Leopard
klar.«
»In den unbewirtschafteten Hütten des Fremdenverkehrsverbandes kann man nicht im Voraus ein Bett reservieren. Sind alle Betten belegt, wenn man kommt, muss man sich auf dem Boden auf eine Matratze legen oder im schlimmsten Fall im Schlafsack auf der eigenen Isomatte übernachten. Die Übernachtung kostet nur 170 Kronen, und man bezahlt entweder bar oder per einmaliger Einzugsermächtigung, die man in einem Briefumschlag in der Hütte lässt.«
»Man kann, mit anderen Worten, also nicht sehen, wer wann in welcher Hütte war?«
»Nicht, wenn die Leute bar bezahlen. Aber bei einer Einzugsermächtigung findet anschließend ja eine Transaktion zwischen dem Konto der betreffenden Person und dem Fremdenverkehrsverband statt. Mit einem Vermerk der Hütte und des entsprechenden Aufenthaltsdatums.«
»Ich meine mich daran zu erinnern, dass so eine Transaktionssuche ziemlich aufwendig ist.«
»Nicht, wenn man die richtigen Kriterien in die Suchmaschine eingibt. Man muss halt seinen Grips richtig nutzen.«
»Und den hast du ja.«
»Das klingt schon besser. Iska Pellers Konto wurde am 20. November belastet. Für jeweils zwei Betten in insgesamt vier Hütten des Verbandes, alle etwa einen Tagesmarsch auseinander.«
»Eine viertägige Gebirgstour?«
»Ja. Und in der letzten, der Hävasshütte, waren sie am 7. November. Die liegt nur einen halben Tagesmarsch von Ustaoset entfernt.«
»Interessant.«
»Das wirklich Interessante sind zwei andere Konten, die ebenfalls wegen einer Übernachtung in der Hävasshütte am 7. November belastet wurden. Rat mal, welche?«
»Nun. Vermutlich nicht Marit Olsens und Borgny Stem-Myhres, weil das Kriminalamt es sicher herausgefunden hätte, wenn zwei der Opfer vor so kurzer Zeit am selben Ort übernachtet hätten. Eine muss also diese Vermisste sein. Wie hieß sie noch gleich?«
»Adele Vetlesen. Und du hast ganz recht. Sie hat für zwei Personen bezahlt, aber ich weiß natürlich nicht, wer die andere Person war.«
»Wer ist der andere, der per Vollmacht bezahlt hat?«
»Nicht so wichtig, jemand aus Stavanger.«
Harry notierte sich trotzdem Namen und Adresse der Person wie auch die Daten von Iska Peller in Sydney. »Es hört sich so an, als hättest du die Suchmaschine richtig liebgewonnen«, sagte er.
»Stimmt«, erwiderte sie. »Das ist, wie einen alten Jagdbomber zu fliegen. Erst etwas rostig und träge im Umgang, aber ist er erst einmal in der Luft … ein Traum. Was sagst du zu dem Resultat?«
Harry dachte nach.
»Eigentlich hast du ja nur eine Vermisste und eine Frau, die vermutlich nichts mit dem Fall zu tun hat, zur gleichen Zeit am gleichen Ort platziert. Im Grunde nichts, wofür man in Jubel ausbrechen müsste. Andererseits hast du mit hoher Wahrscheinlichkeit belegt, dass eine der Ermordeten – Charlotte Lolles – in ihrer Begleitung war, während sich zwei weitere Opfer – Borgny Stem-Myhre und Marit Olsen – in unmittelbarer Nähe von Ustaoset befanden. Also …«
»Ja?«
»Also muss ich dir wohl gratulieren. Du hast deinen Teil des Deals eingehalten. Was meinen angeht…«
»Vergiss es und wisch dir das Grinsen aus dem Gesicht. Ich weiß genau, dass du jetzt grinst. Ich hab's nicht so gemeint, du weißt doch, ich bin unzurechnungsfähig.« Sie knallte den Hörer auf.
KAPITEL 23
Passagier
S ie saß allein im Bus. Stine legte die Stirn an die Scheibe, um nicht bloß ihr eigenes Spiegelbild zu sehen, und starrte auf die leere, nächtlich verwaiste Busstation. Hoffte, dass jemand kam. Dass niemand kam.
Er hatte im Krabbe am Fenster gesessen, vor sich ein Bier, und sie angestarrt, ohne sich zu rühren. Mütze, blonde Haare und wilde blaue Augen. Der Blick lachte, stach, flehte und rief ihren Namen. Zu guter Letzt hatte sie Mathilde gesagt, dass sie nach Hause wollte. Aber Mathilde hatte noch bleiben wollen, sie hatte gerade ein Gespräch mit einem amerikanischen Ölarbeiter begonnen, also hatte Stine ihren Mantel genommen, war vom Krabbe zum Busbahnhof gelaufen und hatte sich in den Bus nach Väland gesetzt.
Sie starrte auf die roten Ziffern der Digitaluhr über dem Fahrer. Hoffte, dass sich die Türen schlossen und sich der Bus in Bewegung setzte. Noch eine Minute.
Sie blickte nicht auf, weder als sie die schnellen Schritte hörte noch die atemlose Stimme, die um eine Fahrkarte bat, und auch nicht, als er neben ihr Platz nahm.
»Du, Stine«, sagte er. »Ich glaube fast, du gehst mir aus dem Weg.«
»Oh, hi, Elias«, sagte sie, ohne ihren Blick
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