jungfer? So in der Dämmerung? –
    Franziska
. Wie meint Er das? – Sein Herr kann kommen, wenn er will; – und damit packe Er sich nur!
    Just
. Herzlich gern! Will fortgehen.
    Franziska
. Hör Er doch;

Weitere Kostenlose Bücher