Winslow, Don
haben sich darauf zur Unión
Patriótica vereint und bei den Wahlen von 1986 vierzehn
Parlamentssitze erobert.
»Okay«,
sagte Callan.
Ȇberhaupt
nicht okay«, erwiderte Scachi. »Diese Leute sind Kommunisten, Sean!«
Darauf
ließ Scachi eine Tirade los, die im Kern besagte: Wir haben die Kommunisten
bekämpft, um den Leuten die Demokratie zu bringen, doch diese undankbaren
Arschlöcher benutzen die Demokratie, um die Kommunisten zu wählen. Damit will
er sagen, dachte Callan, dass die
Leute Demokratie bekommen sollen, aber nicht zu viel davon.
Sie haben
die absolute Freiheit, so zu wählen, wie wir es wollen.
»Die MAS
wird dagegen vorgehen«, sagte Scachi. »Sie brauchen einen Mann mit deinen
Fähigkeiten.«
Mag ja
sein, dachte Callan, aber sie
kriegen keinen Mann mit meinen Fähigkeiten. Ich weiß nicht, was Scachi mit
dieser MAS am Hut hat, aber mir geht die Sache am Arsch vorbei.
»Ich
glaube, ich gehe zurück nach New York«, sagte Callan. Schließlich hatte Johnny Boy den Clan fest im Griff, und Johnny Boy
hatte keinen Grund, Callan seinen
Schutz und seine Fürsorge zu verweigern.
»Klar,
kannst du machen«, sagte Scachi. »Nur dass da ungefähr dreitausend Haftbefehle
auf dich warten.«
»Für was?«
»Für was?
Kokainhandel, Schutzgelderpressung, organisierte Kriminalität. Wie ich höre,
wollen sie dich auch wegen der Sache mit Big Paulie drankriegen.«
»Du
meinst, sie wollen dich wegen der
Sache mit Big Paulie drankriegen.«
»Was
willst du damit sagen?«
»Dass du
mich beauftragt hast.«
»Hör zu,
ich krieg das für dich geregelt«, sagte Scachi, »aber es kann nicht schaden,
wenn du uns in dieser Sache hilfst.«
Callan wunderte sich, wieso Scachi das für ihn regeln wollte, wenn er sich
bereitfand, für einen Haufen antikommunistischer Drogenbosse in den Krieg zu
ziehen, aber er stellte keine Fragen, weil er die Antwort lieber nicht wissen
wollte. Er nahm das Flugticket, den neuen Pass und meldete sich in Medellin
zum Einsatz für die MAS.
Tod den
Entführern, das hieß jetzt Tod den siegreichen Kandidaten der Unión
Patriótica. Sechs von ihnen kriegten einen Kopfschuss statt einen Sitz
im Parlament. (Jeden Tag ist Totentag, denkt Callan, während er jetzt in La Sirena an seinem
Drink hängt.)
Danach
ging es erst richtig los, erinnert er sich. Zur Vergeltung besetzte die
Guerilla M-19 den Justizpalast, und über hundert Menschen, darunter etliche
Richter, starben bei der missglückten Rückeroberung des Gebäudes. So kommt das
eben, denkt Callan, wenn man
Polizisten und Soldaten einsetzt, statt sich Profis zu holen.
Das haben
sie allerdings beherzigt, als sie den Führer der Uni on Patriótica beseitigten. Callan war es nicht, der ihn erschoss,
aber er gab dem Mann, der Jaime Pardo Leal umlegte,
Feuerschutz. Es war ein guter Treffer - sauber, effizient, professionell.
Doch das
war nur der Anfang, wie sich bald herausstellte. Das richtige Morden begann
1988.
Und das
Geld kam größtenteils vom Boss selbst - von Pablo Escobar, dem Oberhaupt des Medellin-Kartells.
Anfangs
konnte Callan nicht
verstehen, wieso sich Escobar und seine
Drogenbarone überhaupt für Politik interessierten. Aber dann begriff er, dass
die Jungs vom Kartell eine Menge von ihrem Drogengeld in Landkäufe gesteckt
hatten, in riesige Rinderfarmen, die sie sich nicht von irgendwelchen linken
Landreformern kaputtmachen lassen wollten.
Eine
dieser Farmen lernte Callan gründlich
kennen.
Im
Frühjahr 1987 schickte ihn die MAS nach Las Tangas, einer großen Finca der Brüder
Carlos und Fidel Cardona. Ihr Vater
war einst, als sie noch Teenager waren, von kommunistischen Guerillas entführt
und ermordet worden. Du kannst so viel über Politik reden, wie du willst,
dachte Callan, als er die
beiden kennenlernte, am Ende stecken immer private Geschichten dahinter.
Las Tangas war weniger eine Finca als ein
Militärlager. Callan sah zwar
auch ein paar Rinder, aber was er vor allem sah, waren Killer wie er selbst.
Viele
waren Kolumbianer, ausgeliehen vom Kartell, aber es gab auch Südafrikaner und
Rhodesier, die ihren eigenen Krieg verloren hatten und nun wenigstens diesen
hier gewinnen wollten. Dann waren da Israelis, Libanesen, Russen, Iren,
Kubaner. Ein ganzes olympisches Dorf für mordlüsterne Ganoven.
Und hart
trainiert wurde auch.
Ein Typ,
angeblich israelischer Oberst, kam mit einer Bande Briten, alle ehemalige
SASler, wie sie zumindest behaupteten. Als guter Ire hasste Callan die Briten und den SAS, aber er
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