Zauberschiffe 01 - Der Ring der Händler
Vater hatte Kyle diese Karten anvertraut, und es stand ihr nicht zu, seine Entscheidung in Frage zu stellen.
Kyle ignorierte sie weiter, aber sie weigerte sich, auf sein Spielchen einzugehen. Schweigend und geduldig blieb sie stehen und ließ sich auch nicht von seinem offensichtlichen Desinteresse aus der Fassung bringen. Nach einer Weile hob er den Blick und musterte sie mit seinen blauen Augen. Die Unverblümtheit darin war genauso fremd im Vergleich zu dem ruhigen Blick der schwarzen Augen ihres Vaters wie Kyles ungebärdiges blondes Haar zu dessen ordentlich gebundenem schwarzem Zopf. Erneut wunderte sie sich, welche Geschmacksverirrung ihre ältere Schwester ergriffen haben musste, dass sie einen solchen Mann begehrte. Sein chalcedeanisches Blut zeigte sich in seinem Verhalten genauso deutlich wie in seinem Körper. Sie versuchte, sich ihren Widerwillen nicht anmerken zu lassen, aber ihre Selbstbeherrschung wurde immer schwächer. Sie war schon zu lange mit diesem Mann auf See.
Und diese letzte Reise war schier endlos. Kyle hatte es durch seine Ungeschicklichkeit geschafft, eine schlichte zweimonatige Reise die Küste Chalceds entlang zu einer fünfmonatigen Handelsreise voller unnötiger Zwischenhalte und unwesentlich gewinnbringender Handelsabschlüsse zu machen. Althea war überzeugt, dass er sich damit bemühen wollte, seinem Schwiegervater zu zeigen, was für ein gerissener Händler er sein konnte. Sie selbst war nicht sonderlich beeindruckt. In Tusk hatte er angehalten und eingelegte Seenten-Eier aufgenommen. Es war eine unsichere Fracht, und sie hatten es gerade noch geschafft, in Bingtown anzulegen und sie zu verschleudern, bevor sie verfault waren.
Dort hatte er Baumwollballen geladen. Zwar nicht genug, um den leeren Raum in den Lagerräumen zu füllen, aber gerade ausreichend viel, um wenigstens einen Teil des Decks einzunehmen. Althea hatte sich auf die Zunge beißen und zusehen müssen, wie die Mannschaft ein hohes Risiko einging, wenn sie auf Deck rund um die schweren Ballen kletterte.
Dann waren sie in einen Sturm geraten, der die Ladung auf Deck durchnässt und höchstwahrscheinlich auch ruiniert hatte. Sie hatte Kyle nicht gefragt, wie hoch der Gewinn gewesen war, als sie angehalten und die Ballen bei einer Auktion in Dursay versteigert hatten. Falls überhaupt ein Gewinn dabei abgefallen war. Dursay war ihr letzter Hafen gewesen. Die Weinfässer mussten wieder verschoben werden, um eine jämmerliche Fracht aufzunehmen. Jetzt waren die Frachträume zusätzlich zu den Weinen und Brandys, die ihre ursprüngliche Fracht gewesen waren, noch mit Kisten mit Kampfernüssen vollgestopft. Kyle hatte ständig von dem guten Preis geschwärmt, den sie bringen würden, und zwar sowohl das Duftöl von ihren Kernen, aus denen man Seife gewann, als auch die entzückende gelbe Farbe, die man aus ihren Schalen gewinnen konnte. Althea hatte große Lust, ihn zu würgen, wenn er noch einmal mit dem Extraprofit prahlte, den sie aus dieser Reise ziehen würden. Aber als er sie anblickte, schien er sich keineswegs auf die Schulter schlagen zu wollen. Seine Augen waren so kalt wie Seewasser und in ihnen funkelte kaum verhüllter Ärger.
Er lächelte nicht und forderte sie auch nicht auf, sich zu setzen.
Stattdessen fragte er nur: »Was hast du in dem Laderaum achtern gemacht?«
Jemand war anscheinend zum Kapitän gelaufen und hatte es ihm erzählt. »Ich habe die Fracht neu verstaut«, erwiderte sie gleichmütig.
»Das hast du getan.«
Es war eine Feststellung, ja, fast schon eine Beschuldigung. Es war keine Frage, daher hielt sie es nicht für nötig, sie zu beantworten. Stattdessen stand sie vollkommen unbeweglich unter seinem durchdringenden Blick da. Sie wusste, dass er von ihr Erklärungen und Entschuldigungen erwartete, wie Keffria es getan hätte. Aber sie war weder ihre Schwester noch seine Frau. Plötzlich schlug er mit der flachen Hand auf die Tischplatte, und obwohl sie bei diesem Geräusch zusammenzuckte, sagte sie kein Wort. Sie beobachtete, wie er darauf wartete, dass sie endlich sprach, und empfand einen merkwürdigen Triumph, als er die Geduld verlor.
»Hast du dir auch angemaßt, der Mannschaft zu befehlen, die Lagerung der Ladung zu verändern?«
Sie erwiderte sehr ruhig und gelassen: »Nein. Das habe ich nicht. Ich habe es allein gemacht. Mein Vater hat mich gelehrt, dass man an Bord eines Schiffes sehen muss, welche Dinge zu tun sind. Und dann tut man sie. Genau das habe ich gemacht. Ich
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