Das Kapital (Gesamtausgabe)
einer Bank) "wurde also rasch nachgeahmt; alle Seestädte und überhaupt alle Städte, die sich durch ihre Unabhängigkeit und ihren Handel einen Namen gemacht hatten, gründeten ihre ersten Banken. Die Rückkehr ihrer Schiffe, die oft lange auf sich warten ließ, führte unvermeidlich zur Gewohnheit des Kreditgebens, die die Entdeckung Amerikas und der Handel dorthin in der Folge noch weiter verstärkte." (Dies ein Hauptpunkt.) "Die Schiffsbefrachtungen zwangen zur Aufnahme starker Vorschüsse, was bereits im Altertum in Athen und Griechenland vorgekommen. 1308 besaß die Han-sestadt Brügge eine Assekuranzkammer." (M. Augier, l.c.p. 202, 203.)
Wie sehr das Verleihen an die Grundeigentümer und damit überhaupt an den genießenden Reichtum, selbst noch in England vorwog im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts, vor der Entwicklung des modernen Kreditsystems, kann man u.a. ersehn aus Sir Dudley North, nicht nur einem der ersten englischen Kaufleute, sondern auch einem der bedeutendsten theoretischen Ökonomen seiner Zeit:
"Die in unserm Volk auf Zinsen ausgelegten Gelder werden noch lange nicht zum zehnten Teil an Geschäftsleute ausgegeben, um damit ihre Geschäfte zu betreiben; sie werden zum größten Teil ausgeliehen für Luxusartikel und für die Ausgaben von Leuten, die, obwohl große Grundbesitzer, doch rascher Geld ausgeben, als ihr Grundbesitz es einbringt; und da sie den Verkauf ihrer Güter scheuen, sie lieber verhypothekie-ren." ("Discourses upon Trade", London 1691, p. 6, 7.)
Im 18. Jahrhundert in Polen:
"Warschau machte ein großes Wechselgeschäft, das aber hauptsächlich den Wucher seiner Bankiers zum Grunde und zur Absicht hatte. Um sich Geld zu verschaffen, welches sie den verschwenderischen Großen zu 8 und zu mehr Prozent leihen konnten, suchten und fanden sie außer Landes einen Wechselkredit in Blanco, d.h. der gar keinen Warenhandel zu Grunde hatte, welchen der ausländische Trassat aber so lange geduldig akzeptierte, als noch die durch Wechselreiterei erschaffnen Rimessen nicht ausblieben. Dafür haben diese durch die Bankrotte eines Tepper und andrer groß- <626> geachteter Warschauer Bankiers schwer gebüßt."
G. G. Büsch, "Theoretisch-praktische Darstellung der Handlung etc.", 3. Auflage, Hamburg 1808, Band II, p.
232,
Nutzen für die Kirche vom Zinsverbot
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DAS KAPITAL
"Zins zu nehmen hatte die Kirche verboten; aber nicht das Eigentum zu verkaufen, um sich aus der Not zu helfen; ja auch nicht einmal, dasselbe dem Geldleihenden auf eine bestimmte Zeit und bis zur Wiederbezah-lung abzutreten, damit derselbe seine Sicherheit darin finden, aber auch während des Besitzes in dessen Nutzung den Ersatz des von ihm entlehnten Geldes genießen möchte ... Die Kirche selbst, oder die ihr angehö-
renden Kommunen und pia corpora zogen ihren großen Nutzen davon, zumal in den Zeiten der Kreuzzüge. Dies brachte einen so großen Teil des Nationalreichtums in den Besitz der sog.
'toten Hand', zumal da der Jude in diesem Wege nicht wuchern durfte, weil der Besitz eines so festen Unterpfandes nicht verhehlt werden konnte ... Ohne das Verbot der Zinsen würden die Kirchen und Klöster nimmermehr so reich haben werden können." (l.c.p. 55.)
Fußnoten
(21) "Es ist infolge häufiger Versetzungen und Einlösungen im selben Monat und durch Versatz eines Artikels, um einen andern herauszunehmen und dabei eine kleine Gelddifferenz zu erhalten, daß der Pfandhaus-zins so übermäßig wird. In London sind 240 konzessionierte Pfandverleiher und in der Provinz ungefähr 450.
Das angewandte Kapital wird auf ungefähr 1 Mill. geschätzt. Es wird wenigstens dreimal im Jahre umgeschlagen und jedesmal im Durchschnitt für 331/2% so daß die untern Klassen von England 100% jährlich bezahlen für den temporären Vorschuß einer Million, abgesehn von dem Verlust durch verwirkte Auslösungsfrist versetzter Artikel." (J. D. Tuckett, "A History of the Past and Present State of the Labouring Population", London 1846,I, p. 114.)
(22) Selbst in den Titeln ihrer Werke gaben sie als Hauptzweck an "das allgemeine Wohl der Grundbesitzer, die große Steigerung des Wertes von Grundbesitz, die Befreiung des Adels und der gentry etc. von Steuern, die Vermehrung ihres jährlichen Einkommens etc." Nur die Wucherer würden verlieren, diese schlimmsten Feinde der Nation, die dem Adel und der yeomanry mehr Schaden getan, als eine Invasionsarmee aus Frankreich hätte tun
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