Zenjanischer Lotus (German Edition)
des Wargssolja waren hinter seinem Kopf verschränkt. Ein Bein stand aufrecht, das andere hatte sich halb unter die Decken geschoben. Er sah ihm entgegen; die gelben Augen wirkten
trüb.
Ohne auf Einladung oder Abweisung zu warten, trat Sothorn näher. Er lehnte sich an das Bettgestell und genoss den Anblick, der sich ihm bot.
Alles vertraut, alles begehrt, alles sein.
Eine Weile fixierten sie sich schweigend, bis Geryim die Geduld verlor: „Und? Was willst du?“
„Wir waren verabredet“, erklärte Sothorn schlicht. Er strich über die groben Schnitzereien des Bettpfostens und sah dem Wargssolja in die Augen, um ihn wissen zu lassen,
dass es in Wirklichkeit sein Bein war, dass er berührte.
Höhnisch verzog Geryim das Gesicht: „Ist das so, ja?“
Sothorn ging nicht darauf ein. Das Schwellen seiner Organe nahm zu, als die offenkundige Eifersucht über ihn hinwegrollte.
Es fühlte sich gut an. Wie warmer Regen.
„Warum bist du gegangen?“, fragte er direkt, bevor er sich auf die Bettkante vorwagte.
Geryim zuckte unbehaglich die Achseln: „Du sahst aus, als hättest du für heute Nacht ausgesorgt. Und mir war nicht nach Gesellschaft zumute.“ Er wirkte kleiner als sonst.
Offener. Weniger bedrohlich.
„Sieh an“, schob Sothorn sich näher.
Als kein Protest ihn bremste, stieg er endgültig auf die Matratze und kniete sich über Geryims Hüften. Das abgetragene Leder ihrer Hosen rieb sich sanft aneinander. Er bemerkte
zwei verschorfte Stellen in Geryims Haaransatz und fragte sich, ob er sich in seiner Qual Strähnen herausgerissen hatte.
Zeit, dass ihn jemand für seinen Mut und sein Durchhaltevermögen belohnte.
Schwindelnd vom Wein griff Sothorn nach Geryim, um ihn zu küssen. Er hielt sich nicht mit vorsichtigem Vortasten auf. Hart presste er die Lippen auf Geryims Mund.
Wollte ihn verschlingen. Wollte ihm zeigen, dass er seine Wahl vor langer Zeit getroffen hatte. Nicht nur für eine Nacht.
Die Schlucht zwischen dem seelischen Tod durch Stolans Machenschaften und dem rasenden Drängen, das ihn vorwärts zog, war nie breiter gewesen als in diesem Augenblick.
Sothorn wollte in Brand geraten. Er wollte zeigen, was er während ihres Bads in der Grotte zurückhalten musste. Er wollte das Geschenk, das Geryim ihm mit seinem Vertrauen gemacht
hatte, würdigen.
Finger legten sich auf seine Schulter und schoben ihn zurück. Erst sacht, dann drängend.
Sothorn wollte sich ebenso wenig lösen, wie er wahrhaben wollte, dass der Mund an seinem reglos blieb und ihn nicht empfing.
Die Hand stieß ihn.
Unbeherrscht richtete Sothorn sich halb auf: „Komm, hör auf zu schmollen. Es war ein Scherz. Ich wäre nicht mit Shahim gegangen. Du willst mir doch nicht sagen, dass ein
harmloser Kuss unter Freunden dich aus der Fassung bringt. Ich wette, du hast ihn selbst gehabt.“
„Habe ich, aber ...“
„Er wollte uns eh beide. Zusammen.“ Sothorn schob wölfisch grinsend eine Hand über die Erhebung an Geryims Unterleib. „Ich kann es mir gut vorstellen. Und dir
würde es auch gefallen, nicht wahr?“
„Hör auf!“ Der Wargssolja setzte sich so abrupt auf, dass Sothorn das Gleichgewicht verlor und ihre Gesichter aneinander zu schlagen drohten. „Runter von mir. Wir
müssen ... reden.“
Ein Schlag vor die Brust ließ Sothorn wissen, wie ernst es Geryim war.
Er ließ sich auf die Seite fallen und sah zu, wie sein unwilliger Gastgeber aus dem Bett sprang und zu der schmalen Fensteröffnung stapfte. Dort angekommen drehte er sich um und
lehnte den Rücken an den Fels.
Er fuhr sich mit der Hand über die Augen und kniff sich in den Nasenrücken, bevor er unerwartet leise sagte: „Du solltest nicht hier sein.“
Sothorn richtete sich langsam auf. Er schluckte, spürte, dass etwas im Raum lag, das ihm nicht gefallen würde: „Warum nicht? Wenn du wütend bist, weil ich
Shahim ...“
„Nun lass schon den verdammten Oramba aus der Sache heraus“, unterbrach Geryim ihn grollend. „Es geht nicht um ihn oder um das, was ihr miteinander treibt oder auch
nicht.“
„Ach ja? Heute Morgen wolltest du mich treffen. Jetzt willst du mich loswerden. Irgendetwas muss in der Zwischenzeit vorgefallen sein. Mach den Mund auf und rede mit mir,
Geryim.“
Der Wargssolja zerrte am Kragen seines Hemds, als wäre es ihm zu eng: „Das habe ich vor. Und das ist der Grund, warum ich dich sehen wollte. Um dir zu sagen, dass wir so nicht
weitermachen können.“
„Was?“
Geryim schnaubte: „Nun
Weitere Kostenlose Bücher