Winterwelt (Sommer-Sonderpreis bis zum 06.08.2012!) (Winterwelt Trilogie) (German Edition)
korrigierte sie.
Doch wieder schüttelte Anne den Kopf und Arrow überkam das Gefühl, dass es die ganze Nacht kein Ende nehmen würde. Langsam wurde es ihr zu viel.
„Ich meine den des Sommers“, machte Anne noch einmal deutlich. „Aber du hast natürlich nicht Unrecht, denn der des Winters spielt, wie nicht zu übersehen ist, ebenfalls eine wichtige Rolle. An der Sache gibt es nur einen Haken – er existiert nicht mehr.“
Arrow runzelte die Stirn. Wenn sie Anne richtig interpretierte, bedeutete „nicht existieren“ ausgelöscht sein, und dieser Gedanke machte ihr Angst.
„Der Träger des Ur-Winters ist im Zuge der Verbannung vernichtet worden und auf alle anderen Fragen, die du dazu hast, kann ich dir vermutlich keine Antworten geben, denn auch wir tappen seitdem im Dunkeln.“
„Dann wisst ihr nicht, warum diese Welt einen endlosen Winter erlebt?“, fragte Arrow beunruhigt.
„Anfangs dachten wir, dass die Urmacht auf jemand anderen übergesprungen ist, der vermutlich selbst nicht die geringste Ahnung davon hatte, dass er sie trägt. Das ist nichts Ungewöhnliches. Nur die wenigsten Träger der Urmächte bemerkten ihre Kraft. Sie zeigt sich nicht offen.
Viele hundert Jahre haben wir nach dem Winter gesucht – ohne Erfolg. Denn die Urmacht kann nur auf einen Nyriden übergehen, der ebenfalls von dem Schicksal der anderen verschont geblieben ist. Zweifellos ist uns aber nur der Sommerträger erhalten geblieben. Hätte einer der Verbannten die Kraft des Winters bekommen, so würde seine Macht nicht bis hierher wirken. Die Verbannung unterbindet das.
Also schlussfolgerten wir, dass sich die Urmacht verselbständigt und das Eis einfach über das Land gelegt hat. Sollten wir mit dieser Annahme Recht behalten, kämpfen wir somit gegen etwas Unsichtbares ohne Gewissen oder Bewusstsein, denn scheinbar hat der Sommer nicht die geringste Chance gegen den Winter.“
Ängstlich senkte Arrow ihren Blick. „Wer trägt den Sommer?“, fragte sie mit zitternder Stimme.
Ohne ein Wort zu sagen, ließ Anne ihren Blick zu Keylam schweifen.
Arrow stand blankes Entsetzen im Gesicht geschrieben. Mit weit aufgerissenen Augen schüttelte sie verzweifelt den Kopf.
„Das kann nicht wahr sein“, flüsterte Arrow immer wieder.
Ohne die Erschütterung ihrer Enkelin zu berücksichtigen, sprach Anne weiter.
„Unter iinigen, sogar unter Nyriden, verbreitete sich die Theorie, dass auch Keylam getötet werden muss, damit die Macht des Sommers sich in ihrem Ursprung frei entfalten kann. Sie denken, dass das den Winter besiegen wird.
Wir allerdings halten das für absoluten Schwachsinn und sind sicher, dass sein Tod uns allen den Untergang bringen würde. Deshalb inszenierten wir einst einen Brand in diesem Schloss und konnten den Leuten glaubhaft machen, dass er darin umgekommen war. Seitdem versteckt er sich und steht unter unserem Schutz.
Lange Zeit dachten wir, dass ihm die Urmacht entzogen und dass der Sommer in die Verbannung geschickt wurde. Doch nun, da die Wärme zurückgekehrt ist, sind wir der Meinung, dass wir etwas übersehen haben.“
„Aber der Sommer war kaum mehr als ein paar Tage da. Es gab schon oft mildere Zeiten bei uns. Du erinnerst dich bestimmt daran“, entgegnete Arrow mit dem Willen, erst gar keine Hoffnung in sich aufkeimen zu lassen.
Annes ehrgeiziger Blick durchbohrte Arrow und ließ die alte Dame trotz wallenden weißen Haars und der vielen tiefen Falten in ihrem Gesicht Respekt einflößend aussehen.
„Aber niemals zuvor war es so stark, dass es Schneeglöckchen hat blühen lassen“, flüsterte sie und wusste dabei genau, dass ihre Enkelin dem nichts mehr entgegnen konnte.
Verblüfft senkte Arrow ihren Blick. Sie konnte es nicht fassen. Als sie einst in diese Welt gekommen war, hätte sie niemals erwartet, in etwas so Erbarmungsloses zu geraten – in einen Krieg.
„So“, sagte Anne und lehnte sich vor. „Jetzt will ich deine Geschichte hören.“
Nach einem Seufzen erzählte Arrow ihr alles, angefangen bei dem Moment, als sie das Schloss verlassen hatte, um Whisper zu treffen, bis zu ihrer Rückkehr. Geduldig hörte Anne sich an, welch ein trostloser Ort aus der schönen blühenden Nebulae Hall geworden war, wie ihre Enkelin dem Tod ins Auge geblickt hatte und von – entgegen der weit verbreiteten Meinung – überaus freundlichen Zwergen mit einem Riesen als Anführer gerettet wurde.
Ohne weitere Fragen erhob sich Anne nach der Geschichte, um zu Bett zu gehen, doch Arrow
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