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Zurueck ins Glueck

Titel: Zurueck ins Glueck Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Suzanne Higgins
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Büro zu begegnen; sie konnte nur hoffen, dass er sich ein paar Tage frei genommen hatte. Sie brauchte etwas Abstand von ihm, während sie versuchte, ihr Leben neu zu ordnen. Mit einem Mal wurde ihr etwas klar, was sie bislang verdrängt hatte – sie musste dringend mit James Judge sprechen. Er war ihr Vater, auch wenn sie das nach wie vor kaum fassen konnte. Als sie am Rathnew Manor vorbeifuhr, in dem ihr Hochzeitsempfang hatte stattfinden sollen, kamen ihr leise Zweifel daran, ob es eine gute Idee gewesen war, heute zur Arbeit zu gehen. Nein, du hast die richtige Entscheidung getroffen, versicherte sie sich gleich darauf. Sie hatte es schon immer so gehalten – wenn sie mit Problemen zu kämpfen hatte, stürzte sie sich in ihre Arbeit, das war ihre beste Medizin. Sicher würde die heilsame Wirkung auch diesmal nicht ausbleiben.
    Sie stellte ihren BMW auf ihrem gewohnten Platz ab, holte tief Atem und ging über den Parkplatz, der zu dieser frühen Stunde noch fast verlassen dalag. Das vertraute
Firmenschild begrüßte sie. Willkommen bei Judges Whiskey, seit über hundert Jahren die Heimat irischen Whiskeys . An diesem Morgen ärgerte sie sich plötzlich darüber. Nirgendwo an dem gesamten Firmengebäude fand sich ein Hinweis auf Gracias. Gut, sie vertrieben den Alcopop als lateinamerikanisches Getränk, trotzdem sollte er nicht völlig übergangen werden. Sie würde mit Cameron darüber sprechen müssen. Doch dann besann sie sich. Wie konnte sie sich mit ihm auf geschäftliche Diskussionen einlassen? Ihrer beider Situation hatte sich grundlegend geändert. Vermutlich brachte er ihr jetzt nur noch kalte Abneigung entgegen, und sie konnte es ihm nicht einmal verübeln.
    Die Empfangsdame Jean blickte auf, als sie die automatische Tür aufgleiten hörte.
    »Samantha... hi...« Es gelang ihr nicht, ihre Überraschung zu verbergen.
    Hocherhobenen Hauptes marschierte Samantha durch den weitläufigen Empfangsbereich auf Jeans polierten Eichenholztisch zu. Ihre hohen Absätze klickten auf den Fliesen. Der würzige Duft gemälzter Gerste stieg ihr in die Nase; vertraut und tröstlich, und schlagartig hob sich ihre Stimmung.
    »Guten Morgen, Jean. Wie geht’s dir heute?«, fragte sie, so wie sie es jeden Tag tat.
    »Ausgezeichnet, danke der Nachfrage. Du bist wie immer die Erste.«
    »Ist Post für mich da?«
    Jean reichte ihr einen kleinen Packen Briefe. »Nichts Dringendes, wie es aussieht. Samantha, äh... ich habe gehört, was am Wochenende passiert ist. Tut mir wirklich leid für dich.«

    Samantha nickte ihr zu. »Ja, das war ein Schock für uns alle. Hör zu, Jean, ich möchte jetzt am liebsten einfach nicht mehr daran denken und mich nur noch auf meine Arbeit konzentrieren. Wenn irgendwelche Aasgeier von Journalisten anrufen oder hier aufkreuzen, sei so lieb und wimmel sie bitte ab.«
    »Versprochen. An mir kommt keiner vorbei.« Jean warf sich in die Brust.
    »Braves Mädchen.« Sam rang sich ein Lächeln ab und stieg die Stufen zu ihrem Büro empor. »An die Arbeit«, befahl sie sich eindringlich. »Mach dich an die Arbeit.«
    Im Laufe des Morgens steckten zahlreiche Mitarbeiter der verschiedenen Abteilungen den Kopf in ihr Büro; demnach hatte es sich wie ein Lauffeuer verbreitet, dass sie wieder da war. Zu ihrer abgrundtiefen Erleichterung ließ sich Cameron jedoch nicht blicken. Erst zur Lunchzeit brachte sie den Mut auf, ihre persönliche Assistentin zu fragen, ob sie etwas von ihm gehört hatte. Als sie erfuhr, dass er nach Barbados geflogen war, traten ihr Tränen der Wut in die Augen. Warum hatte sie sich nicht in die Karibik abgesetzt und ihn in Wicklow schmoren lassen? Warum war immer er derjenige, der sich ein schönes Leben machte, während sie schuftete wie ein Pferd? Warum hatte ihr Leben eine so verhängnisvolle Wendung nehmen müssen? Das leise Klopfen an der Tür hörte sie nicht, so tief war sie in ihre trüben Gedanken versunken, aber die Stimme, die um Einlass bat, erkannte sie sofort.
    »Darf ich hereinkommen, Samantha?« James Judge stand vor ihrem Büro.
    »Oh, James natürlich, komm herein und setz dich... ich wusste gar nicht, dass du heute in der Firma bist...«
Sie merkte selbst, dass sie vor Nervosität zu stammeln begann.
    »Ich wollte mich eigentlich nur überzeugen, dass hier alles seinen gewohnten Gang geht, und dann hörte ich, dass du im Büro bist. Was mich nicht sonderlich gewundert hat, wenn ich ehrlich bin. Du warst immer schon ein Workaholic, Samantha.«
    »Ich kann eben

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