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Zigeunerstern: Roman (German Edition)

Zigeunerstern: Roman (German Edition)

Titel: Zigeunerstern: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Silverberg
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auch noch den schweren Belastungen der Hasgard-Apparate ausgesetzt.
    Aber das bedeutete natürlich, dass ich meine eigene Norm nicht würde leisten können. Und das würde sich früher oder später in den Leistungstabellen der Firma bemerkbar machen müssen. Also gewöhnte ich mir an, mich in meiner Freizeit in das Synapsenloch zu schleichen, um dort den Ausfall wettzumachen. Morgens drei Extrastunden und – wenn es ging – drei weitere spät nachts. Ich schaffte es. Mein Hauptproblem dabei war nur, immer neue Entschuldigungen für Polarca zu erfinden, warum ich mich während der Freizeit von ihm fernhielt. An manchen Tagen war ich einfach doch etwas zu müde, um eine ganze Doppelschicht zu leisten, aber dann mühte ich mich, den Zeitausfall ein andermal auszugleichen. Ein paar der anderen Arbeitssklaven hatten sich wohl gedacht, was ich da heimlich tat, und stifteten ab und zu mal die eine oder andere Stunde auf mein Konto, um mir zu helfen. Doch auch so fiel ich in meinem Leistungssoll immer weiter zurück. Das machte mir aber nichts aus – denn Polarca gewann sichtlich an Kraft zurück.
    »Was, zum Teufel, hast du eigentlich vor?«, fragte ich mich, Monate später, eines Tages.
    »Ich? Vorhaben?«
    »Im Loch. Wieso bin ich nicht mehr dermaßen geschlaucht? Und wieso siehst du auf einmal wie fünftausend Jahre alt aus? Yakoub, reißt du etwa meine Schicht mit ab?«
    »Was soll das heißen?«, fragte ich, ganz Unschuld.
    »Das heißt, dass jemand meine Arbeit für mich tut, und das kannst nur du sein. Tu nur nicht so, als wüsstest du nichts davon!«
    »Ich … also, die Sache ist die …« Ich brach ab. »Ach, verdammt, Polarca, ich hätte doch nicht einfach auf meinem Arsch dabeisitzen können und zuschauen, wie du leerbrennst! Da hab ich doch etwas unternehmen müssen.«
    »Wer hat dich darum gebeten? Wer hat dir das Recht gegeben, dich dermaßen erbärmlich und gemein gegen meine Manneswürde zu versündigen?«
    »Na, hört euch das an! Ich versündige mich an seiner Männlichkeit!«
    »Hältst du mich für einen Schlappschwanz?«
    »Polarca, ich bin der Schlappschwanz.«
    Er starrte mich verblüfft an. »Was?«
    »Ich brauch dich zu sehr, als dass ich zulassen könnte, dass du mir stirbst. Du bist doch das einzige, was mich an diesem Scheißort rettet, sonst würde ich doch den Verstand verlieren. Und du wärst todsicher gestorben, wenn ich nicht etwas gemacht hätte, um dir zu helfen.«
    »Aber du hattest nicht das Recht …«
    »Kein Recht? Kein Recht?«
    »Du hast mich, verdammt noch mal, nicht mal um meine Erlaubnis gebeten. Du bist einfach losgeprescht und hast dich meines Lebens bemächtigt …« Er schrie inzwischen. An der Schläfe war dick eine Ader hervorgetreten. »Hältst du mich für ein Kind? Meinst du, ich hab so 'ne Art Beschützer nötig? Du glaubst, ich kann mich nicht richtig um mich selber kümmern? Ja, aus welchem Stall stammst du denn, dass du mir so etwas anzutun wagst?« Und noch ein ganzer Wortbergrutsch mehr, und er schrie immer lauter und lauter, je mehr seine gerechte Empörtheit sich in schäumenden Zorn steigerte.
    Nun kann auch ich ziemlich gut brüllen. Und lauter als Polarca. Und mittlerweile war ich noch wütender als er. Also brüllte ich ihn in Grund und Boden. »Verdammt, Polarca, komm mir nicht mit noch mehr Scheiß über deine Männlichkeit, klar? Dann hock dich halt hin und halt schön brav deine beiden Hände über deine gottverdammte Männlichkeit und warte still ab, bis diese verfluchte Fickmaschine den letzten Rest von Leben aus dir rausgesaugt hat. Und wenn du dann einen Tod gestorben bist, der deiner Manneswürde angemessen ist, kann ich ja allmählich damit anfangen, verrückt zu werden, weil dann keiner mehr da ist, der mich versteht und mit dem ich reden könnte. Aber das ist schon okay so. Du hast deinen Tod als ein Mann gekriegt, und das ist ja das einzig Wichtige. Es tut mir leid, dass ich da irgendwie deinem Mannestod hinderlich im Weg gestanden habe. Klar so? Ist das klar, Polarca? Es tut mir leid. Du hörst, ich entschuldige mich. Also geh schon und sei ein Mann. Sei doch ein Held!« Und ich zeigte ihm, was ich mit der Apparatur gemacht hatte. Und dann brachte ich die Schaltkreise wieder in Ordnung, schloss mich an meinen Apparat an und kehrte Polarca den Rücken zu. Ich war dermaßen stocksauer, dass ich die üblichen Mentiroso-Horroreffekte kaum verspürte, obwohl sie natürlich die ganze Zeit mit Standardtempo durch mein Hirn voranrückten.
    Es musste

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