Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Delphi Werke von Charles Dickens (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Werke von Charles Dickens (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Werke von Charles Dickens (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charles Dickens
Vom Netzwerk:
Verbrechen der Schlachtfelder einigermaßen wieder wettmachen; eine Welt, über die wir nicht spotten dürfen; denn sie ist voll von Geheimnissen, und nur ihr Schöpfer weiß, was hinter der Außenfläche seines ärmlichsten Nachbildes verborgen liegt!«
    Ich würde euch keinen Gefallen erweisen, wenn ich mit derber Hand die Freude dieser lange getrennten und jetzt wieder vereinten Familie analysieren wollte. Darum wollen wir den Doktor nicht in der Erinnerung an seinen Schmerz begleiten, den er nach der Flucht Marions empfunden hatte. Wir wollen auch nicht berichten, wie ernst er die Welt gefühlt hatte, zu der eine tief eingewurzelte Neigung das Erbgut aller Menschen ist; auch nicht, wie ihn eine solche Kleinigkeit, wie der Fehler bei einer einzigen kleinen Ziffer in der großen Narrenrechnung, zu Boden gedrückt hatte. Auch nicht, wie ihm seine Schwester schon lange aus Mitgefühl die Wahrheit allgemach enthüllt, ihm das Herz der freiwillig verbannten Tochter entdeckt und ihn zu ihrem Herzen geleitet hatte.
    Wir erzählen auch nicht, wie Alfred Heathfield in dem eben verflossenen Jahre die Wahrheit erfahren; und wie Marion ihn wiedergesehen und ihm als ihrem Bruder gelobt hatte, an dem Abend ihres Geburtstages Grace mit eigenem Mund alles zu offenbaren.
    »Ich bitte um Verzeihung, Doktor«, sagte Mr. Snitchey, in den Garten lugend, »darf man stören?«
    Ohne eine Antwort zu erwarten, ging er geradeswegs auf Marion zu und küßte ihr in großer Freude die Hand.
    »Wenn Mr. Craggs noch am Leben wäre, mein teures Fräulein Marion«, sagte Mr. Snitchey, »so würde er mit großer Teilnahme dem heutigen Tag folgen. Er würde vielleicht auf den Gedanken kommen, Mr. Alfred, daß das Leben uns nicht allzuleicht gemacht wird; daß es aber jede kleine Erleichterung, die wir ihm zu verleihen vermögend wären, wohl vertragen könnte; indessen Mr. Craggs war ein Mann, der auch vernünftig mit sich reden ließ. Wenn er jetzt der Überzeugung fähig wäre doch das ist Schwäche. Liebe Frau«, auf diesen Ruf trat die gemeinte Dame in die Tür, »du bist bei alten Bekannten.«
    Nachdem Mrs. Snitchey ihren Glückwunsch ausgesprochen, nahm sie ihren Gatten zur Seite.
    »Nur eine Sekunde, Mr. Snitchey«, sagte die Lady. »Es ist nicht meine Art, Toten Böses nachzusagen.«
    »Nein, liebe Frau«, erwiderte ihr Mann.
    »Mr. Craggs ist «
    »Ja, meine Liebe, er ist gestorben«, warf Mr. Snitchey ein.
    »Aber ich bitte dich, jenes Ballabends zu gedenken«, fuhr seine Frau fort. »Nur darum ersuche ich dich. Wenn du mir folgst und wenn dich dein Gedächtnis nicht ganz im Stich läßt, und wenn du nicht ganz geistesschwach geworden bist, so fordere ich dich auf, den heutigen Abend mit jenem zu verknüpfen und dich daran zu erinnern, wie ich dich auf meinen Knien anflehte und bat «
    »Auf den Knien?« fragte Mr. Snitchey.
    »Ja«, entgegnete Mrs. Snitchey ganz sicher, »und du weißt es dich vor diesem Mann in acht zu nehmen seinen Blick zu beobachten und jetzt sage mir, ob ich damals nicht recht hatte, und ob er an jenem Tage nicht im Besitz von Geheimnissen war, die er nicht für gut hielt, zu enthüllen?«
    »Liebe Frau«, flüsterte ihr der Anwalt ins Ohr, »bemerktest du vielleicht auch etwas in meinen Augen?«
    »Nein«, antwortete Mrs. Snitchey spitz. »Bilde dir nur das nicht ein.«
    »Weil wir zufällig an jenem Abend«, sprach er weiter und hielt sie am Ärmel fest, »beide Geheimnisse zu wahren hatten und weil wir beide eins und dasselbe wußten. Darum, Frau, je weniger du über diese Angelegenheit redest, desto besser; und nimm dir dies zur Lehre, damit du künftig die Dinge mit barmherzigeren und klügeren Augen ansiehst. Miß Marion, ich habe eine alte Bekanntschaft mitgebracht.«
    Die arme Clemency kam, die Schürze vor dem Gesicht, langsam am Arm ihres Gatten herein; dieser selbst mit einer ahnungsvollen Miene, daß es mit dem Muskatsieb zu Ende sei, wenn sie den Mut verlor.
    »Nun, liebe Frau«, sagte der Anwalt und hielt Marion zurück, die der alten Dienerin entgegeneilen wollte, »was fehlt Ihnen denn im Grunde?«
    »Was mir fehlt?« rief Clemency.
    Aber als sie jetzt verwundert und empört über die Frage und erschrocken über ein lautes Gejuchze Mr. Britains aufschaute und das wohlbekannte liebe Gesicht so dicht vor sich gewahrte, da machte sie große Augen, schluchzte, lachte, weinte, machte allerlei Ausrufe, umarmte Marion, hielt sie fest, ließ sie wieder los, fiel Mr. Snitchey um den Hals (worüber Mrs.

Weitere Kostenlose Bücher