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Zenjanischer Lotus (German Edition)

Zenjanischer Lotus (German Edition)

Titel: Zenjanischer Lotus (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Raik Thorstad
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Chancenlosigkeit zwang ihn, der Angst vor dem Ersticken nachzugeben.
    Er versuchte sich an einem tiefen Atemzug. Frisch strömte die Luft in seine malträtierten Lungen, überforderte sie und ließ ihn husten.
    Flach atmen. Ruhig. Herausfinden, was geschehen war.
    Mit geschlossenen Augen spürte Sothorn an seinem Leib entlang. Seine Hände brannten und waren bis auf halbe Höhe des Unterarms bandagiert. Darüber hinaus empfand er
erstaunlich wenig Schmerzen. Seine Knie waren wund, seine Fußsohlen ebenso. Jemand hatte sie versorgt.
    Er konnte den würzigen Geruch von Szapreys Heilsalben wahrnehmen. Sie hatten eine beruhigende Wirkung auf ihn.
    Was immer geschehen war, nachdem er ohnmächtig geworden war, es hatte ihn an Bord der
Henkersbraut
gebracht, und man hatte genug Zeit und Ruhe gehabt, um ihn zu versorgen.
    Dankbar sank er tiefer in die mit Stroh gefüllte Matratze und übte sich im gleichmäßigen Atmen.
    Es wurde besser. Leichter. Der Hustenreiz ließ nach. Zurück blieb die Mattigkeit in allen Knochen. Nicht unangenehm. Das Gefühl, eine Schlacht geschlagen und überlebt zu
haben.
    In diesem Wissen dämmerte Sothorn ein.
    Seine Träume waren von fremdartigen Eindrücken und Bildern geprägt, wenn auch nicht beängstigend. Er sah und hörte besser als je zuvor, nahm das Huschen von Nagetieren
in den Wäldern wahr, genoss das Gefühl, in der prallen Mittagssonne auf einem kühlen Grasfleck zu liegen und zu sein.
    Einen unbestimmten Zeitraum später erwachte er von dem Gefühl eines Fremdkörpers an seinen Lippen. Eine warme Flüssigkeit drang in seinen Mundraum ein, verdichtete sich auf
seiner Zunge zu einem Geschmack, den er nicht mochte.
    Fischsuppe, ungesalzen, schwach gewürzt, zu dünn.
    Angewidert drehte er den Kopf beiseite. Nur die Erinnerung, dass er in einem ordentlichen Bett lag, sorgte dafür, dass er schluckte, statt auszuspucken.
    „Nun schau einer an. Endlich wirst du wach. Ich dachte schon, Szapreys Gift würde dich bis ans Ende deiner Tage schlafen lassen“, polterte eine vertraute Stimme. Geryim.
    „Gift?“, formte Sothorn vorsichtig. Er rechnete mit einer rauen Kehle, stellte jedoch zu seiner eigenen Überraschung fest, dass das Sprechen ihm leicht fiel.
    Eine Bewegung auf der Matratze, das Klappern einer Schüssel, die auf Holz abgestellt wurde: „Natürlich kein Gift. Frag mich nicht, was er dir gegeben hat. Aber er meinte, du
solltest ein paar Tage schlafen, damit du besser atmen kannst. Das war vor mehr als einer Woche.“ Ein Zögern, dann aufgesetzt heiter: „Wie kommt es eigentlich, dass du andauernd
bewusstlos bist und ich sehen kann, wie ich dich versorge?“
    „Vielleicht gefällt es mir, von dir versorgt zu werden“, grinste Sothorn schief.
    „Das würde dir ähnlich sehen, du Faultier. Und wo wir gerade dabei sind: Es ist Zeit, deine Verbände zu wechseln.“ Ruppige Worte, aber darunter aufrichtig besorgt.
Fast sanft.
    Die Augen zu öffnen, war mühsam. Ein Schleier lag über Sothorns Blickfeld, und kurzzeitig drehte sich seine Unterkunft vor ihm. Deshalb dauerte es einen Augenblick, bis er wusste,
wo er sich befand.
    Die gemütliche Höhle der Kapitänskajüte der
Henkersbraut
umgab ihn. Im Gegensatz zu den schlichten Räumlichkeiten im Schiffsrumpf war das Zimmer am Heck, das dem
Kapitän oder hohen Gästen zustand, großzügig geschnitten.
    Es verfügte über zwei Fenster aus dickem, gelblichen Glas, einen massiven Esstisch und ein richtiges Bett anstelle einer winzigen Koje, in der man die ganze Nacht lang mit
angewinkelten Beinen schlafen musste.
    Einer der Fensterrahmen stand offen und ließ milde Seeluft und schummriges Morgenlicht herein.
    Geryim stand mit dem Rücken zum Bett und hantierte mit einem Tiegel und Leinentüchern. Zu seinen Füßen, unter dem Esstisch, fand sich ein Nest aus alten Decken, in dem
Sothorn Gwanjas reglosen Körper zu erkennen glaubte.
    Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Gut, dass die Löwin in Sicherheit war. Die Schattentochter. Sie war ihm wichtig.
    Mühsam richtete Sothorn sich auf und sah Geryim entgegen, als dieser sich zu ihm setzte.
    „Das wird wehtun“, warnte er.
    Und es tat weh. Wundwasser war in das Leinen gesickert und hatte sich zu einer hässlichen Kruste verhärtet. Salbe und Wasser waren nötig, um sie zu lösen, ohne die Haut
darunter über Gebühr zu beanspruchen.
    Als die letzte Schicht vorsichtig beiseitegeschoben wurde, atmete Sothorn erleichtert aus. Begriff erst jetzt, dass er sich in die

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